Icon Notfall
Notfall

Reine Nervensache - Neurologische Erkrankungen erkennen und behandeln

Neurologische Erkrankungen können sowohl das Gehirn und seine versorgenden Gefäße, als auch Rückenmark, Nerven und Muskeln betreffen.
Zu den bekanntesten und häufigsten neurologische Erkrankungen zählt der Schlaganfall. Dazu kommen Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute, (wie Multiple Sklerose, Meningitis und Encephalitis), Hirntumore, epileptische Anfälle, Bewegungsstörungen wie die Parkinson-Erkrankung, Demenzen, Erkrankungen der peripheren Nerven (zum Beispiel Polyneuropathie oder Guillain-Barre-Syndrom).

Warnschuss ernst nehmen

Durchblutungsstörungen im Gehirn unbedingt ärztlich abklären lassen

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist nur eine kurze Durchblutungsstörung im Gehirn mit vorübergehenden Auswirkungen, wie Lähmungs- und Sprachstörungen. Auch wenn die Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollte man sie auf jeden Fall abklären lassen, denn „die TIA ist der Warnschuss für einen Schlaganfall, also eine dauerhafte Durchblutungsstörung im Gehirn mit der Folge eines Infarktes“, erklärt Prof. Roman Haberl, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Intensivmedizin und Leiter der TIA-Klinik in Harlaching. „Jeder fünfte bis zehnte Patient mit einer TIA erleidet innerhalb von drei Monaten einen Schlaganfall.“

Münchens einzige TIA-Klinik

Die 2009 im Klinikum Harlaching eröffnete TIA-Klinik ist die bislang einzige in München und neben Oxford und Paris eine von wenigen in Europa. Anmelden kann man sich bei der tagesstationären Einrichtung telefonisch unter (089) 6210-5888.

TIA-Risiko

Ob es sich um eine echte TIA handelt, zeigen bestimmte neurologische Symptome wie Sprechstörung und Lähmung, insbesondere wenn Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck, ein Lebensalter über 60 Jahre oder ein Diabetes mellitus dazukommen. Zur Klärung und Risikoberechnung für einen Schlaganfall dient den Experten eine spezielle Tabelle. Durch die Einnahme von blutverdünnendem Aspirin lässt sich das Risiko eines Schlaganfalls deutlich verringern, so Haberl. „Am besten vom Tag der TIA an täglich eine Tablette Aspirin (100 mg) einnehmen“, rät der Chefarzt.

Schnelle und präzise Diagnostik

Die Spezialisten der TIA-Klinik können auch die Ursache der Durchblutungsstörung herausfinden. So erkennt das Computertomogramm, ob es sich um eine Blutung in das Gehirn handelt, bei der kein Aspirin gegeben werden darf. Engstellen an den Halsschlagadern macht eine spezielle Ultraschalltechnik, die Dopplersonographie, sichtbar. Herzrhythmusstörungen, wie Vorhofflimmern, erkennt das EKG. Beide, Vorhofflimmern und eine Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose) bedeuten ein besonders hohes Schlaganfallrisiko. Diesen Patienten wird deshalb empfohlen, auf die Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) zu gehen. Dort wird über die nötigen Therapiemaßnahmen entschieden, etwa eine Stent-Einlage oder Operation der Halsschlagader innerhalb der nächsten Tage oder der Beginn einer Behandlung mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen. Überdies werden Cholesterin- und Blutzuckerwerte bestimmt.

Andere Ursachen möglich

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass nur etwa die Hälfte der Angemeldeten tatsächlich eine TIA hat. Andere Diagnosen, wie Migräne, Lagerungsschwindel oder Synkopen sind häufig. „Aber lieber einmal zu viel zu uns kommen“, betont Experte Haberl, „denn beim Schlaganfall zählt jede Minute.“

Zeit ist Hirn: Schnelle Hilfe beim Schlaganfall

Chefarzt Prof. Helge Topka, Leiter der Stroke Unit am Klinikum Bogenhausen, erklärt im Interview, woran man einen Schlaganfall erkennt und warum Patienten in einer Stroke Unit am besten aufgehoben sind.

