Icon Notfall
Notfall

Klinikum Bogenhausen

Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin
Ihr Kontakt zu unserer Abteilung

(089) 9270-2071

Herzrhythmusstörungen. Schlag für Schlag Normalität

Unser Herz schlägt tagein tagaus immer im gleichen Takt, 60 – 100 Mal pro Minute, eigentlich. Weicht es vom normalen Herzschlag ab, sprechen wir von Herzrhythmusstörungen. Sie äußern sich in verschiedenen Ausprägungen wie z.B. Herzrasen, Herzstolpern oder zu langsamen Schlägen. Ohnmachtsanfälle, Leistungsminderung, Luftnot und Schwindel können die Folge sein. Treten Herzrhythmusstörungen auf, sollten sie von einem erfahrenen Kardiologen abgeklärt werden, denn er kann beurteilen, ob die vorliegende Herzrhythmusstörung behandlungsbedürftig ist oder nicht.

Abklärung der Herzrhythmusstörung mit Spezialuntersuchungen

Um herauszufinden, welche Herzrhythmusstörung vorliegt und was sie verursacht, werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt. Neben der Abklärung auf das Vorliegen einer zugrunde liegenden Herzerkrankung (z.B. Herzultraschall und Fahrradstresstest) ist die Aufzeichnung der Rhythmusstörung in einem EKG das wichtigste, um die Behandlung festlegen zu können.

Das gelingt meist mit Langzeit-EKG-Rekordern, die es auch mit Spezialfunktionen  gibt wie z.B. das 12-Kanal-Langzeit-EKG, das mit mehreren Elektroden misst und eine genauere Diagnostik erlaubt.

Externe Ereignisrekorder können von den Betroffenen überall hin mitgenommen werden. Sie sind kleine tragbare EKG-Geräte, die eingeschaltet werden, wenn Beschwerden verspürt werden.

Interne Ereignisrekorder, sogenannte Loop-Rekorder, werden zum Beispiel bei wiederkehrender Ohnmacht unter die Haut injiziert, um den Herzrhythmus über mehrere Jahre zu überwachen.

Ist eine elektrophysiologische Untersuchung, eine sogenannte EPU, im Herzkatheterlabor notwendig, werden spezielle Elektroden an bestimmten Stellen des Herzens platziert. Unsere Kardiologen können dann anhand der Erregungsausbreitung nachvollziehen, welche Herzrhythmusstörung vorliegt. Zusätzlich können während der Untersuchung Reize gesetzt werden, um versteckte Herzrhythmusstörungen aufzufinden mit dem Ziel sie dauerhaft durch Verödung, der sogenannten Katheterablation, auszuschalten.

Behandlung von Herzrasen (Tachykardien)

Schnelle und regelmäßige Herzrhythmusstörungen aus den Herzvorhöfen, wie zum Beispiel die  AV-Knoten-Reentry-Tachykardie oder die Tachykardie bei WPW-Syndrom, sowie Vorhofflattern oder Vorhoftachykardien können mit einem kleinen Eingriff über die Leistenvenen in lokaler Betäubung mit einer sehr hohen Erfolgsrate und einer sehr geringen Nebenwirkungsrate behandelt werden.

Auch Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern wie z.B. ventrikuläre Extrasystolen oder ventrikuläre Tachykardien können mittels Katheterablation behandelt werden. 

„Die Kälteballontechnik überzeugt durch eine hohe Effektivität, um die Lungenvenen bei Vorhofflimmern zu isolieren. Da der Eingriff sehr kurz ist, ca. zwei Stunden, ist er gut verträglich. Die Cryotechnik überzeugt mit guten Langzeit-Ergebnissen auch im Vergleich mit der Radiofrequenzstrom-Technik.“
Dr. Florian Straube

Behandlung des Vorhofflimmerns mittels Medikamenten und Katheterablation

Das Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Sie ist zwar nicht lebensbedrohlich, erhöht aber das Risiko einer Gerinnselbildung und damit eines Schlaganfalls, so dass bei fast allen Patienten eine Gerinnungshemmung notwendig ist.

Die meisten Patienten bemerken Vorhofflimmern nicht. Achtzig Prozent der Patienten sind ohne Beschwerden. Für diese Patienten sind lediglich neben der Gerinnungshemmung (orale Antikoagulation) zur Schlaganfallvermeidung zusätzlich Medikamente zur Einstellung der Herzfrequenz auf 60 - 100 Schläge die Minute notwendig.

