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Tumorbehandlung. Komplexe Diagnostik und Verfahren

Gerade wenn man von einer Tumorerkrankung betroffen ist, ist die bestmögliche Behandlung das Wichtigste. Die Diagnose einer Krebserkrankung wie Rachenkrebs, Zungenkrebs oder Kehlkopfkrebs löst bei Betroffenen zunächst verständlicherweise Sorgen aus und es stellen sich viele Fragen. 

Was ist ein Tumor?

Geschwülste im menschlichen Körper werden in gutartige und bösartige Tumore eingeteilt. Eine gutartige Geschwulst wächst nur an Ort und Stelle, ohne in den Körper zu streuen. Bösartige Tumore („Krebs“) können hingegen in das umliegende Gewebe einwachsen und in den umgebenden Lymphknoten und anderen Organen des Körpers Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, bilden. 

Was sind die häufigsten bösartigen HNO-Tumore?

Die Tumore des HNO-Fachgebietes werden auch als Kopf-Halstumore bezeichnet. Dies sind Tumore des oberen Atem- und Speiseweges sowie der Mundhöhle, des Rachens, des Schlundes und des Kehlkopfes. Sie machen etwa 4% aller Krebserkrankungen aus. Häufige Krebserkrankungen in Kopf- und Halsbereich sind der Kehlkopfkrebs, der Zungenkrebs oder der Rachenkrebs. Überwiegend handelt es sich dabei um sogenannte Plattenepithel-Karzinome. Der Begriff bedeutet, daß der Tumor von der obersten Schicht der Schleimhaut („Plattenepithel“) ausgeht. 

Für die Entstehung dieser Krebserkrankungen sind starker Alkohol- und Nikotingenuß die häufigsten Faktoren. Zum Teil können sie aber auch durch bestimmte Viren, wie das humane Papilloma-Virus (HPV) ausgelöst werden. Am häufigsten sind Männer im Alter von über 50 Jahren betroffen, der Anteil an Frauen an unseren Tumor- und Krebspatienten nimmt aber stetig zu. Ebenfalls zum HNO-Bereich gehören die Tumore der Nase und der Nasennebenhöhlen, der Speicheldrüsen, der Ohren sowie der Schädelbasis. Hier gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Gewebetypen mit unterschiedlichen Entstehungsursachen.

Was sind die häufigsten Hauttumore im Gesicht?

Die operative Behandlung bösartiger Hauttumore im Gesicht gehört ebenfalls zu unseren Schwerpunkten. Die Diagnose dieser Tumore erfolgt oft durch den Hautarzt. In der Behandlung der Hauttumore besteht eine enge Kooperation mit unserer Hautklinik in der Thalkirchner Straße (Prof. Stolz, Prof. Ruzicka). Das Basalzell-Karzinom (Basaliom) wächst lokal zerstörend, streut jedoch so gut wie nie. Langjährige Sonneneinstrahlung ist das Hauptrisiko für das Auftreten dieses Tumors. Er tritt daher bevorzugt im Gesicht und im höheren Lebensalter auf. Das Auftreten des spinozellulären Karzinoms (Spinaliom) hat das gleiche Risikoprofil. Im Gegensatz zum Basalzell-Karzinom kann das Spinaliom Metastasen bilden. Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) kann auch in jüngeren Jahren auftreten. Auch bei diesem zählt die UV-Strahlung zu den Risikofaktoren. Da das maligne Melanom zum Streuen neigt, ist die frühzeitige vollständige Entfernung besonders wichtig. Falls erforderlich, führen wir die Entfernung des sogenannten Wächterlymphknotens (Sentinel node) durch.

Was tut man bei Verdacht auf einen Tumor im HNO-Bereich?

Bei dem ersten Kontakt mit Ihnen legen wir besonderen Wert auf eine ausführliche Beratung in einem persönlichen Gespräch und eine eingehende HNO-ärztliche Untersuchung durch unsere Ärztinnen und Ärzte. Nachfolgende weiterführende Untersuchungen, beispielsweise Ultraschall, Computer- und/oder Magnetresonanztomographie der Kopf-Halsregion, des Brust- und Bauchraumes. Das alles gibt Hinweise auf die Ausdehnung und die genaue Lage des Tumors sowie auf mögliche Streuherde. Abhängig von der Art und der Lage des Tumors gewinnen wir in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose eine Gewebeprobe, um eine Diagnose zu stellen. Bei kleineren Hauttumoren kann die Gewebsprobe entfallen, statt dessen wird die Veränderung komplett entfernt und gegebenenfalls auch während des Eingriffs eine Probe zur Untersuchung entsandt. Im Rahmen unserer Tumorkonferenz besprechen wir Ihren Fall mit den Kolleginnen und Kollegen der Strahlentherapie, Onkologie, Radiologie, Pathologie und gegebenenfalls weiteren Disziplinen. Gemeinsam erstellen wir einen individuellen Therapievorschlag, den wir mit Ihnen besprechen.

