Osteoporose der Wirbelsäule (Osteoporotische Wirbelkörperfraktur)

Wenn Wirbelkörper aufgrund einer Osteoporose einbrechen, kann sich dies auf die Patienten – überwiegend ältere Frauen – ganz unterschiedlich auswirken. Manche Betroffene verspüren sofort massive Schmerzen, bei anderen fällt der Bruch zunächst kaum auf. Dann treten oftmals erst bei zunehmender Fehlstellung Beschwerden auf, etwa an den kleinen Wirbelgelenken, wenn diese starken Dehnungen ausgesetzt sind.

Unterschiede zwischen stabilen und instabilen osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen

Bei der Diagnostik und Therapie von osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen ist nicht die Stärke des Schmerzes maßgeblich, sondern die Form der Fraktur. Hierbei werden stabile und instabile Brüche unterschieden. 

Instabile osteoporotische Wirbelkörperfrakturen  

Wenn die Vorderkante einbricht, kann ein Keilwirbel entstehen, welcher zu einem Rundrücken führen kann. Besonders mehrere Keilwirbel in Folge lassen den Rundrücken bereits auf den ersten diagnostischen Blick erkennen. Bricht die Wirbelkörper-Hinterkante, dann wird die Fraktur als instabil eingestuft und bedarf einer stabilen Versorgung.

Stabile osteoporotische Wirbelkörperfrakturen

Wenn nur die Deckplatte des Wirbelkörpers einbricht, dann sackt der Wirbelkörper meist nur langsam ein und behält weitgehend seine Quaderform bei. In diesen Fällen sprechen die Orthopäden von einer stabilen Fraktur.

Die Spezialisten erforschen die Ursache im Rahmen einer eingehenden Untersuchung und erarbeiten die für Sie individuell geeignete Lösung während unserer Spezial-Sprechstunden. Wir bitten um eine Terminvereinbarung vorab - per Telefon oder per Online-Anfrage.  

Warum Auto- oder Fahrradfahren Wirbelkörperbrüche auslösen kann

Wer an Osteoporose erkrankt ist, hat eine deutlich verschlechterte Knochensubstanz. Vor allem die kleinen Knochenbalken, die ganz wesentlich zur Stabilität des Wirbelkörpers beitragen, sind von dem Knochenschwund betroffen. Sie sind ausgedünnt und zum Teil auch gebrochen, so dass sie ihre Funktion als solides Gerüst nicht mehr ausüben.

„Die instabilen Frakturen treten gehäuft dann auf, wenn die Frakturen aufgrund eines kleinen Traumas im Alltag passiert sind“, differenziert Chefarzt Prof. Gradl. Diese kleinen Mikro- oder Bagatelltraumen können beispielsweise entstehen, wenn jemand mit dem Auto über ein erhöhtes Hindernis fährt.

Auch beim Fahrradfahren oder Reiten können Belastungen auftreten, die bei Osteoporose-Patienten zu Wirbelkörperbrüchen führen.

Durch mehrere Studien konnte Prof. Gradl herausfinden, dass die sogenannten instabilen Frakturen deutlich häufiger auftreten als angenommen.

Warum das Patientengespräch für uns ganz wichtig ist

Da sich die Therapie-Empfehlungen bei stabilen und instabilen Wirbelkörper-Frakturen deutlich unterscheiden, legen die Unfallchirurgen in unserer Klinik großen Wert auf eine sorgfältige Anamnese. Im Patientengespräch versuchen sie herauszufinden, ob eventuelle Mikrotraumen vorgefallen sind.

„Wir müssen genau hinschauen, um die kritischen Fälle herausfiltern zu können“, beschreibt Prof. Gradl seine Intention.

In unserer Wirbelsäulen-Sprechstunde besprechen wir mit Ihnen alle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Wichtige Untersuchungen bei osteoporotischen Frakturen der Wirbelsäule

Neben dem Röntgen gehört auch eine Kernspin-Untersuchung (MRT) zum Standard-Repertoire der Diagnostik bei osteoporotischen Brüchen an der Wirbelsäule. Auf den MRT-Bildern lässt sich gut erkennen, ob es sich um kürzlich oder schon vor längerer Zeit erfolgte Frakturen handelt. Ob jedoch die Hinterkante des Wirbelkörpers beteiligt ist, ist im MRT oft nicht eindeutig zu erfassen.

„Der Stabilitätsgrad der Wirbelfraktur ist nur im CT richtig zu erkennen“, erläutert Prof. Gradl. Deshalb ordnet er bei Patienten mit osteoporotischen Frakturen oftmals ein Computertomogramm (CT) an – immer dann, wenn es sinnvoll erscheint.

Nicht-operative (konservative) Versorgung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen

Operation bei osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen

Eine operative Therapie ist sinnvoll, wenn es sich bei der Fraktur um einen Bruch handelt, der

1. noch aktiv ist, also noch nicht geheilt ist

2. den Patienten schmerzt und

3. ein zunehmender Keilwirbel droht

Liegt ein instabiler Wirbelbruch vor, ist ebenfalls eine Operation in Erwägung zu ziehen.     

Warum wir Knochenzement nur mit Bedacht einsetzen

„Der Zement ist ein unelastisches Material, der bei massivem Einsatz Frakturen in benachbarten Wirbelsegmenten hervorrufen kann“, berichtet Chefarzt Prof. Gradl.  

Außerdem könnte Zement, der in größeren Mengen eingebracht wird, bei instabilen Frakturen aus dem Wirbelkörper austreten, was möglicherweise zu unerwünschten Komplikationen führt. Daher setzt er mit seinem Team den Zement nur mit Bedacht und in möglichst geringen Mengen ein.   

Woraus unsere Expertise bei den osteoporotischen Frakturen resultiert

Dass unsere Klinik den Patienten mit osteoporotischen Frakturen eine Reihe moderner Operationsmethoden anbieten kann, resultiert auch aus der Spezialisierung unseres Chefarztes. Prof.

Dr. Georg Gradl gilt als international anerkannter Spezialist auf dem Gebiet osteoporotischer Frakturen und hat bereits auf vielen Kongressen eigene Forschungsergebnisse dazu vorgetragen sowie Diskussionsrunden geleitet.

Als große Maximalversorger-Klinik können wir den – überwiegend älteren – Patienten ein großes Maß an Sicherheit bieten. Mit eigener Intensivstation und den erfahrenen Experten aus anderen Fachgebieten, etwa der Kardiologie, sind wir für alle Eventualitäten gewappnet. Wir arbeiten eng mit unseren Schwesterkliniken in Neuperlach und Schwabing zusammen, die eine geriatrische Rehabilitation anbieten.

Die medizinischen Schwerpunkte der orthopädischen Klinik in München Harlaching