
Klinikum Bogenhausen setzt neue Maßstäbe in der Herzchirurgie
Interview mit Chefarzt Dr. Walter Eichinger
Als oft zitierte Referenzstätte für moderne Herzchirurgie gilt das Klinikum Bogenhausen mit seinen erfahrenen Operateuren. Chefarzt Privatdozent Dr. Walter Eichinger und sein 24-köpfiges Ärzteteam haben 2009 fast 1.500 kardiochirurgische Eingriffe erfolgreich ausgeführt. Fast jede zweite OP war ein Bypass (Umleitung verstopfter Herzkranzgefäße). An zweiter Stelle stehen der Austausch oder die zunehmende Rekonstruktion der Aorten- oder Mitralklappe mit insgesamt fast 500 Eingriffen. Über die Entwicklung und neuen Möglichkeiten der modernen Herzchirurgie berichtet der versierte Operateur im nachfolgenden Interview.
Wie hat sich die Herzchirurgie in den letzten Jahren weiterentwickelt?
PD Dr Eichinger: Dank neuer Operationstechniken können erkr ankte Her zklappen heute zunehmend rekonstruiert statt ersetzt werden. Das erfordert allerdings eine spezielle Ausbildung des Chirurgen und viel Erfahrung. Daher werden diese Eingriffe primär an spezialisierten Zentren angeboten. Bei diesem anspruchsvollen Verfahren können undichte Mitralklappen mit speziell konstruierten Klappenringen und künstlichen Sehnenfäden zuverlässig und dauerhaft repariert werden. Seit einigen Jahren rekonstruieren wir auch undichte Aortenklappen. Bei schwerwiegenden Verkalkungen der Aortenklappe wird allerdings der Ersatz mit einer biologischen oder mechanischen Herzklappe erforderlich. Am Klinikum Bogenhausen stehen hier für modernste Klappenprothesen zur Verfügung. Die meisten dieser Eingriffe können zudem unter Anwendung minimalinvasiver Techniken durchgeführt werden. Diese schonende OP-Methode ist weniger belastend und die Wundheilung wesentlich kürzer als bei konventionellen Eingriffen. Außerdem haben kleinere Schnitte auch kosmetische Vorteile. Im Bereich der Bypasschirurgie können wir sogar in vielen Fällen am schlagenden Herzen operieren. Damit kann auf den Einsatz der Herz-LungenMaschine verzichtet werden. Die Patienten können viel schneller regenerieren.
Als oft zitierte Referenzstätte für moderne
Herzchirurgie gilt das Klinikum Bogenhausen
mit seinen erfahrenen Operateuren. Chefarzt
Dr. Walter Eichinger und sein 24-köpfiges
Ärzteteam haben 2009 fast 1.500 kardiochirurgische Eingriffe erfolgreich ausgeführt.
Fast jede zweite OP war ein Bypass (Umleitung verstopfter Herzkranzgefäße). An zweiter Stelle stehen der Austausch oder die zunehmende Rekonstruktion der Aorten- oder
Mitralklappe mit insgesamt fast 500 Eingriffen. Über die Entwicklung und neuen Möglichkeiten der modernen Herzchirurgie berichtet der versierte Operateur im nachfolgenden
Interview
Was geht heute, was gestern (noch) nicht möglich war?
PD Dr Eichinger: Heute können wir Herzklappen über minimalinvasive Kathetertechniken implantieren; entweder über die Leistenarterie oder über die Herzspitze. Vorteil: Die Öffnung des Brustkorbs ist nicht mehr erforderlich und auch hier geht´s ohne die Herz Lungen-Maschine. Diese neue Methode eignet sich besonders für Patienten mit einem hohen OPRisiko und natürlich auch im hohen Lebensalter. Am Klinikum Bogenhausen wurden bisher insgesamt rund 170 Katheterklappen mit einer Er folgsrate von über 96 Prozent und weniger als fünf Prozent Letalität (Sterberisiko) implantiert. Das sind nach internationalen Maßstäbenabsolute Spitzenreferenzen.
Bei welchen Herzkrankheiten haben sich die Überlebenschancen um welche Zeit verbessert?