Manche Patienten jedoch, und das sind zwanzig Prozent, leiden unter Vorhofflimmern und verspüren Herzrasen, Herzstolpern, Luftnot, Schwindel, allgemeine Schwäche oder ähnliches. Hier ist das Ziel, den Rhythmus mit Medikamenten und/oder Ablation zu kontrollieren und einen stabilen Sinusrhythmus herzustellen.

Patienten, die am persistierenden, also anhaltendem Vorhofflimmern leiden, raten unsere Kardiologen, zuerst eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Antiarrhythmika in Betracht zu ziehen. Wenn die Medikamente keine Wirkung zeigen oder nicht vertragen wurden, kommt die Katheterablation in Frage.

Das paroxysmale, also das anfallsartig wiederkehrende Vorhofflimmern ist mit einer Katheterablation besonders gut behandelbar. Hier kann bei häufig wiederkehrenden kurzen beschwerlichen Episoden von Vorhofflimmern auch ohne einen vorangegangenen Versuch mit Antiarrhythmika eine Katheterablation empfohlen werden.

Kälte-Technik (Cryoablation) zur Regulierung des Herzrhythmus

Pro Jahr werden unter der Leitung unserer renommierten Chefärztin Prof. Dr. Ellen Hoffmann über 600 Katheterablationen mittels Verödung (Radiofrequenzstrom) oder Vereisung (Cryoablation) durchgeführt. Die Kälte-Technik (Cryoablation) wird seit etwa 2007 bei Vorhofflimmern angewendet, bei mindestens gleichem Erfolg wie die frühere Verödungs-Technik mittels Radiofrequenzenergie, aber mit einer sehr niedrigen Komplikationsrate und guten Ergebnissen im klinischen Verlauf.

Mit Hilfe eines Katheters wird ein kleiner Ballon (28 mm) in den linken Vorhof eingeführt und dort mit flüssigem Lachgas auf ca. -40 bis -60°C gefroren. Durch die Kälte entsteht eine Narbe um die Lungenveneneinmündungen (Pulmonalvenen), die zur elektrischen Isolation führt. Dadurch können Vorhof-Extrasystolen aus den Lungenvenen nicht mehr auf den Vorhof übergeleitet werden. Das wirkt sich regulierend auf den Herzrhythmus aus und das Vorhofflimmern kann dann häufig nicht mehr gestartet werden.

Mittlerweile wurden weltweit ca. 160.000 Eingriffe mit dieser Methode durchgeführt. Im Klinikum Bogenhausen sind es bis jetzt bereits über 1.500 Eingriffe und ist für diese Methode eines der erfahrensten Zentren weltweit.

Modernes, dreidimensionales Mappingsystem zur genauen Analyse

Wenn die Lungenvenen bei Vorhofflimmern bereits isoliert sind oder anhaltende Vorhoftachykardien vorliegen, z.B. ein atypisches Vorhofflattern, wird in unserer Abteilung für Kardiologie und internistische Intensivmedizin seit 2016 auch das neueste hochauflösende dreidimensionale Mappingsystem (Rhythmia™, Boston Scientific) in Verbindung mit der Radiofrequenzablation eingesetzt. Hiermit kann nicht nur die Erregungsausbreitung genau beurteilt, sondern auch zugrunde liegende  Vernarbungen in den Vorhöfen analysiert werden. In Fachkreisen gilt dieses Verfahren als vielversprechend in der Behandlung von persistierendem, also anhaltendem Vorhofflimmern, wenn z.B. alle Lungenvenen bereits isoliert sind.

Wiederherstellung des Sinusrhythmus bei Vorhofflimmern durch Elektrokardioversion

Mitunter ist es erforderlich, den Herzrhythmus in einer Kurznarkose mittels Stromstoß wieder zu normalisieren. Das ist die sogenannte Elektrokardioversion. Vorab muss aber eine transösophageale Echokardiographie („Schluckecho“) durchgeführt werden, um Blutgerinnsel im Herzen auszuschließen, damit sich während der Elektrokardioversion kein Gerinnsel löst und einen Schlaganfall verursacht.

Nachsorge nach Vorhofflimmerablation

Nach der Ablation ist es notwendig, eine gerinnungshemmende Medikation  (z.B. Phenprocoumon / Marcumar oder eines der neuen oralen Antikoagulantien) für mindestens zwei bis drei Monate konsequent durchzuführen. Auch nach dieser Zeit ist es in den meisten Fällen sinnvoll, die Gerinnungshemmung fortzuführen. Dies richtet sich nach Ihrem persönlichen Risiko einen Schlaganfall zu bekommen (CHA2DS2VASc Score). Die Ablation hat nicht das Ziel, die Gerinnungshemmer abzusetzen.

