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Wenn die Schule Bauchweh macht

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik im Klinikum Harlaching bietet ganzheitliche Therapiekonzepte für Familien

 

Maximilian (9 J.) kann nicht zur Schule gehen, er hat Bauchschmerzen, wieder einmal. Vor ein paar Monaten fing es an, mittlerweile plagt ihn das Bauchweh so oft, dass er kaum noch zum Unterricht kommt. Der Arzt kann keine körperlichen Ursachen finden. Es ist Maximilians Seele, die Kummer macht.

 

"Leider reagieren immer mehr Kinder mit Angst, Panik oder Depressionen auf den wachsenden Stress in unserer Gesellschaft", sagt Dr. Nikolaus von Hofacker, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik im Klinikum Harlaching. Psychische Probleme, die in der Schule auftauchen, sind in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Jedes fünfte bis sechste Kind ist mittlerweile davon betroffen. "Der Leistungsdruck in den Schulen ist enorm gestiegen. Die Schule nimmt einen großen Teil des Alltags von Kindern und Jugendlichen ein. Für kreative und sportliche Aktivitäten bleibt oft viel zu wenig Freiraum", weiß von Hofacker.

 

So auch bei Maximilian. Er steht vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule. Doch nur wenn die Noten stimmen, kann er den Sprung auf das Gymnasium schaffen. Das Fußballtraining ist deshalb in letzter Zeit meist ausgefallen, stattdessen stand Nachhilfe auf dem Programm. Und plötzlich fingen die Bauchschmerzen an. Zuerst dachte Maximilians Mutter an eine Lebensmittelunverträglichkeit. Doch der Arzt konnte nichts finden. Trotzdem wurden die Schmerzen immer schlimmer. Als der Junge schließlich gar nicht mehr zur Schule gehen wollte, suchten seine Eltern Hilfe in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik.

 

Ganzheitliches Therapiekonzept bezieht die Familie ein

"Hinter Symptomen wie Maximilian sie zeigt, stecken häufig eine ganze Reihe von Ursachen", erklärt von Hofacker. Seelische Probleme fänden ihr Ventil häufig in körperlichen Beschwerden, wie z. B. Kopf- und Bauchschmerzen oder Essstörungen. Ob die Kinder stationär oder in der Tagesklinik behandelt werden, hängt vom Alter und davon ab, wie schwer ihre Symptome sind. Maximilian wird in die psychosomatische Tagesklinik aufgenommen. Rund 50 Kinder betreut die tagesstationäre Einrichtung im Jahr. Einer ihrer Vorteile: Nach der medizinischen und psychotherapeutischen Therapie tagsüber dürfen die Kinder abends wieder nach Hause. Bei einer Behandlunsgsdauer von drei bis vier Monaten ist die enge Anbindung an die Familie wichtig. In Familiensitzungen sowie einer Elterngruppe zum Austausch von Müttern und Vätern, sollen Eltern mit in das Therapiekonzept einbezogen werden. "Wir bieten auch eine reine Vätergruppe an", erklärt von Hofacker und betont, dass den Vätern eine entscheidende Rolle bei der Therapie zufalle, "Väter sind heute viel engagierter als früher", sagt von Hofacker. Leider könnten sie aber aufgrund von Arbeitsbelastungen oder familiären Trennungen den Kindern nicht ausreichend zur Verfügung stehen. "Unsere Gruppe soll die Möglichkeit bieten, sich unter Gleichgesinnten auszutauschen", so von Hofacker. Großen Wert legt der Facharzt darauf, allen Angehörigen verständlich zu machen, dass es in der Therapie nicht um Schuldzuweisungen geht. "Wenn Familien zu uns kommen, versuchen wir einfach herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Kinder psychische Probleme entwickeln".

 

Kinder lernen ihre Fähigkeiten und Gefühle besser wahrzunehmen

Alle Kinder in der Tagesklinik gehen vormittags in die klinikinterne Staatliche Schule für Kranke. Zum einen sollen sie nicht den Anschluss verlieren, zum anderen bietet der Unterricht die Möglichkeit, die Kinder im Schulalltag zu beobachten und so Lösungen für die Verhaltensprobleme zu entwickeln. Nachmittags gibt es breit gefächerte Angebote an Einzel- und Gruppentherapien.

"Darunter sind viele kreative Therapien, wie Musik- und Bewegungstherapie. Hier lernen die Kinder, ihre Fähigkeiten und Gefühle besser wahrzunehmen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken", erklärt von Hofacker. Entscheidend für einen langfristigen Erfolg ist zudem die nachstationäre ambulante Betreuung. "In der Tagesklinik geht es erstmal um die Symptomverbesserung. Wir verstehen uns als ein Baustein in einem langfristigen Therapiekonzept", so von Hofacker.

 

Maximilian ist nach seiner Behandlung in der Tagesklinik auf einem guten Weg zurück in ein normales Leben. Er und seine Eltern haben gelernt, mit seinen Ängsten umzugehen, Ursachen frühzeitig zu erkennen und darüber zu sprechen. Bauchschmerzen plagen ihn kaum noch.

 

Jährlich betreut die Klinik für Kinderund Jugendpsychosomatik 120 Kinder und Familien. Gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Frauenklinik bildet sie mittlerweile ein interdisziplinäres Zentrum für Mutter, Kind und Familie.

 

DBV


Kontakt

Dr. med. Nikolaus von Hofacker

Chefarzt

Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik

Klinikum Harlaching
Telefon: (089) 6210-3339
nikolaus.hofacker(at)klinikum-muenchen.de


Behandlungsangebote


- Essstörungen

- Angststörungen
- Schulängste und Schulverweigerung
- Depressionen
- chronische Schmerzsyndrome
- psychische Probleme bei chronischen körperlichen Erkrankungen

 

> zur Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik

 


Den Gefühlen freien Lauf lassen und Spannungen abbauen: Musiktherapie macht den Kindern Spaß und hilft ihnen zugleich.