Vor zehn Jahren hat Prof. Dr. Helge Topka, Chefarzt der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Klinikum Bogenhausen eine „Stroke Unit“ eingerichtet, einer spezialisierten Notfall- und Intensivstation für Schlaganfallpatienten. Jährlich behandeln Topka und sein Team rund 1200 der insgesamt 4500 Münchner Schlaganfallpatienten. Im Interview erklärt der Chefarzt, woran man einen Schlaganfall erkennt und warum Patienten in einer Stroke Unit am besten aufgehoben sind.

Wie entsteht ein Schlaganfall?

In über 85 Prozent aller Fälle ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns durch einen Gefäßverschluss Ursache für einen Schlaganfall. Damit das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt werden kann, ist es wichtig, das verstopfte Gefäß so schnell wie möglich zu öffnen. Sonst betrifft der Zelltod immer größere Areale des Gehirns mit teilweise dramatischen Folgen. Weniger häufig sind Blutungen im Gehirn Ursache für einen Schlaganfall.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder Verengungen der Halsschlagadern. Aber auch Bewegungsmangel, Diabetes oder Rauchen können einen Schlaganfall begünstigen. Ebenso spielen das Alter und zu einem kleineren Teil Vererbung beim Schlaganfallrisiko eine Rolle. Auch Menschen mit Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhhofflimmern sind gefährdet, da sich hier im Herzen Gerinnsel bilden können, die letztlich zum Verschluss hirnversorgender Gefäße führen können.

Welche Warnzeichen deuten auf einen Schlaganfall hin?

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und sind in der Regel gut erkennbar. Dazu gehören etwa einseitige Lähmungen oder Sensibilitäts-, aber auch Sprach-, Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen sowie Sehstörungen oder Doppelbilder. Auch wenig ausgeprägte Symptome wie ein herabhängender Mundwinkel oder eine gestörte Mimik in einer Gesichtshilfe können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Betroffene, Angehörige, Freunde oder Kollegen sollten die Warnzeichen ernst nehmen und sofort handeln. Auch wenn sich Symptome schnell bessern, besteht keine Entwarnung. Vielmehr sollte rasch die Ursache geklärt werden.

Wie behandeln Sie einen Schlaganfall?

Generell gilt: Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance, zu überleben – und das mit möglichst wenig bleibenden Schäden. Wir raten Betroffenen schnellstmöglich ein Krankenhaus mit einer Stroke Unit aufzusuchen, wie wir sie zum Beispiel an unseren Standorten Bogenhausen und Harlaching vorhalten. Hier erheben wir zunächst eine umfassende Diagnose, um jede denkbare Komplikation möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig beginnt die für den einzelnen Patienten wirksamste Vorbeugung vor einem weiteren Anfall. Unser erfolgreicher Standard ist dabei eine intravenöse Auflösungstherapie. In Einzelfällen sind wir in einer überregionalen Stroke Unit wie in Bogenhausen mit einer neuen neuroradiologischen Intervention per Katheter erfolgreich. Dabei wird das Blutgerinnsel abgesaugt.

Schwachstellen Arterien und Venen

„Zeitbombe“ Hirnarterienaneurysma

Etwa 1,5 bis 2 Millionen der Deutschen haben ein Hirnarterienaneurysma, möglicherweise aufgrund angeborener Schwachstellen in der Arterienwand. Moderne Diagnostik und Behandlung hilft.

Schwachstellen Arterien und Venen - Moderne Behandlungsmethoden helfen

„Zeitbombe“ Hirnarterienaneurysma

Aneurysmen sind sack- oder beerenförmige Arterienaussackungen von unterschiedlicher Größe. Sie können prinzipiell an jeder Körperarterie oder -vene lokalisiert sein, sind aber besonders gefährlich, wenn sie sich an der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) oder an den Gehirnarterien (Hirnarterienaneurysma) befinden.

Etwa 1,5 bis 2 Millionen der Deutschen haben ein Hirnarterienaneurysma, möglicherweise aufgrund angeborener Schwachstellen in der Arterienwand. „Aber auch ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder das Rauchen können die Aneurysmaentstehung begünstigen“, erklärt Privatdozent Dr. Gernot Schulte-Altedorneburg, Chefarzt des Institutes für Neuroradiologie und Radiologie am Klinikum Harlaching.

