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Hatschi! Allergien weiter auf dem Vormarsch

Fast jeder zweite Deutsche leidet im Laufe seines Lebens unter einer Rhinitis allergica, einer allergischen Erkrankung der Atemwege. Rund ein Drittel der Bevölkerung quält sich mittlerweile mit Heuschnupfen herum. Die Allergie-Experten der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin im Klinikum Schwabing erklären, was alles Allergien auslöst, wie die Medizin die Beschwerden lindern und wie man persönlich vorbeugen kann

Spitzenreiter unter den allergischen Erkrankungen ist der durch Pollen verursachte Heuschnupfen. 20 Millionen Deutsche leiden alljährlich in der Pollenflugsaison unter den klassischen Symptomen wie Schnupfen, Niesreiz und gereizten Augen. Auch Hausstaubmilben machen immer mehr Menschen zu schaffen, zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung sind mittlerweile betroffen. „Allergische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahrzehnten in allen westlichen Industrieländern stark zugenommen“, bestätigt Oberärztin Dr. Brigitte Coras.

Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit der Frage nach den Auslösern. Insbesondere der Einfluss von Umwelt und Lebensbedingungen steht im Fokus des Interesses. Dabei fällt auf, dass sich in Schwellen- und Entwicklungsländern Allergien kaum ausbreiten. Das führte zu der sogenannten Hygiene-Hypothese, die besagt, dass Kinder aufgrund der hohen hygienischen Standards in den Industrieländern zu wenig Kontakt mit Bakterien, Viren und Parasiten haben. „Vor allem in den ersten Jahren wäre dies aber nötig, um das Immunsystem richtig zu trainieren“, erläutert Chefarzt Prof. Dr. Wilhelm Stolz. Eine erbliche Veranlagung kann zudem das Risiko erhöhen, selbst an einer Allergie zu erkranken. Bis heute sind die genauen Ursachen jedoch nicht eindeutig geklärt.

Was passiert bei einer allergischen Reaktion?

Bei allergischen Erkrankungen der oberen Atemwege reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe. Das können Pollen von Bäumen oder Gräsern sein, Hausstaubmilben, aber auch Tierhaare oder Pilzsporen. Das Immunsystem fängt an, diese Stoffe zu bekämpfen und schüttet dabei sogenannte Histamine aus. Diese lösen die typischen Symptome wie eine juckende, laufende Nase, Niesreiz, rote, tränende Augen und Druckgefühl im Kopf aus.

Eine Rhinitis allergica ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. Es besteht aber die Möglichkeit von Komplikationen und Folgeerkrankungen, die die Lebensqualität erheblich einschränken können“, erklärt Prof. Stolz. Besonders gefährlich ist der sogenannte „Etagenwechsel“. Davon sprechen Mediziner, wenn die allergische Erkrankung der oberen Atemwege auf die Bronchien in den unteren Atemwegen übergreift und Asthmaerkrankungen auslöst.

Frühzeitige Diagnose und Therapie schützen vor Folgeerkrankungen

Eine nicht behandelte allergische Erkrankung kann neben Asthmaerkrankungen auch gefährliche Kreuzallergien auslösen. Dann reagiert ein Allergiker nicht mehr nur allein auf Gräser oder Pollen, sondern auf andere allergieauslösende Stoffe, etwa in bestimmten Lebensmitteln. „Wir raten deshalb jedem, der allergische Reaktionen bei sich beobachtet oder unter einem länger anhaltenden, ungeklärten Schnupfen leidet, sich von einem Fachmann untersuchen zu lassen“, so Dr. Coras. „Wichtig ist dabei, dass der Patient möglichst genau schildert, wann und wo diese Reaktionen eingesetzt haben.“

Besteht der Verdacht auf eine Allergie, wird diese üblicherweise mit dem „Prick-Test“ abgeklärt. „Zunächst werden dabei verschiedene allergenhaltige Konzentrate auf den Unterarm aufgebracht. Danach wird die Haut mit einer Nadel angeritzt, was in der Regel so gut wie schmerzfrei ist. Anhand der Hautreaktionen auf die Konzentrate wird festgestellt, auf welche Stoffe der Patient allergisch reagiert“, erklärt der Chefarzt. „Wenn der allergieauslösende Stoff identifiziert ist, werden die therapeutischen Maßnahmen eingeleitet.“

Am besten den Kontakt vermeiden

Wer die Ursache seiner Allergie kennt, sollte den Kontakt mit den allergieauslösenden Stoffen so gut es geht vermeiden. Manchmal ist das schwer möglich, dennoch gibt es ein paar Tipps, wie der Kontakt begrenzt werden kann.

"Besteht eine Hausstaubmilben-Allergie können Encasings einen guten Schutz bieten. Das sind milben- und allergendichte Bezüge für Matratzen, Bettdecke und Kissen“, erklärt Dr. Coras. Milben entwickeln sich am besten in einem warmen und feuchten Raumklima. „Achten Sie deshalb darauf, Räume nicht zu überheizen und regelmäßig zu lüften.“ Pollenallergiker sollten während der Pollenflugsaison Fenster und Türen tagsüber geschlossen halten. Pollenschutzgitter an den Fenstern bieten einen zusätzlichen Schutz. Vor dem Schlafengehen empfiehlt es sich, zu duschen, die Haare zu waschen und die Kleidung nicht im Schlafzimmer auszuziehen. „Pollen haften leider sehr gut an Kleidung und Haaren,“ weiß der Allergie-Experte.

Hyposensibilisierung als einzige wirksame Therapie

Es gibt verschiedene Wege, eine Allergie zu behandeln. Zunächst besteht die Möglichkeit einer symptomatischen Therapie. Hier kommen verschiedene Medikamente, wie Antihistaminika (schwächen die Wirkung der Histamine ab) oder schleimhautabschwellende Nasensprays zum Einsatz. „Allerdings bekämpft man so nur die Symptome. Das heißt, die allergische Reaktion wird abgeschwächt, aber nicht geheilt“, erklärt Prof. Stolz. 

Die einzige Möglichkeit, eine allergische Erkrankung zu heilen, besteht in einer Hyposensibilisierung, einer spezifischen Immuntherapie. Dabei wird der Patient wieder an die Stoffe gewöhnt, die bisher eine allergische Reaktion ausgelöst haben. Das geschieht meist über Spritzen, die in steigenden Dosen über einen Zeitraum von circa drei Jahren verabreicht werden. Am Anfang geschieht dies wöchentlich, später nur noch monatlich. „Die Erfolgsquote bei einer Hyposensibilisierung ist sehr hoch. Allergiepatienten sollten sich dennoch vorab von einem erfahrenen Allergologen beraten lassen“, empfehlen die Mediziner.

 Unsere Experten

Prof. Dr. Wilhelm Stolz, Chefarzt

Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin
im Klinikum Schwabing

Telefon: (089) 3068-2294
dermatologie.ks.server-mail@klinikum-muenchen.de

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Prof. Dr. Dr. Thomas Ruzicka, Ärztlicher Direktor

Klinik für Dermatologie und Allergologie
Thalkirchner Straße

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