Forschungsprojekte, an denen Patienten bei Interesse teilnehmen können

Um für unsere Patienten eine auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Diagnostik und Behandlung zur Verfügung stellen zu können, führen wir kontinuierlich klinisch-wissenschaftliche Studien in unserer Klinik durch. Aktuelle klinische Untersuchungen sind

  • Vorhofflimmerablation
  • Schrittmacher- und Defibrillatortherapie
  • Thrombozytenaggregationshemmung

Falls ein Patienten für eine der laufenden Untersuchungen in Frage kommt, dann wird er ausführlich darüber mündlich und schriftlich informiert. Die Teilnahme ist selbstverständlich absolut freiwillig und kann jederzeit widerrufen werden. 

Schrittmachertherapie bei zu langsamem Herzrhythmus

Schlägt das Herz zu langsam oder setzt es zwischendrin aus, muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden. Der Herzschrittmacher ist ein kleines batteriebetriebenes Gerät, das zumeist in lokaler Betäubung eingesetzt wird. Es sendet elektrische Impulse an das Herz und normalisiert so den Herzrhythmus. In regelmäßigen Kontrollen wird die Leistung des Herzschrittmachers überprüft.

Schrittmachertherapie bei Herzschwäche (kardiale Resynchronisation - CRT)

Wenn neben einer verminderten Herzfunktion unter einer optimalen medikamentösen Einstellung zusätzlich auch ein Linksschenkelblock vorliegt und die elektrische Erregung des Herzens nicht synchron abläuft, dann kann in vielen Fälle ein spezieller Herzschrittmacher mit einer zusätzlichen Sonde für die linke Herzkammer die Herzfunktion unterstützen, mit dem Ziel, die Luftnot des Patienten zu bessern.

Der Herzschrittmacher sorgt dafür, dass die rechte und die linke Herzkammer gleichzeitig erregt werden und sich somit auch gleichzeitig zusammenziehen. Das Blut aus dem Herz gelangt dadurch besser in den Kreislauf und Beschwerden der Herzschwäche (Luftnot, Schwäche) können verbessert werden. Fast immer ist dieser spezielle Dreikammer-Schrittmacher (CRT) auch mit einer Defibrillatorfunktion (CRT-ICD) ausgestattet. 

Defibrillatortherapie (ICD) zum Schutz vor Kammerflimmern

Bei starker Pumpschwäche, häufig verursacht durch einen Herzinfarkt, einer Herzmuskelentzündung oder erblich bedingten Herzerkrankungen, kann ein eingesetzter Schrittmacher-Defibrillator (ICD) unseren Patienten vor lebensbedrohlichen Herzrasen, wie den Kammertachykardien oder Kammerflimmern, schützen.

Der Defibrillator erzeugt bei Auftreten des Herzrasens schmerzlose Reize in der Herzkammer, eine sogenannte antitachykarde Überstimulation, kurz ATP, die in den meisten Fällen die Herzrhythmusstörung beenden kann. Der Patient merkt davon nichts.

Nur im äußersten Notfall, z.B. bei Kammerflimmern oder sehr schnellen anhaltenden Kammertachykardien, wird ein Stromstoß vom eingesetzten Defibrillator ausgelöst, der das Herzrasen unterbricht und den normalen Herzrhythmus wieder in Gang bringt.

Defibrillator-Behandlung bei Risikopatienten

Patienten, die aufgrund einer Herzerkrankung ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod haben, können prophylaktisch mit einem implantierbaren Defibrillator behandelt werden. Elektroden überwachen den Herzrhythmus. Tritt eine bösartige Herzrhythmusstörung auf, aktiviert sich der Defibrillator und erzeugt eine elektrische Stimulation, die den Herzrhythmus wieder normalisiert.    

Wir behandeln alle Arten von Herzrhythmusstörungen:

Herzrhythmusstörung der Herzvorhöfe (supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen)

  • Extrasystolen
  • Vorhofflimmern
  • Vorhofflattern, Vorhoftachykardien
  • Sinuatrialer Block (SA-Block)

Herzrhythmusstörung der Herzkammern (ventrikuläre Herzrhythmusstörungen)

  • Extrasystolen
  • ventrikuläre Tachykardien
  • Kammerflattern
  • Kammerflimmern

Störungen der Erregungsbildung und -weiterleitung im Herzen

  • Sick-Sinus-Syndrom (Syndrom des kranken Sinusknotens)
  • AV-Blockierungen
  • AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT)
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)
  • Ventrikulärer Ersatzrhythmus