Solange das Aneurysma nicht direkt auf eine empfindliche Struktur, wie einen Hirnnerv, drückt, verursacht es meist keine Beschwerden. Reißt das Aneurysma (Aneurysmaruptur) jedoch, was etwa bei einem Blutdruckanstieg, aber auch „aus heiterem Himmel“ passieren kann, kommt es zu einer Gehirnblutung. Diese löst typischerweise noch nie erlebte Kopfschmerzen aus – mit Übelkeit, Erbrechen, Nackensteife bis hin zu einer Ohnmacht.

Behandlung mit dem Mikrokatheter  

Etwa 20 Prozent der Patienten versterben in den ersten Stunden infolge einer solchen Blutung. Es ist daher entscheidend, den Patienten rasch in ein erfahrenes interdisziplinäres Neurozentrum zu transportieren. Hier kann entweder mit einem 0,5 bis 0,8 Millimeter dünnen Mikrokatheter das Aneurysma „von innen“ ausgestopft (Coiling) oder „von außen“ weggeklippt (Clipping) werden, was eine operative Eröffnung des Schädels erforderlich macht.

Welches Therapieverfahren im jeweiligen Fall (geblutetes/nicht-geblutetes Aneurysma) das geeignetere ist, muss vom interventionellen Neuroradiologen und Neurochirurgen diskutiert und festgelegt werden. Im interdisziplinären Neurozentrum am Klinikum Harlaching steht dem Team der rund-um-die-Uhr einsatzbereiten Neuroradiologen ein FLASH-CT der neuesten Generation zur Erkennung einer aneurysmabedingten Hirnblutung und für das Aneurysmacoiling eine hochmoderne Zwei-Ebenen-Angiographieanlage zur Verfügung. „Die modernen Großgeräte ermöglichen neben einer komplikationsarmen Therapie auch eine exakte und strahlendosiseinsparende Diagnostik“, betont der Neuroradiologe Schulte-Altedorneburg.

 

"Flash-CT" im Klinikum Harlaching

Chefarzt PD Dr. Gernot Schulte-Altedorneburg stellt den neuen "Flash-CT" vor: es ermöglicht in Sekunden CT-Bilder, die bislang bis zu 10 Minuten benötigten. Dadurch sind bewegte Organe wie Herz und Lunge in deutlich verbesserter Bildqualität bei verringerter Strahlendosis darstellbar. Es profitieren davon z.B. Schlaganfallpatienten, Herzpatienten, Tumorpatienten, und Schwerverletzte. Diese CT steht allen Patienten unserer 5 städtischen Klinken zur Verfügung. 

Tiefe Hirnstimulation bei Bewegungsstörungen

Bei Morbus Parkinson, Tremor-Erkrankungen und Dystonie sind Bewegungsstörungen häufig. Neurochirurgie und Neurologie beraten und behandeln interdisziplinär.

Tiefe Hirnstimulation bei Patienten mit Bewegungsstörungen

Im Rahmen des neu gegründeten interdisziplinären Zentrums für Bewegungsstörungen in der Klinik für Neurochirurgie Schwabing zusammen mit der Klinik für Neurologie Bogenhausen ist erstmals eine umfassende Beratung, Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen im Städtischen Klinikum München möglich. Hierzu zählen insbesondere Morbus Parkinson, aber auch Tremor-Erkrankungen und Dystonie.

Parkinson-Patienten sind durch Bewegungsstörungen stark beeinträchtigt

In Deutschland sind rund 250.000 Patienten vom Morbus Parkinson betroffen, einer bislang nicht heilbaren Erkrankung, bei der es zum Verlust von wichtigen Nervenzellen kommt, die für die Steuerung von Bewegungsabläufen durch die Produktion bestimmter Neurotransmitter (Dopamin) im Gehirn zuständig sind. Hierdurch entwickelt der Patient im Laufe der Zeit eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Akinese), zunehmende Muskelsteifigkeit (Rigor) und Zittern der Extremitäten (Tremor), welches bis zur Bewegungsunfähigkeit führen kann.

