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Wieder Appetit dank Magenschrittmacher

Magen-Darm-Zentrum am Klinikum Bogenhausen implantiert erstmals in Süddeutschland 46-Jährigem einen Magenschrittmacher per Schlüssellochchirurgie

Dass Ugur Uysaler endlich wieder normal essen kann, verdankt er einem kleinen medizinischen Gerät, einem so genannten Magenschrittmacher. Der Apparat wurde ihm Ende Januar 2012 im Abdominalzentrum am Klinikum Bogenhausen unter der Haut der Bauchhöhle implantiert.

Prof. Dr. Wolfgang Schepp, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie am Klinikum Bogenhausen zeigt den Magenschrittmacher (Bild rechts), dessen Abmessungen in etwa denen einer Scheckkarte entsprechen. "Ein Magenschrittmacher hilft Patien-tinnen und Patienten, die beispielsweise aufgrund einer Magenlähmung an hartnäckiger Übelkeit oder unter Erbrechen leiden, ihre Lebensqualität wieder deutlich zu steigern", erklärt Prof. Schepp und fügt hinzu "es war der erste minimalinvasive Eingriff dieser Art im süddeutschen Raum".

Nötig geworden war der Eingriff, weil Ugur Uysaler in Folge einer langjährigen Diabeteserkrankung unter einer Magenlähmung litt. Dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko haben, sei bekannt; auch über das diabetische Fußsyndrom wüssten die meisten Bescheid, sagt Schepp. Dass aber auch Magen und Darm Probleme machen können, sei vielen nicht bewusst.

Bei vielen schlecht eingestellten Diabetikern funktionieren aber der Magenmuskel, der für den Abtransport der Speisen in den Dünndarm verantwortlich ist, und der Schließmuskel zum Zwölffingerdarm nicht mehr. Das heißt, Speisen können nicht mehr richtig verdaut werden, so dass die Betroffenen unter Übelkeit leiden und sich häufig übergeben müssen. Dank des Magenschrittmachers werden beide Muskeln so stimuliert, dass die Speisen koordiniert in den Dünndarm weitergeleitet werden.

Um die Diagnose der Magenlähmung sicher zu stellen und schließlich fachmännisch zu operieren, ist die enge Zusammenarbeit von viszeralmedizinisch spezialisierten Internisten und Chirurgen unersetzlich. Dafür wurden die Kliniken für Gastroenterologie unter Prof. Wolfgang Schepp und für Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie  unter Prof. Wolf-Uwe Heitland*) als Abdominalzentrum zertifiziert. 

"Endlich kann ich wieder normal essen", sagt Ugur Uysaler und freut sich über die wiedergewonnene Lebensqualität.

Prof. Schepp ist zuversichtlich, dass die Schrittmachertechnologie noch vielen Patientinnen und Patienten helfen wird. So ist der Herzschrittmacher längst Alltag geworden, aber beispielsweise auch bei Stuhlinkontinenz hat man am Klinikum Bogenhausen mit der Technologie gute Erfahrungen gemacht. Auch in der Adipositasbehandlung, also der Therapie krankhafter Fettsucht, kommen Magenschrittmacher zur Anwendung. Derzeit gebe es in Deutschland hierfür jedoch noch keine Kostenübernahme der Krankenkassen, sagt Schepp. Anders bei einer Magenlähmung: Ugur Uysalers Kasse hat die Kosten für den Eingriff bezahlt.

 

*) Seit 1. März 2014 leitet Prof. Dr. Ayman Agha die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie im Klinikum Bogenhausen.

 

 

Prof. Dr. Wolfgang Schepp, Chefarzt

Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie
Klinikum Bogenhausen 

Sekretariat
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