Wer behandelt mich im Klinikum Schwabing?

Die Diagnostik und Behandlung von HNO-Tumoren ist sehr komplex geworden. Die beiden wichtigsten Standbeine der Behandlung der Kopf-Halstumore sind die Operation und die Bestrahlung. Der Chefarzt Prof. Wolfgang Wagner und sein Ärzteteam haben umfassende Erfahrung mit der Auswahl der besten Behandlung für Sie und in der chirurgischen Behandlung der HNO-Tumore. Prof. Wagner war unter anderem Koordinator an einem der deutschlandweit größten Kopf-Hals-Tumorzentren (Tübingen). Aufgrund unserer Qualifikation im Bereich der Tumorbehandlung sind wir zertifiziertes Mitglied im Tumorzentrum München und Prof. Wagner ist Mitglied der Projektgruppe Kopf-Hals-Tumore des Tumorzentrums. Wir wissen um die lebenswichtige Bedeutung, die ein solcher Eingriff für Sie hat.

Eine Bestrahlung, falls erforderlich, wird ebenfalls im Klinikum Schwabing durchgeführt. Hier stehen Ihnen die modernsten Geräte zur Verfügung, unter anderen eine neuartige Methode zur Schonung von gesundem Gewebe (IMRT). Eine medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) kann begleitend sinnvoll sein. Diese erfolgt unter der erfahrenen Leitung des Chefarztes der Hämato-Onkologie Prof. Dr. Wendtner. Welche der Therapieformen für Sie am besten ist, hängt von der Lage und Größe des Tumors sowie von möglichen Streuherden ab, aber auch von Faktoren wie Ihrem Allgemeinzustand und Ihren Wünschen. Uns ist es wichtig, dass wir keine Behandlung „von oben herab“ diktieren, sondern wir wollen, daß Sie selbst als Betroffene/r die Behandlung und mögliche Alternativen verstehen und mögliche Therapieentscheidungen mittragen. Dies ist unsere Vorstellung von einem modernen und vertrauensvollen Arzt-Patientenverhältnis. In unserer Klinik erfolgt die gesamte Behandlung von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Reha-Maßnahme in einer Hand.

Muss ich operiert werden?

Tumorchirurgie ist der Überbegriff für operative Behandlungen von gut- und bösartigen Tumoren. Viele, aber nicht alle Tumore können mit Operationen erfolgreich entfernt werden. Dies hängt unter anderem von der Art des Tumors und vom Tumorstadium ab. Die notwendige Unterscheidung in gut- oder bösartig und die Entfernung kann in einer Spiegelung (minimal-invasiv, endoskopisch) oder in einer offenen Operation bestehen. Daneben können weitere Operationsmaßnahmen wie z.B. die Entfernung von Lymphknoten oder die Rekonstruktion von Gewebeanteilen notwendig sein. Bei jeder einzelnen Operation wägen wir sorgfältig ab, ob die Schwere des Eingriffs und der Nutzen für Sie in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen und ob eine Operation oder eine nicht-operative Therapie der bessere Behandlungsweg für Sie ist. Für Ihre Überwachung nach einer Operation steht uns in Schwabing als einem Klinikum der Maximalversorgung eine große Intensivstation zur Verfügung, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.  Die gegebenenfalls erforderliche Behandlung durch die anderen Fachdisziplinen, z.B. innere Medizin und Chirurgie, ist in unserem großen Klinikum ebenfalls ständig gewährleistet.

Wann kann eine wiederherstellende Operation für mich wichtig sein?

Bei allen Tumoroperationen haben wir zwei Ziele: Erstens den Tumor vollständig zu entfernen und zweitens das betroffene Organ (z.B. Zunge, Gaumenbogen, Kehlkopf) möglichst weitgehend zu erhalten. Ist doch ein ausgedehnterer Eingriff nötig, können Organteile, z.B. Teile des Gaumens oder der Zunge, aus körpereigenem Gewebe wieder aufgebaut werden (Fachbegriff Rekonstruktion), in der Regel im gleichen Eingriff wie die Tumorentfernung. Diese komplexen Operationen sind ein besonderer Kompetenzschwerpunkt unserer Klinik. Ziel der rekonstruktiven OP-Technik ist es, die Erholung der Organfunktion zu unterstützen, damit Sie so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückkehren können. Bei Tumoren der Gesichtshaut und der darunter liegenden Gewebsschichten kommen die Prinzipien der plastischen Chirurgie zum Einsatz. Zur Erzielung ästhetisch günstiger Ergebnisse nach Tumorentfernung werden die Narben, soweit möglich, in die natürlichen Hautfalten gelegt. Während kleine Hauttumoren in der Regel ambulant entfernt werden können, kann für größere Rekonstruktionen ein stationärer Aufenthalt notwendig sein.

