Icon Notfall
Notfall

Die Arthrodese. Versteifungs-OP des Sprunggelenks

Als Arthrodese bezeichnen Mediziner die Operationen, bei denen sie Gelenke mittels Schrauben, Nägeln oder Platten fixieren. Die Knochen verwachsen im Laufe einiger Wochen miteinander; sie versteifen. Bei den Gelenken Knie, Hüfte und Schulter raten unsere Orthopäden heutzutage nur in absoluten Ausnahmefällen zu einer Versteifung, da wir mittels künstlicher Gelenke (Endoprothesen) nahezu immer bessere, mehr Mobilität erhaltende Lösungen anbieten können. Beim Sprunggelenk und dem Großzehengrundgelenk gilt die Arthrodese jedoch als eine probate Methode, um die Patienten von ihren unerträglichen Schmerzen zu befreien und den Gelenken Belastbarkeit und Stabilität zurückzugeben. 

Wann hilft eine Arthrodese?

Bei schweren Gelenkschäden – beispielsweise aufgrund von Arthrose, früheren Knochenverletzungen oder rheumatischen Erkrankungen – werden die Gelenke zunehmend instabil. Vielfach reibt Knochen auf Knochen, was kaum ertragbare Schmerzen hervorruft.

Wenn beim oberen Sprunggelenk konkrete Argumente gegen einen künstlichen Gelenkersatz sprechen oder dieser sich bereits gelockert hat, dann stellt die Arthrodese die beste Option dar, um den Patienten zu Schmerzfreiheit oder zumindest zu einer deutlichen Schmerzreduktion zu verhelfen. Durch die OP gewinnt der Patient Belastbarkeit und Stabilität im Gelenk zurück.

Welchen Patienten wir eine Arthrodese empfehlen

  • Wenn Patienten ihren Fuß stark belasten müssen, beispielsweise weil sie im Beruf viel stehen und gehen müssen
  • Wenn eine massive Arthrose vorliegt, dann erweist sich die Arthrodese oftmals als bessere Option – wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen
  • Bei einem deutlichen Hallux valgus, einer Fehlstellung der Großzehe, und einer gleichzeitig festzustellenden ausgeprägten Arthrose in den Fußgelenken
  • Falls ein Sprunggelenk aufgrund einer stark geminderten Knochenqualität (etwa durch eine Osteoporose) oder aufgrund ausgeprägter Durchblutungsstörungen (Nekrose) komplett zerstört ist
  • Besteht zusätzlich zum Gelenkverschleiß eine chronische Infektion im Sprunggelenk, dann stellt die Arthrodese die einzige Option dar, um der Schmerzsituation Herr zu werden 

Keine Sorge: Trotz Versteifung bessere Beweglichkeit

Das Wort Versteifung jagt vielen Patienten zunächst einmal einen Schrecken ein: Zum einen fürchten sie, einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit zu verlieren, und zum anderen klingt das Wort in ihren Ohren so endgültig und negativ.

Anders als von den meisten Patienten im Vorfeld vermutet, fallen die Bewegungseinschränkungen jedoch nicht gravierend aus: Auch nach Versteifungen im Sprunggelenk können die Patienten gut gehen und in Maßen Sport treiben.

Bei Versteifungen einzelner Fußgelenke sind die Einschränkungen kaum wahrnehmbar – benachbarte Fußgelenke übernehmen die Funktion. 

Durch die Versteifungsoperation wird der Schmerz, der bei den Patienten einen hohen Leidensdruck hervorgerufen hatte, ganz maßgeblich reduziert. Demzufolge vergrößert sich der Bewegungsradius wieder deutlich und die Patienten können – auch in den Fuß belastenden Berufen - wieder arbeiten und aktiv am sozialen Leben teilnehmen.

Die meisten Patienten fühlten sich vor der Arthrodese viel stärker durch die Schmerzen bei ihren Aktivitäten eingeschränkt als hinterher durch die etwas geringere Beweglichkeit.

