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Mückenstiche - Was hilft wirklich?

Am See, in der lauen Sommernacht, im Wald, beim Sport - wo der Sommer am schönsten ist, sind Mücken immer schon da. In diesem Jahr ist die Gefahr von Mückenstichen wegen der Regenfälle und folgender Hitze noch größer als sonst. Prof. Dr. med. Wilhelm Stolz und Dr. med. Georg Isbary klären auf, was die kleinen Plagegeister eigentlich genau machen. Und sie geben Tipps, wie wir uns vor Stichen schützen und die Folgen lindern können.

Was passiert bei einem Mückenstich in unserem Körper?

Generell kann man es kurz spüren, wenn ein Insekt sticht oder beißt. Das tut es, um an unser Blut zu kommen und spritzt deshalb ein in unserem Speichel enthaltenes örtlich betäubendes und gerinnungshemmendes Sekret (aus körperfremden Proteinen) in unsere Haut. Dies führt zu der immunologischen Reaktion in Form von Quaddeln (Nesseln), Rötungen und Jucken.

Bei Stech- und Kriebelmücken und Gnitzen ist ein Stich bzw. Biss immer dann schmerzhaft, wenn ein Nervengebiet getroffen oder gestreift wird. Bei Bremsen oder bei Stechfliegen spürt man meist das Eindringen des Stechrüssels schmerzhaft.

Durch den Stich bzw. Biss wird der Botenstoff Histamin freigesetzt, der wiederum für Quaddelbildung und den allseits bekannten und äußerst lästigen Juckreiz verantwortlich ist. Je nachdem ob der Betroffene durch zurückliegende Insektenstiche sensibilisiert ist, ist auch eine immunologische Spätreaktion mit einer über mehrere Tage andauernden Rötung und Knötchenbildung möglich.

Mückenarten:

  • Stechmücken (Culicidae)
  • Kriebelmücken (Simuliidae, beißen und stechen nicht)
  • Gnitzen (Ceratopogonidae)
  • Bremsen (Tabanidae)
  • Stechfliegen (Stomoxys calcitrans)

Mit welchen Hausmitteln lässt sich der Juckreiz stoppen und welche wirkungsvollen Anti-Mücken-Mittel gibt es?

Es gibt hunderte verschiedene Hausmittel, die bei Mückenstichen angepriesen werden und die entweder durch Kühlung (juckreizlindernd, antientzündlich), durch Wärme (ab 45 Grad werden die körperfremden Proteine unschädlich gemacht), durch lokale Desinfektion oder durch örtliche Schmerzreduktion Linderung verschaffen. Beispiele sind Kühlpacks oder Eiswürfel (Vorsicht, die Haut darf nicht zu sehr unterkühlt werden!), Essig, Quark, Salzbrei, Honig, Kartoffel, Kohl, aufgeschnittene Zwiebeln, Spitzwegerich, Franzbranntwein, Lavendelöl, Spucke, Wachs, Wärmekompressen sowie heiße Metalle oder heißes Wasser (Vorsicht vor Verbrennungen).

All diesen Mitteln oder Methoden ist gemein, dass der Betroffene zumindest vom Kratzen abgehalten wird. Unberührt heilt der Mückenstich in der Regel immer am schnellsten ab. Sollte es dennoch stark jucken, können so genannte Antihistaminika aufgetragen werden (z.B. ein Fenistil Gel) oder kurzfristig angewandte Hydrocortison-Präparate, die den Juckreiz lindern und rezeptfrei in Apotheken erhältlich sind.

In welchen Fällen sollte ich lieber ärztliche Hilfe aufsuchen?

Ärztlichen Rat sollten sich Betroffene immer dann holen, wenn es zu einer ausgeprägten Reaktion, einer sich stetig ausbreitenden Rötung oder Fieber und Schüttelfrost kommt. Auch nach Aufenthalten in den Tropen oder anderen fernen Ländern ist es bei ungewöhnlichen Stichreaktionen ratsam, den Arzt frühzeitig aufzusuchen.

