Schilddrüsen-OP. Vorsichtig und schonend

Die besondere Lage der Schilddrüse, eines winzigen schmetterlingsförmigen Organs im Hals, erfordert eine hohe Expertise und besonderes Fingerspitzengefühl bei sie betreffenden Operationen. Sicherheit steht bei uns in der endokrinen Chirurgie an oberster Stelle, doch sind wir auch sehr bedacht auf ein kosmetisch schönes Ergebnis und setzen möglichst kurze Schnitte, um minimal-invasiv zur Schilddrüse vorzudringen.

Mangelnde Jodzufuhr führt indirekt zu einer größeren Schilddrüse

Etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung über 50 Jahre hat eine vergrößerte Schilddrüse. Von den Medizinern wird sie Struma, landläufig häufig Kropf genannt. In den meisten Fällen führt Jodmangel dazu, dass sich das hormonproduzierende Organ vergrößert.

Wird mit der Nahrung zu wenig von dem benötigten Jod zugeführt, löst die Schilddrüse einen Wachstumsreiz aus. Anfangs vergrößert sich die Schilddrüse gleichmäßig, also auf diffuse Weise. Im Laufe der Zeit können aber auch knotige Veränderungen hinzukommen, die jedoch in den allermeisten Fällen nicht bösartig sind.

Vergrößerte Schilddrüse wird oftmals als störend oder gar entstellend empfunden

Vergrößert sich die Schilddrüse in einem starken Maß, kann diese Struma Schluckbeschwerden auslösen; sogar Atemprobleme treten gelegentlich auf, wenn das übermäßige Gewebe auf Speiseröhre oder Luftröhre drückt.

Manche Patienten berichten auch von dem Gefühl, einen Fremdkörper im Hals zu verspüren, oder leiden gar unter Heiserkeit. Zudem empfinden die Betroffenen den Kropf oftmals als entstellend. Falls die Vergrößerung der Schilddrüse nicht ausreichend rückgängig zu machen ist - beispielsweise durch Medikamente oder eine Radiojod-Therapie, können wir die Schilddrüse operativ entfernen.

Allerdings müssen die Patienten dann die Hormone, die von der Schilddrüse produziert werden, ihr Leben lang medikamentös zuführen.

Bei der Schilddrüsen-Operation den Stimmbandnerv stets im Auge behalten

Die Schilddrüse liegt sehr nahe am Stimmbandnerv, bei dessen Verletzung dauerhafte Heiserkeit droht. Zudem müssen wir die hinter der Schilddrüse liegenden kleinen Nebenschilddrüsen schonen, um den Calcium-Stoffwechsel nicht zu beeinträchtigen. Daher arbeiten wir bei unseren Operationen stets mit Lupenbrille und gehen mit großer Umsicht und Sorgfalt vor.

Da der Stimmbandnerv sehr nahe an der Schilddrüse liegt und wir ihn auf keinen Fall verletzen wollen, legen wir ihn im Rahmen der Operation frühzeitig frei, so dass er für uns sichtbar wird und wir ihn stets im Auge behalten können.

Gleichzeitig überwachen wir noch während der Operation die Funktion dieses wichtigen Nervs mit einem elektronischen Nervenmonitoring, so dass wir eventuelle Irritationen sofort erkennen und die Operationsstrategie daraufhin anpassen können.

Noch während der OP untersuchen wir Gewebe auf Krebszellen hin

Noch während der Operation untersuchen unsere Pathologen, ob in dem herausoperierten Knoten Krebszellen zu finden sind. Dies geschieht mittels des so genannten Schnellschnitt-Verfahrens:

Der Pathologe fertigt sofort einen Schnitt des entnommenen Gewebes an, den er dann unter seinem Mikroskop untersucht. Je nach Ergebnis können wir die Operation dann beenden und den Patienten im Anschluss beruhigen oder wir setzen eine ausgedehntere Schilddrüsenkrebs-Operation fort.

„Während der Operation überwachen wir die Funktion des Stimmbandnervs mit Hilfe eines elektronischen Nervenmonitorings, so dass wir eventuelle Irritationen sofort erkennen können.“
PD Dr. Christian Moser

Heiße und kalte Knoten zeigen sich durch nuklearmedizinische Untersuchung

In vielen Fällen geht mit der vergrößerten Schilddrüse im Laufe der Jahre auch eine Knotenbildung einher. Doch treten Knoten in der Schilddrüse auch auf, ohne dass eine Vergrößerung stattgefunden hat. Die Mediziner unterscheiden zwischen so genannten heißen und kalten Knoten. Während in den heißen Knoten sogar verstärkt Schilddrüsenhormone produziert werden, beteiligen sich die kalten Knoten nicht mehr am Schilddrüsen-Stoffwechsel.