 

Wie wir unsere Patienten auf die Versteifungsoperation vorbereiten

Bevor wie eine Arthrodese planen, nehmen wir uns stets viel Zeit, um das vorgeschlagene Vorgehen ausführlich mit den Patienten zu besprechen. Zuvor haben wir mittels sorgfältiger Untersuchungen das Ausmaß der Gelenkzerstörung, eventuelle Fehlstellungen und die Stabilität der umliegenden Bänder erfasst.

Bei einer Sprunggelenksoperation fertigen wir stets auch Röntgenbilder des gesamten Beines im Stand an, um alle Beinachsen gut darstellen zu können. Bei Fußoperationen benötigen wir Röntgenbilder im Stehen, um die Fußknochen bei Belastung betrachten zu können.

Die Narkose. Unsere Empfehlung

Um die Operation vorzubereiten, benötigen unsere Anästhesisten in der Regel ein Blutbild und eventuell ein EKG (Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten im Herzen). Blutverdünnende Medikamente wie Marcumar müssen rechtzeitig vor der Operation abgesetzt werden.

Unsere Anästhesisten können mehrere Narkoseverfahren anbieten, empfehlen aber bei Sprunggelenks-Operationen in der Regel eine leichte Vollnarkose, kombiniert mit einer lokalen Nervenblockade. Diese Nervenblockade hält in der Regel zwölf bis 20 Stunden an, so dass auch die erste Nacht nach der Operation nahezu schmerzfrei bleibt. Bei einer Arthrodese des Großzehengrundgelenks kann sogar eine rein lokale Betäubung des Fußes erfolgen, „Fußblock“ nennen dies die Mediziner. Wenn die Patienten es wünschen, können sie aber auch eine leichte Vollnarkose erhalten. 

Ablauf einer Gelenkversteifung

Phase 1

Im Großen und Ganzen erfolgen Gelenkversteifungen nach einem ähnlichen Prinzip: Zunächst entfernen unsere Orthopäden oder Unfallchirurgen die Reste des in der Regel stark geschädigten Knorpels. Dann werden die Knochenflächen, die bisher das Gelenk gebildet haben und die jetzt verbunden werden sollen, angeraut und vorbereitet – die Mediziner sprechen von „Anfrischen“. 

Phase 2

Dann gilt es, die Knochen in eine ideale Stellung zu bringen und dort mit Schrauben, Marknägeln oder speziellen Platten-Implantaten (beim Großzehengrundgelenk) zu verbinden. Diese Schrauben, Nägel oder Platten sorgen dafür, dass das Gelenk anfangs stabil bleibt, so dass die Knochen – wie nach einem Knochenbruch – auf natürliche Weise miteinander verwachsen.

Um die Knochenverheilung zu verbessern, legen wir zum Teil auch körpereigene Knochenspäne (beispielsweise aus dem Beckenkamm) oder künstliche Knochenersatzmaterialien ein. 

Phase 3

Sobald wir die vormaligen Gelenke in der exakten Position fixiert haben, nehmen wir – noch während der Operation – eine Röntgenkontrolle vor. Dann vernähen wir die Gelenkkapsel und die darüber liegenden Gewebeschichten und legen eine Drainage, damit Wundsekret ungehindert abfließen kann.

Wie lange dauert die OP?

Die Operation dauert beim Sprunggelenk in der Regel eine bis eineinhalb Stunden, beim Großzehengrundgelenk eine dreiviertel bis eine Stunde.

Wann operieren wir minimal-invasiv, wann offen?

Einen Teil der Sprunggelenks-Arthrodesen können unsere Orthopäden minimal-invasiv, also ohne große Schnitte durchführen. Jedoch ist dies bei Fehlstellungen und größeren Knochenschäden nicht möglich, dann müssen sie zugunsten einer stabilen Fixierung offen operieren.

