Begleitung und Rat für Eltern und Angehörige nach einer Fehlgeburt

Sie haben sich darauf eingestellt, einem Kind das Leben zu schenken – und nun wird es nicht leben können.

Der Tod eines Kindes ist unbegreiflich. Schock, Schmerz, oft auch Verzweiflung, sind die beherrschenden Gefühle. Es fällt schwer, Worte zu finden. Und es fällt schwer, Entscheidungen zu treffen.

Mit den Informationen auf dieser Seite hoffen wir, Ihnen in dieser schweren Situation ein wenig weiterhelfen zu können. Damit sollen natürlich nicht Gespräche ersetzt werden, die jetzt nötig sind. Vielmehr möchten wir Ihnen mit den Informationen Unterstützung anbieten über Ihren Krankenhausaufenthalt hinaus.

Für die kommende Zeit wünschen wir Ihnen Kraft, Mut und Zuversicht sowie liebevolle Menschen, die Sie begleiten.

Neuregelung im Umgang mit verstorbenen Kindern unter 500 Gramm
Gemäß der Neuregelung §31 der Personenstandsverordnung können Eltern von sogenannten „Sternenkindern“, also Kindern, die mit einem Gewicht unter 500 Gramm tot geboren wurden, ihre Kinder beim Standesamt eintragen lassen und ihren Kindern damit einen Namen und eine Existenz geben. Zuvor war eine Beurkundung nicht möglich.

Abschied nehmen

Auch wenn die Vorstellung vom Abschied nehmen im ersten Moment hart und unvorstellbar wirkt, zeigt die Erfahrung, dass es für viele Mütter und Väter sehr gut und wichtig ist, sich von ihrem Kind ausdrücklich zu verabschieden.

Wenn es Ihr Wunsch ist, können Sie Ihr Kind anschauen, in den Arm nehmen und streicheln.

Sie haben die Möglichkeit, Ihrem Kind einen Namen zu geben. Auf Ihren Wunsch hin kommt die Klinikseelsorge, um mit Ihnen zu beten und Ihr Kind zu segnen.

Trauern

Das Ausmaß der Trauer um ein Kind, das nur kurz gelebt hat, wird meist unterschätzt – von den Betroffenen selbst, aber auch von Freunden und Verwandten.

Eltern fühlen sich nach einer glücklosen Schwangerschaftoft allein gelassen. Andere fühlen sich in irgendeiner Weise schuldig. Manchmal kommen Belastungen in der Partnerschaft hinzu – auch, weil nicht immer beide Elternteile auf gleiche Weise trauern.

Als Hilfe bieten Ihnen die Seelsorger/-innen, Psycholog/-innen und Sozialpädagogen/-innen der Klinik persönliche Begleitung und Beratung an.

Bitte äußern Sie Ihren Wunsch nach einem Gespräch bei dem Stationsteam.

Bestattung

Zu den vielen Fragen, Gedanken und schmerzhaften Gefühlen kommt auch die Frage der Bestattung. Auch wenn Sie den Gedanken an eine Bestattung weit von sich wegschieben möchten, lassen Sie sich Zeit zu spüren, ob Beerdigung und Grabstelle eine Bedeutung haben. Trauer braucht einen Ort der Erinnerung.

  • Wenn Ihr Kind mindestens 500 Gramm wiegt oder lebend geboren wurde, sind Sie verpflichtet, es zu bestatten. Sie müssen entscheiden, ob es in einem Reihen- oder Wahlgrab beigesetzt werden soll. Nähere Auskünfte erhalten Sie von der kommunalen Friedhofsverwaltung Ihres Wohnortes.

  • Wenn Ihr Kind weniger als 500 Gramm wiegt, können Sie es ebenfalls in einem Reihen- oder Wahlgrab beisetzen lassen, wenn Sie dies wünschen. Wenn Sie keine Einzelbestattung wünschen, wird Ihr Kind gemeinsam mit anderen Kindern in einer Gemeinschaftsgrabanlage zur Ruhe gebettet.

    Sehen Sie sich dazu, etwa aufgrund der akuten Belastungssituation, nicht in der Lage, ist das Klinikum verpflichtet, die Zur-Ruhe-Bettung in die Wege zu leiten. Dafür hat das Städtische Klinikum München ein eigenes Grab auf dem Ostfriedhof eingerichtet und gestaltet (Grabstelle Nr. 72 – 15 – 0007). Ihnen entstehen dadurch keine Kosten.

    Die Beisetzung findet halbjährlich statt. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben die toten Babys in der Klinik.

  • Mit der Zur-Ruhe-Bettung wird der Würde Ihres Kindes in angemessener Weise Rechnung getragen. Sie erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Regel einige Tage vor der öffentlichen Gedenkfeier an der Grabstelle.

Zweimal im Jahr findet eine Gedenkfeier an der Grabstelle auf dem Ostfriedhof statt. Sie wird religionsübergreifend von der Klinikseelsorge gestaltet. Sie können jederzeit ohne gesonderte Einladung an der Gedenkfeier teilnehmen.

Die Termine für die nächsten Trauerfeiern

Mit Kindern über das Sterben ins Gespräch kommen

Geschwisterkinder können in der Phase der Trauer leicht übersehen werden. Oft ist es auch die Absicht der Eltern, die Kinder zu schonen. Kinder spüren auf ihre Weise den Verlust, die Trauer und den Schmerz. Auch sie brauchen Hilfe, brauchen das Gespräch.

Gertrud Ennulat, Kinder trauern anders
Wie wir sie einfühlsam und richtig begleiten; HERDER Spektrum

Kinderbücher

  • Susan Varley: Leb wohl, kleiner Dachs (ab 4 J.); Betz
  • Wenche Oyen, Marit Kaldhol: Abschied von Rune (ab 6 J.); Ellermann
  • Regine Schindler: Pele und das neue Leben (ab 7 J.); Kaufmann
  • Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz (ab 8 J.); Oetinger
  • Elfie Donnelly: Servus Opa, sagte ich leise (ab 10 J.); Oetinger

Hilfreiche Literatur

Hannah Lothrop, Gute Hoffnung – jähes Ende
Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit, Begleitung und neue Hoffnung für Eltern; Kösel Verlag

Gottfried Lutz und Barbara Künzer-Riebel, Nur ein Hauch von Leben
Eltern berichten vom Tod ihres Babys und von der Zeit ihrer Trauer; Ernst Kaufmann Verlag

Julie Fritsch und Ilse Sherokee, Unendlich ist der Schmerz
Eltern trauern um ihr Kind; Kösel Verlag

Juliet Cassuto Rothman, Wenn ein Kind gestorben ist
Trauerbegleiter für verwaiste Eltern; Herder Verlag

Beratung und Begleitung

Verwaiste Eltern München e.V.
Geschäftsstelle: St.-Wolfgangs-Platz 9, 81669 München
Telefon (089) 4808899-0, E-Mail: info(at)ve-muenchen.de
http://www.verwaiste-eltern-muenchen.de

Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft” e.V.
Hauptgeschäftsstelle: Hillebachstraße 20, 37632 Eimen
Telefon (07181) 21275, E-Mail: HGST(at)initiative-regenbogen.de
www.initiative-regenbogen.de

SternenKinder – Regenbogengruppe glücklose Schwangerschaft
Beratungsstelle: Häberlstraße 17, 80337 München
Telefon (089) 6426888
www.sternenkinder-muenchen.de