Zunächst ist die Erkrankung medikamentös mit L-Dopa oder dopaminwirksame Stoffe gut therapierbar, allerdings entwickeln sich vier bis sechs Jahre nach Beginn der Behandlung mit bestimmten Medikamenten bei etwa 40 Prozent der Parkinson-Patienten deutliche Wirkschwankungen der Medikation, so dass sich Phasen der Überbeweglichkeit mit Phasen der Unbeweglichkeit teilweise unkontrollierbar abwechseln. Dadurch wird die Lebensqualität der Patienten massiv beeinträchtigt.

Elektrostimulation des Gehirns ergänzt die medikamentöse Therapie

Eine der Therapieoptionen in dieser Situation ist die Tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation), bei der die hochpräzise Implantation von Elektroden in ein tief im Gehirn liegendes Gebiet erfolgt, das an der Bewegungsverarbeitung wesentlich beteiligt. Durch dessen kontinuierliche Stimulation werden elektrische Impulse im Gehirn gehemmt, welche die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wie Muskelsteifheit und Verlangsamung der Bewegungsabläufe verursachen.

Weitere Optionen sind eine kontinuierliche Medikamentengabe in die Haut (subkutane Apomorphin-Applikation) sowie über den Darm (Duodopa-Pumpe) mittels spezieller Pumpensysteme. Welche der möglichen Behandlungsoptionen für den Patienten am besten ist, besprechen Neurologen und Neurochirurgen gemeinsam mit dem Patient, dessen individuelle Bedürfnisse stets berücksichtigt werden.

Beratung in der Spezialsprechstunde

Zur Tiefen Hirnstimulation berät der leitende Oberarzt der Neurochirurgie, Dr. Thomas Reithmeier, jeden Donnerstag zwischen 10 und 14 Uhr in der Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen im Klinikum Schwabing. Hierfür ist eine vorherige telefonische Anmeldung unter (089) 3068-2319 nötig. 

Unsere Spezialisten - Infos und Kontakt

Die neurologischen Spezialisten des Städtischen Klinikums München haben bei der Diagnose und Behandlung von sämtlichen neurologischen Erkrankungen eine langjährige Erfahrung und verfügen über modernste Medizintechnik und umfassendes Know-how. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit der Experten sichert jedem Patienten eine auf ihn zugeschnittene Therapie zu.

 

 

Prof. Dr. Roman Haberl

Chefarzt der Klinik für Neurologie
und Neurologische Intensivmedizin
(Stroke Unit und TIA-Klinik) 
Klinikum Harlaching
Telefon: (089) 6210-2258
roman.haberl.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

Prof. Dr. Helge Topka

Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinische
Neurophysiologie und Stroke Unit
Klinikum Bogenhausen
Telefon: (089) 9270-2081
helge.topka.server-mail(at)klinikum-muenchen.de  

Prof. Dr. Thomas Helmberger

Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin
Klinikum Bogenhausen
Telefon: (089) 9270-2201
thomas.helmberger.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

PD Dr. Gernot Schulte-Altedorneburg

Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin
Klinikum Harlaching
Telefon: (089) 6210-2600
gernot.schulte-altedorneburg.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

Prof. Dr. Christianto Lumenta

Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie
Klinika Bogenhausen und Schwabing
Telefon: (089) 9270-2021 oder (089) 3068-2319
christianto.lumenta.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

Prof. Dr. Georg Goldenberg

Chefarzt der Klinik für Neuropsychologie
Klinikum Bogenhausen
Telefon: (089) 9270-2107
georg.goldenberg.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

Dr. Anselm Reiners

Chefarzt der Klinik für Frührehabilitation
und Physikalische Medizin 
Klinikum Bogenhausen
Telefon: (089) 9270-2401
anselm.reiners.server-mail(at)klinikum-muenchen.de

PD Dr. Peter Schöps

Chefarzt der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Naturheilverfahren und Spezielle Schmerztherapie 
Klinikum Harlaching
Telefon: (089) 6210-2982
peter.schoeps.server-mail(at)klinikum-muenchen.de