Die Bezeichnungen „heiß“ und „kalt“ haben jedoch nicht mit Temperatur-Unterschieden zu tun, sondern beschreiben, wie sich die Knoten bei der fast immer eingesetzten bildgebenden Untersuchungsmethode, der Szintigraphie, zeigen: Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung nehmen die Patienten eine schwach radioaktive Substanz zu sich, wodurch aktive Gewebe als rote Areale, also heiße Knoten, und inaktive Gewebe als blaue oder kalte und dunkle Areale erkennbar sind.

Bei heißen Knoten helfen Medikamente und eine eventuelle Radiojodtherapie

Knoten in der Schilddrüse untersuchen wir zunächst durch Abtasten und per Ultraschall. Zudem analysieren wir eine Reihe von Laborwerten. Aufgrund der in der Regel ebenfalls durchgeführten Szintigraphie können wir Art, Größe und Lage der Knoten gut erkennen.

Bei heißen Knoten hilft oftmals eine Therapie mit Jod, Schilddrüsenblockern und Radiojodtherapie. Bei der Radiojodtherapie nehmen die Patienten Kapseln mit individuell berechneten Mengen radioaktiven Jods zu sich, das bestimmte Schilddrüsenzellen zerstört.

Aufgrund des – wenn auch geringen – Krebsrisikos entfernen wir kalte Knoten

Bei kalten Knoten können wir, falls es sich nur um einen einzelnen isolierten, aber nicht mehr zu kleinen Knoten handelt, mittels einer Biopsie-Nadel Zellen daraus entnehmen und pathologisch untersuchen lassen.

Bei mehreren Knoten raten wir in den meisten Fällen – gemäß den aktuellen medizinischen Leitlinien – den Schilddrüsen-Lappen, in dem die Knoten sitzen, operativ zu entfernen. Verteilen sich die Knoten über mehrere Schilddrüsenareale, operieren wir die gesamte Schilddrüse heraus. Der Grund für diese drastisch wirkenden Maßnahme: Kalte Knoten tragen ein – wenn auch niedriges – Risiko, bösartig zu sein.

Große Expertise bei Schilddrüsenkrebs

Diffiziler Eingriff, der einer großen Expertise bedarf

Weniger als zehn Prozent der in Schilddrüsen gefundenen Knoten sind bösartig. Sollte dies aber der Fall sein, müssen wir radikaler vorgehen: Je nachdem wie weit sich die Krebszellen – gemäß des Befundes unserer Pathologen – ausgedehnt haben, müssen wir auch die dahinter gelegenen Lymphknoten mit entfernen, da diese ein hohes Risiko tragen, ebenfalls von Krebszellen befallen zu sein und diese dann über die Lymphbahnen in andere Bereiche des Körpers zu verteilen.

Schilddrüsenkrebs-Operationen sind sehr diffizile Eingriffe, für die es einer weit gefächerten Expertise bedarf: Zum Teil ist es sogar notwendig, den Brustkorb zu öffnen, um im Mittelfellraum hinter dem Brustbein liegende Lymphknoten zu entfernen.

A und O der Behandlung bösartiger Knoten in der Schilddrüse ist die Operation

Beim Schilddrüsenkrebs liegt das A und O der Behandlung bei der Operation. In der Regel kommen keine Chemo- oder Strahlentherapien zum Einsatz, lediglich eine Radiojodtherapie, bei der bestimmte Schilddrüsenzellen durch radioaktives Jod in einer genau errechneten Dosierung zerstört werden, schließt sich in manchen Fällen an die Operation an.

Der Schilddrüsenkrebs hat ausgesprochen gute Heilungschancen – vorausgesetzt er wird sauber operiert. Daher ist es bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs unbedingt anzuraten, eine spezialisierte Klinik aufzusuchen, in der Experten der so genannten endokrinen Chirurgie tätig sind.

Operation bei akuter und chronischer Überfunktion der Schilddrüse

Schilddrüsenoperationen aufgrund krisenhafter Hormonüberproduktion

Krisenhafte Entgleisungen bei einer Schilddrüsenüberfunktion können ebenfalls Schilddrüsen-Operationen bedingen: In seltenen Fällen führen Röntgenkontrastmittel oder auch jodhaltige Medikamente zu einer plötzlichen Überfunktion der Schilddrüse, der man zunächst versucht mit Medikamenten und anderen nicht-operativen Therapien entgegenzusteuern. Wenn der Stoffwechsel dennoch krisenhaft entgleist, kann nur eine Schilddrüsen-Operation aus dieser lebensbedrohlichen Situation herausführen.

Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie – Hilfe bei chronischer Überfunktion

Beim Morbus Basedow, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, wird stets versucht, mit nicht-operativen Maßnahmen, meist mit Medikamenten und unter Umständen auch einer Radiojodtherapie ein Gleichgewicht herzustellen. Wenn sich aber diese Therapien als nicht ausreichend wirksam erweisen und es zu gefährlichen Entgleisungen kommt, dann ist es in den meisten Fällen ratsam, die Schilddrüse zu entfernen – und zwar komplett.

Bei der so genannten Schilddrüsenautonomie – meist eine Folgeerkrankung der Schilddrüsenvergrößerung, bei der heiße Knoten unbändig viele Hormone produzieren, - entnehmen wir nur die Areale der Schilddrüse, in denen sich die Knoten befinden.

Überfunktion der Nebenschilddrüse: Das Adenom operativ entfernen

Nebenschilddrüsen: Überfunktion schädigt mehrere Bereiche im Körper

Die vier Nebenschilddrüsen liegen im Normalfall hinter den beiden Schilddrüsenlappen und steuern mittels des von ihnen produzierten Parathormons den Kalzium-Stoffwechsel des Körpers. Bei einer Überproduktion dieses Hormons wird der Körper an mehreren Stellen geschädigt:

Den Knochen wird zu viel Kalzium entzogen, sie werden porös und können leicht brechen. Das übermäßige Kalzium kann sich in den Nieren ablagern und dort Nierensteine verursachen. Auch Herzprobleme und Depressionen können als Folge der Nebenschilddrüsen-Überfunktion (unter Medizinern als Hyperparathyreoidismus bezeichnet) entstehen.

In den meisten Fällen verursacht ein Adenom diese Überfunktion der Nebenschilddrüsen. Ein Adenom ist ein Knoten, der sich in den Nebenschilddrüsen zu 99 Prozent als gutartig erweist, aber übermäßig viel Parathormon produziert und daher entfernt werden muss.

„Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird meistens von einem Adenom verursacht. 99 Prozent der Adenome sind gutartig. “
PD Dr. Christian Moser

Wir lokalisieren, wo das Problem sitzt, und entfernen nur diese Nebenschilddrüse

Steht eine Operation der Nebenschilddrüse an, bereiten wir diese durch eine sehr sorgfältige und umfassende Diagnostik vor: Wir setzen hochauflösende Ultraschallgeräte ein, arbeiten dabei auch mit Kontrastmitteln, können eine spezielle Nebenschilddrüsen-Szintigraphie und bei Bedarf auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen.

Wir schöpfen alle Optionen unserer bildgebenden Verfahren aus, bis wir genau wissen, in welcher der vier Nebenschilddrüsen das Adenom sitzt und wo genau diese liegt. Diese Nebenschilddrüse – nur in ganz seltenen Fällen ist mehr als eine betroffen – operieren wir dann gezielt mittels ganz kleiner Schnitte heraus. Dabei achten wir stets auch auf ein kosmetisch schönes Ergebnis. 

Wir ziehen alle Register, um noch während der Operation Gewissheit zu erhalten

Noch während der Operation bestimmen wir den Parathormon-Spiegel – jeweils 10 und 15 Minuten, nachdem wir das Adenom entfernt haben. Falls dieser schnell abfällt, können wir gewiss sein, dass dieses eine Adenom das Problem verursacht hatte und keine Mehrdrüsenerkrankung vorliegt, die uns zum Weiteroperieren veranlassen würde.

Ebenfalls noch während der Operation fertigen unsere Pathologen einen Schnellschnitt des entfernten Knotens an, um sicherzustellen, dass das entfernte Gewebe tatsächlich ein Adenom war, und um eine – äußerst seltene – bösartige Wucherungen seiner Zellen auszuschließen.

Nachsorge meist in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten

Wir betreuen unsere Patienten auch nach der Operation noch weiter: Ist die Wunde gut verheilt? Gab es irgendwelche Komplikationen?

Die langfristige Nachsorge, vor allem was die Gabe von Schilddrüsenhormonen oder Nahrungsergänzungsmitteln betrifft, legen wir dann wieder in die Hände der erfahrenen Ärzte, die die Patienten an uns verwiesen haben.

Manche Patienten betreut unsere Klinik für Endokrinologie weiter, andere sind bei niedergelassenen Endokrinologen, Internisten oder ihren qualifizierten Hausärzten in guten Händen. 

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