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Klinikum Bogenhausen

Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Gastroenterologische Onkologie
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Achalasie. Funktionsstörung der Speiseröhre

Patienten mit Achalasie leiden häufig unter Schmerzen hinter dem Brustbein, wenn sie schlucken, sowie unter dem Gefühl, dass die Nahrung in der Speiseröhre steckenbleibt oder Essen nur durch häufiges Zwischentrinken möglich ist. Nachts kommt der Nahrungsbrei unwillkürlich wieder hoch, die Betroffenen berichten von Sodbrennen und schlechtem Mundgeruch. Schließlich meiden viele Patienten feste Nahrungsmittel, insbesondere Brot und Fleisch, und ziehen sich aus ihrem sozialen Alltag zurück, weil gemeinsames Essen fast nicht mehr möglich ist. Dies alles sind Anzeichen dafür, dass der Transport der Nahrung bis zum Magen nicht reibungslos funktioniert. 

Achalasie-Patienten haben oft eine Arzt-Odyssee hinter sich

Die Achalasie-Patienten haben oftmals eine Odyssee hinter sich, um die Ursache für ihre Beschwerden zu finden. Sie fühlen sich zum Teil sogar als Hypochonder abgestempelt, weil bei der Magenspiegelung, wenn sie im frühen Stadium der Erkrankung durchgeführt wurde, keinerlei Veränderungen zu erkennen gewesen waren.

Unsere Expertise, die nicht nur eine zielgerichtete Diagnostik, sondern auch besondere moderne Therapieverfahren umfasst, wird von den betroffenen Patienten daher sehr geschätzt.

Achalasie ist eine seltene Störung der Speiseröhrenfunktion

Als Achalasie bezeichnen Mediziner eine seltene Erkrankung in der Speiseröhre, bei der sich der Speiseröhren-Inhalt nur sehr schwer in den Magen entleeren kann. Die Schließmuskeln am Ende der Speiseröhre sind verdickt und öffnen sich während des Schluckvorgangs nicht wie beim gesunden Patienten, so dass der Transport nicht gelingt.

Manche Patienten leiden unter anfallsartigen Krämpfen der Speiseröhre, da die Speiseröhrenmuskeln im Gegenzug versuchen, die Nahrung mittels verstärkter Aktivität weiterzubefördern.

Ausgelöst wird die Achalasie durch eine Störung des Nervensystems in der Speiseröhre, das die Muskelfunktionen steuert. Patienten, die lange unter einer nicht erkannten Achalasie leiden, verlieren Gewicht, zeigen Mangelerscheinungen, haben Probleme mit Hustenattacken und besitzen ein erhöhtes Risiko, an einem Tumor in der unteren Speiseröhre zu erkranken.

Ein Bericht des BR Fernsehen zum neuen Therapieangebot POEM im Klinikum Bogenhausen

Neue Operationsmethode: Hoffnung für Erkrankte mit Schluckstörung
Quelle: BR Fernsehen, 30.05.2017, 18:00 Uhr

Differenzierte Diagnostik durch Magenspiegelung

Wenn wir abklären wollen, ob eine Funktionsstörung der Speiseröhre vorliegt, führen wir zunächst eine Speiseröhren- und Magenspiegelung durch, um die Schleimhäute von Speiseröhre und Magen intensiv zu betrachten. Wir führen dazu einen feinen Schlauch über den Mund ein – der Würgereiz wird durch ein Medikament unterdrückt.

Dieser Schlauch führt an seiner Spitze Licht und eine hochauflösende Kamera und erlaubt uns auch, Werkzeuge einzubringen, um zum Beispiel mit einer Zange Gewebeproben entnehmen zu können, die wir dann im Labor untersuchen lassen.

Schluckbeschwerden untersuchen wir mittels der Speiseröhren-Manometrie

Mittels der Speiseröhren-Manometrie können wir die Druckverhältnisse in der Speiseröhre und auch deren Bewegungsmuster untersuchen. Durch diese Untersuchung können wir seltene Erkrankungen der Motilität (Beweglichkeit) der Speiseröhre erkennen, so auch eine Achalasie.