Was kann man bei sehr fortgeschrittenen Tumoren tun?

Trotz modernster Therapiemöglichkeiten gibt es Fälle, in denen eine Heilung nicht möglich ist. Hier steht für uns die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Tumorverkleinernde Operationen können in solchen Fällen eventuell  eine Verbesserung der Lebensqualität erbringen. Wir wissen, daß zu den größten Sorgen von Tumorpatienten das Gefühl der Hilflosigkeit und die Angst vor Schmerzen gehören. Dementsprechend wichtig sind eine ausreichende Schmerzbehandlung und  alle weiteren unterstützenden Maßnahmen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Auch diese sogenannte palliative Behandlung gehört zu unserem Leistungsspektrum.

Wer betreut mich sonst noch?

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass Sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Dafür spielt die pflegerische Betreuung durch unsere erfahrenen Krankenpflegerinnen und -pfleger eine wichtige Rolle. Bei Bedarf werden sie während der Behandlung auch von unseren Physiotherapeut/innen auf Ihrem Krankenzimmer behandelt. Wir helfen Ihnen, nach der Operation rasch wieder "auf die Beine zu kommen". Auf Wunsch können Sie zusätzlich psychologisch und/oder seelsorgerisch begleitet werden. Bei Fragen zu Rehabilitationsanträgen, Beantragung von Krankentagegeld und Ähnlichem steht Ihnen unsere Diplom-Sozialpädagogin vom Sozialdienst zur Seite.  

Unsere Ziele für Ihre Behandlung sind:

  • eine medizinisch hochkompetente Behandlung, die die bestmögliche Heilungschance bietet
  • dass Sie die Behandlung und den Verlauf zu jedem Zeitpunkt verstehen und nachvollziehen können
  • dass Sie die Perspektive haben, wieder in ein „normales Leben“ zurückzukehren
  • Sie bei organisatorischen und sozialrechtlichen Fragen zu unterstützen
  • Schmerzfreiheit zu ermöglichen
  • dass sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen  

Unser Leistungsspektrum beinhaltet:

  • Endoskopie des oberen Atem- und Speiseweges zum Ausschluß oder Sicherung von gut- und bösartigen Tumoren
  • Modernste radiologische Diagnostik einschließlich PET-CT
  • Minimal-invasive organerhaltende Laserchirurgie des Kehlkopfes und des Schlundes
  • Entfernung auch ausgedehnter Tumore im Kopf-Halsbereich, falls erforderlich postoperative Versorgung auf der Intensivstation
  • Vorstellung sämtlicher Fälle in der interdisziplinären Tumorkonferenz mit HNO-Heilkunde, Strahlentherapie, Hämato-Onkologie,  Pathologie und gegebenenfalls weiteren Disziplinen
  • Operative Rekonstruktion von Teilen der Mundhöhle, der Zunge, des Rachens, des Schlundes mittels freier und gestielter Gewebelappen von Brustmuskel, Unterarm, Rückenmuskel, Oberschenkel und gegebenenfalls anderen Körperregionen
  • Operative Behandlung von Tumoren der Gesichts- und Halshaut (weißer Hautkrebs, schwarzer Hautkrebs) einschließlich Entfernung des Wächterlymphknotens (Sentinel node)
  • Mikrographisch kontrollierte Entfernung und intraoperativer Schnellschnitt
  • Besondere Expertise bei der plastisch-ästhetischen Rekonstruktion kleiner und großer Gesichtsdefekte
  • Modernste Bestrahlungsbehandlung (adjuvant, primär-kurativ oder palliativ) mit rapid-arc-Technologie, IMRT, IGRT, Atemtriggerung und integriertem CT zur Lagerungskontrolle
  • Begleitende Chemotherapie einschließlich Einsatz von Antikörpertherapie (Cetuximab)
  • Begleitende Physiotherapie
  • Falls erforderlich psycho-onkologische Begleitung
  • Falls erforderlich ernährungsmedizinische Beratung
  • Beratung und Hilfe bei der Regelung sozialrechtlicher Aspekte sowie bei der Organisation einer Reha-Maßnahme durch unseren Sozialdienst

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