„Die Sprunggelenks-Arthrodese ist eine anspruchsvolle Operation, da sie genaue Kenntnisse der Biomechanik dieses komplexen Gelenkes erfordert, vor allem wenn auch das untere Sprunggelenk betroffen ist“, betont Oberarzt Daniel Franz. 

Wie lange bleibe ich in der Klinik?

Nach einer Sprunggelenks-Arthrodese bleiben die Patienten in der Regel fünf bis sieben Tage in unserer Klinik, nach einer Versteifung des Großzehengrundgelenks zwei bis drei Tage. Die Drainage können wir in der Regel bereits am Folgetag nach der Operation entfernen.

Die Wunde kontrollieren wir engmaschig, mindestens alle zwei Tage wechseln wir den Verband. Alle Patienten erhalten eine – individuell entsprechend ihrer Vorerkrankungen – angepasste Schmerztherapie. Wir empfehlen, das Bein konsequent hoch zu lagern, um die Heilung zu begünstigen.

Was geschieht nach der OP?

Da die Knochen in komplett stabiler Stellung gehalten werden müssen, damit sie in Ruhe zusammenwachsen können, legen wir nach jeder Arthrodese einen Gips an, der etwa sechs Wochen bleibt. Danach erhalten die Patienten, bei denen das Sprunggelenk versteift wurde, einen speziellen Schuh.

Nach der Operation am Großzehengrundgelenk müssen die Betroffenen einen so genannten Walker, eine spezielle Gehschiene, tragen. Erst nach Ablauf von etwa drei Monaten können die Arthrodese-Patienten wieder normales Schuhwerk tragen. 

Die meisten Patienten kommen ohne weitere Hilfsmittel gut im Alltag zurecht. In einigen Fällen raten wir jedoch nach der Versteifung des Sprunggelenks zu Schuhen mit Abrollhilfe. Patienten, deren Großzehengrundgelenk versteift wurde, benötigen eventuell Einlagen, in seltenen Fällen einen Spezialschuh.

Kann ich mich nach der OP wieder sportlich betätigen?

Auch nach den Versteifungsoperationen sind sportliche Aktivitäten gut möglich: Die Patienten können ganz normal gehen, auch wandern, Rad fahren und schwimmen. Nur bei unebenem Untergrund tun sie sich möglicherweise anfangs etwas schwerer.

Laufsportarten stellen jedoch meist eine zu große Belastung für die Gelenke dar. Doch wer beispielsweise vorher gut und gerne Tennis gespielt hat, kann dies auch nach der Operation wieder aufnehmen, sollte aber dabei seinen Anspruch etwas zurücknehmen.

Was ist unsere besondere Expertise?

Als große Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin können wir genau abschätzen, wann die Versteifung die beste Therapie-Option für die betroffenen Patienten darstellt. Wir können das komplette Spektrum von operativen Eingriffen ausschöpfen, um die Schmerzsituation im Sprunggelenk durch rekonstruktive gelenkerhaltende Operationen zu verbessern, die wir im Rahmen von schonenden Gelenkspiegelungen (Arthroskopien) durchführen. Auch bei den modernen Sprunggelenksprothesen können wir bereits auf einen großen Erfahrungsschatz verweisen.

Warum Operationsrisiken und Komplikationen bei uns gering ausfallen

Durch sorgfältige Vorbereitung und aufgrund unserer langjährigen Expertise können wir die Risiken bei den Versteifungsoperationen niedrig halten. Gezielte Routinen und Maßnahmen helfen uns zudem, möglicherweise auftretende Komplikationen auf ein Minimum zu begrenzen: Thrombose-Prophylaxen gehören in unserer Klinik ebenso zum Standard wie verbindliche Hygiene-Regeln.

Bei Komplikationen, die aufgrund von anderen Vorerkrankungen auftreten können, können wir in unserer Maximalversorger-Klinik auf vielfältige Spezialisten und Einrichtungen zurückgreifen, die wir zum Teil auch bereits während der Vorbereitung zu Rate ziehen.

Verletzungen & Erkrankungen am Fuß & Sprunggelenk