Wer in Risikogebiete reist, sollte bereits vorher mit einem Experten über effektive Präventionsmaßnahmen sprechen. Vergrämungsmittel (Repellents) wie etwa Autan (Icaridin) sollten oftmals bei Kleinkindern nicht angewendet werden. Hier müssen Nutzen und Risiko abgewogen werden.

Können Mückenstiche hierzulande auch Krankheiten übertragen?

In Deutschland ist die Übertragung von Krankheiten durch Mückenstiche selten. Am Häufigsten kann es aufgrund des Kratzens zu einer bakteriellen Infektion kommen. Die Stelle muss dann desinfiziert und gegebenenfalls antiseptisch behandelt werden. Gefürchtete Erkrankungen wie die Malaria, Leishmaniasen, Gelbfieber oder Dengue-Fieber werden in Deutschland bislang nicht übertragen, können aber im Rahmen des Klimawandels künftig zu einem größeren Problem werden.

Wie kann ich mich am besten vor Mückenstichen schützen?

Das effektivste Mittel gegen lästige Insektenstiche sind langärmelige Kleidung, Insektengitter, imprägnierten Moskitonetze und Vergrämungsmittel. Als natürliche Repellents kommen meist ätherische Öle von Gewürznelken, Lippenblütlern, Süßgräsern, Myrtengewächsen oder Zedern zum Einsatz. Großer Nachteil der natürlichen Repellents ist die sehr kurze Wirkdauer (weniger als eine Stunde) verursacht durch rasche Verdünnungseffekte.

Daher sollte man bevorzugt auf synthetische Vergrämer zurückgreifen, die die Wirkung über einige Stunden (bis etwa 3-4 Stunden) aufrecht erhalten können. Am besten geeignet sind Produkte die DEET (Diethyltoluamid) oder Icaridin beinhalten. Bei DEET – einem Alkoholprodukt – ist zu beachten, dass von der Verwendung bei Schwangeren und in der Stillzeit sowie bei Kindern unter 3 Jahren abgeraten wird. Icaridin sollte bei Kleinkindern bis zum Alter von 2 Jahren nicht verwendet werden. Ein weiterer effektiver Wirkstoff ist Ethylbutylacetylaminoproprionat (EBAAP, IR 3535). Dieser wirkt deutlich kürzer als die zuletzt genannten, hat aber den Vorteil, dass er auch gegen Bienen, Wespen und Sandmücken wirkt und bereits ab dem ersten Lebensjahr eingesetzt werden kann.

Das Stichrisiko wird bei diesen Produkten um mehr als 75% gesenkt. Achtung: Schweiß verkürzt die Wirkdauer aller Mittel und lockt durch den Geruch Mücken zusätzlich an. Die Dusche nach dem Sport und vor dem Schlafengehen senkt demnach das Stichrisiko. Außerdem sollte ein Repellent nicht parallel zur Sonnencreme, sondern erst eine halbe Stunde später aufgetragen werden, um die Wirkung beider Produkte nicht zu beeinträchtigen.

Auf elektrische Mückenfallen und Kerzen mit ätherischen Ölen sollte verzichtet werden, da sie zum einen durch das Licht weitere Mücken aus der Umgebung anlocken und zum anderen viele andere nicht stechende Insekten, wie Käfer und Falter unnötig vernichten. Hals- und Armbänder sowie Ultraschallgeräten fehlt der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis, zudem sind sie recht teuer.

Die Autoren dieses Artikels

Prof. Dr. Wilhelm Stolz, Chefarzt

Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin
im Klinikum Schwabing

Sekretariat
Telefon: (089) 3068-2294
Telefax: (089) 3068-3918
dermatologie.ks.server-mail@klinikum-muenchen.de

Dr. Georg Isbary, Facharzt

Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin
im Klinikum Schwabing 

Telefon: (089) 3068-2906
georg.isbary.server-mail@klinikum-muenchen.de

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