PD Dr Eichinger: Ein gutes Beispiel ist die verengte Aortenklappe: Eine unbehandelte Aortenstenose führt bei 50 Prozent der betroffenen Patienten innerhalb von zwei Jahren zum Tod. Typische Symptome sind Atemnot, Angina pectoris, Kreislaufkollaps bei Belastung. Eine Herzklappenprothese bewirkt eine ganz andere Überlebensprognose und vor allem Lebensqualität. Wir können bei diesen OP´s ausgezeichnete Ergebnisse aufweisen. Am Klinikum Bogenhausen wurde 2009 beim isolierten Aortenklappenersatz eine Letalität von unter zwei Prozent erreicht. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 2,59 Prozent ist das ein hervorragendes Ergebnis.
Wann benötigt man ein Ersatzherz?
PD Dr Eichinger: Wenn weder eine medikamentöse Therapie noch chirurgische Eingriffe die Pumpfunktion wieder herstellen oder aufrecht erhalten kann, muss ein geeignetes Organ von einem Spender anstelle des eigenen Herzens eingesetzt werden. Problematisch ist vor allem die Verfügbarkeit von Spenderorganen für diesen lebensrettenden Eingriff. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 347 Her ztr ansplantationen durchgeführt.
Wie können sich Patienten über die Techniken der neuen Herzchirurgie informieren?
PD Dr Eichinger: Schicken Sie mir am besten Ihre Fragen per Mail. Bitte unbedingt eine Telefonnummer angeben; wir rufen meistens schon innerhalb von 24 Stunden zurück.
Das Gespräch führte Michel Rodzynek
Kontakt
Priv. Doz. Dr. med. Walter Eichinger
Chefarzt
Priv. Doz. Dr. med. Walter Eichinger
Chefarzt
Klinik für Herzchirurgie
Telefon: (089) 9270-2631
Chefarzt Dr. Walter Eichinger leitet seit März
2 0 0 9 d i e H e r z c h i r u r g i e i m K l i n i k u m
Bogenhausen. Zuvor war er leitender Oberarzt
für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen
Herzzentrum München. Der erfahrene Operateur verwendet Bio- und Kunststoff-Herzklappen. Bei der von einem Rind oder Schwein
s t ammenden Bioklappe (gelb) können die
Patienten auf blutverdünnende Medikamente
verzichten. Dafür hat die natürliche Ersatzklappe eine begrenzte Lebensdauer von zehn bis 15
Jahren. Die Kunststoff-Herzklappe (schwarz)
hält ewig; erfordert aber auch die Einnahme
eines blutverdünnenden Mittels wie Macumar.
So gesehen ist die Wahl der Herzklappe auch
eine Frage des Lebensalters
| Chefarzt Dr. Walter Eichinger leitet seit März 2009 die Herzchirurgie im Klinikum Bogenhausen. Zuvor war er leitender Oberarzt für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herz-zentrum München. Der erfahrene Operateur verwendet Bio- und Kunststoff-Herzklappen. Bei der von einem Rind oder Schwein stammenden Bioklappe (gelb) können die Patienten auf blutverdünnende Medikamente verzichten. Dafür hat die natürliche Ersatzklappe eine begrenzte Lebens-dauer von zehn bis 15 Jahren. Die Kunststoff-Herzklappe (schwarz) hält ewig; erfordert aber auch die Einnahme eines blutverdünnenden Mittels wie Macumar. So gesehen ist die Wahl der Herzklappe auch eine Frage des Lebensalters. |
Chefarzt Dr. Walter Eichinger leitet seit März
2 0 0 9 d i e H e r z c h i r u r g i e i m K l i n i k u m
Bogenhausen. Zuvor war er leitender Oberarzt
für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen
Herzzentrum München. Der erfahrene Operateur verwendet Bio- und Kunststoff-Herzklappen. Bei der von einem Rind oder Schwein
s t ammenden Bioklappe (gelb) können die
Patienten auf blutverdünnende Medikamente
verzichten. Dafür hat die natürliche Ersatzklappe eine begrenzte Lebensdauer von zehn bis 15
Jahren. Die Kunststoff-Herzklappe (schwarz)
hält ewig; erfordert aber auch die Einnahme
eines blutverdünnenden Mittels wie Macumar.
So gesehen ist die Wahl der Herzklappe auch
eine Frage des Lebensalters
| Ein typisches Beispiel aus der fortschrittlichen Herzchirurgie: In Kooperation mit der Kardiologie unter Leitung von Prof. Ellen Hoffmann werden neue Herzklappen auch minimalinvasiv mit einem speziellen Katheter eingesetzt. Schnell und schonend. |