Ein erster Anhaltspunkt ist die fehlende Entspannung des unteren Schließmuskels während des Schluckvorgangs. Die darüber liegende Speiseröhre arbeitet entweder stark gegen den Schließmuskel an oder wird komplett funktionslos, so dass es zu einer Erweiterung der Speiseröhre kommt. Sowohl die erhöhten Drücke als auch die Funktionslosigkeit lassen sich in der Druckmessung der Speiseröhre sehr gut darstellen.

Röntgenuntersuchung während des Schluckvorgangs

Als weiteren Diagnostik-Baustein setzen wir bei einem Verdacht auf Achalasie eine Röntgenuntersuchung ein.

Wir durchleuchten die Speiseröhre, während der Patient ein Kontrastmittel schluckt, und können so auf Röntgenbildern erkennen, dass der Speiseröhren-Ausgang verengt ist, die darüber liegenden Bereiche sich aber häufig in die Breite gedehnt haben und der Schluckvorgang gestört ist.

POEM: Dauerhafte und schonende Therapie bei Achalasie

Wenn wir eine Achalasie festgestellt haben, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Bisher war die wiederholte Aufdehnung des verengten Schließmuskels mit einem Ballon – ein Eingriff, der im Rahmen einer Magenspiegelung durchgeführt wird – Standard.

Wir setzen als erste Klinik in München die innovative POEM-Technik ein, bei der ebenfalls keinerlei Schnitte von außen erforderlich sind. Die perorale endoskopische Myotomie, kurz POEM, gilt als eines der technisch anspruchsvollsten Verfahren, das in der gastroenterologischen Endoskopie vorgenommen wird.

Prof. Dr. Thomas Rösch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gilt als Pionier dieser Therapie-Methode in ganz Europa und hat das Ärzte- und Pflegeteam der Endoskopie unseres Klinikums Bogenhausen in dieser neuen Technik geschult, die ersten Eingriffe persönlich angeleitet und berät unsere Gastroenterologen auch künftig, um die Technik weiterentwickeln zu können.

Vorgehensweise und Vorteile der POEM-Technik

Bei der POEM-Technik eröffnen wir im Rahmen einer Magenspiegelung vorsichtig mittels eines kleinen Schnitts die Schleimhaut der unteren Speiseröhre und fahren mit dem schlauchförmigen Gastroskop unter diese Schleimhaut bis zum Mageneingang.

Während uns das Gastroskop hochauflösende Bilder des Geschehens auf einen Monitor liefert, spalten wir die Ring- und Längsmuskulatur der unteren Speiseröhre über eine Strecke von sieben bis zehn Zentimetern präzise in Längsrichtung und verschließen anschließend den Schleimhautzugang wieder durch winzige Titanclips.

Mit diesem Verfahren können wir das Zusammenkrampfen des Schließmuskels dauerhaft beheben – ein klarer Vorteil gegenüber der Ballondehnung, die bisher als Standard galt und meist in regelmäßigen Abständen wiederholt werden musste.

Wir kontrollieren den Therapieerfolg

Durch eine Speiseröhren-Manometrie, die uns bereits bei der Diagnostik wertvolle Aufschlüsse geliefert hat, kontrollieren wir nach dem POEM-Eingriff nochmals die Druckverhältnisse in der Speiseröhre, so dass wir uns des Therapie-Erfolgs gewiss sein können.

Nur selten müssen wir eine Achalasie operieren

Nur ganz selten muss eine Achalasie operativ durch die chirurgische Abteilung angegangen werden, um die Muskulatur von Mageneingang und unterster Speiseröhre im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs durch die Haut zu spalten.

Wann immer möglich bevorzugen wir die POEM-Methode durch den Mund, ersparen unseren Patienten damit Schmerzen und auch Narben.

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