Harninkontinenz. Gebärmuttersenkung. Scheidensenkung

Keine Frau spricht gerne über ihre Blasenschwäche, wie die Harninkontinenz landläufig genannt wird. Dennoch leidet fast die Hälfte aller Frauen, die älter als 40 Jahre sind, unter einer punktuell erlebten Harninkontinenz. Bei Hüpfen, Lachen, Husten, Niesen oder dem Heben schwerer Lasten verlieren sie einige Tropfen Urin, ohne etwas dagegen tun zu können. Vor allem Frauen, die Kinder geboren haben, berichten von diesen unangenehmen Situationen, die leider immer häufiger auftreten und ihnen dann oftmals keine andere Wahl lassen als Binden einzulegen.

Blasenschwäche kann zu Schamgefühlen und Isolierung führen

Manche Frauen leiden auch darunter, dass sie einen sehr häufigen Harndrang verspüren, und die Abstände immer kürzer werden, in denen sie eine Toilette suchen müssen. In manchen Fällen scheint es ihnen nicht möglich, die volle Blase überhaupt zu leeren.

Diese Umstände hindern sie daran, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen, Freunde zu treffen oder Sportstunden zu besuchen. Das als peinlich empfundene gesundheitliche Problem isoliert sie zusehends und ihr Alltag wird immer einsamer.

Mittels sorgfältiger Untersuchungen ergründen wir die Ursache der Inkontinenz

Damit wir erkennen können, welche Ursache Ihre Probleme haben, stellen wir Ihnen zunächst eine Reihe von Fragen und lassen uns ihre Symptome und Sorgen schildern. Wir untersuchen Sie dann körperlich und nehmen in der Regel auch eine Ultraschalluntersuchung vor.

Falls uns diese Untersuchungen noch nicht eindeutig Aufschluss über die Gründe für die Inkontinenz geben konnten, führen wir unter Umständen noch eine Spiegelung der Blase (Zystoskopie) durch, bei der wir die Blase mit einer Kamera von innen betrachten.

Gegebenenfalls lassen wir von einem Urologen eine urodynamische Untersuchung vornehmen. Diese Untersuchungen geben Aufschluss, wie gut die Blasen- und Beckenbodenmuskulatur funktioniert und ob die Blase ihre Speicherfunktion ordnungsgemäß wahrnehmen kann.

Gebärmuttersenkung führt zu vielfältigen Beschwerden, auch zur Inkontinenz

Hat sich die Gebärmutter unnatürlich tief ins Becken gesenkt und dabei möglicherweise sogar die Scheide mitgenommen, dann führt auch dies in vielen Fällen ebenfalls zu einer Harninkontinenz, weil durch die Gebärmuttersenkung ein unnatürlicher Druck auf die Blase entsteht.

Zudem berichten viele Patientinnen von einem unangenehmen Fremdkörpergefühl, von Schmerzen im Unterbauch und im Rücken. Auch Probleme mit dem Darm und Verstopfung können als Folge einer Gebärmuttersenkung entstehen. In extremen Fällen kann die Gebärmutter auch durch die Scheide nach außen treten, dann sprechen wir von einem Gebärmuttervorfall, der dringend einer Behandlung bedarf.

Zuerst gezieltes Beckenbodentraining und medikamentöse Therapien

Stets empfehlen wir bei Harninkontinenz oder Gebärmuttersenkung zunächst nicht-operative Behandlungsoptionen. Ein spezielles Beckenbodentraining, das wir nicht nur in der Gruppe, sondern auch als genau auf Sie zugeschnittene Einzeltherapie vorschlagen, hilft, die Wahrnehmung der Muskeln zu verbessern, so dass diese durch gezieltes Training erstarken können.

Speziell ausgebildete Physiotherapeuten erreichen mit dem Beckenbodentraining in vielen Fällen, dass sich die Problematik deutlich bessert.

Medikamente, etwa eine lokale Östrogentherapie, können ebenfalls gegen die Inkontinenz helfen – oftmals verbinden wir auch die beiden Therapie-Maßnahmen.

Gezieltes Beckenbodentraining stärkt die Muskulatur und kann bei Harninkontinenz und Gebärmuttersenkung die Problematik bessern.

Pessare bei Gebärmuttersenkung

Pessare, die wir in die Scheide einführen und die sich dort dann aufspannen, halten den Gebärmutterhals und verhindern somit eine weitere Senkung – vor allem bei älteren Frauen ist diese Form der Therapie in vielen Fällen anzuraten.

Wir empfehlen in der Regel so genannte Würfel-Pessare, die sich im oberen Teil der Scheide aufspannen. Aufgrund ihrer konkaven Fläche haben sie einen guten Saugnapf-Effekt und sind auch bei schweren Senkungen einsetzbar.

Operative Eingriffe bei Harninkontinenz und Gebärmuttersenkung

Falls wir nach drei Monaten intensiven Beckenbodentrainings beziehungsweise mittels der Medikamente keine Besserung für Sie als Patientin erreichen konnten, die Beschwerden zu stark sind oder gar ein Gebärmuttervorfall vorliegt, besprechen wir mit Ihnen unsere operativen Behandlungsoptionen. 

Vaginalband bei Harninkontinenz

Im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs legen wir ein kleines Bändchen unter die Harnröhre. Dieses spannungsfreie Vaginalband (nach den englischen Begriffen Tension-free Vaginal Tape „TVT“ genannt) unterstützt den natürlichen Verschlussmechanismus der Blase, so dass diese auch in belastenden Situationen wie Husten oder Lachen den Harn halten kann.

Nach dieser Operation bleiben Sie in der Regel ein bis zwei Tage stationär in unserer Klinik.

Kolposuspension bei Harninkontinenz

Bei der so genannten Kolposuspension ziehen wir die vordere Wand der Scheide zusammen mit den anliegenden Bereichen von Harnblase und Harnröhre nach oben. Mittels Haltefäden fixieren wir das hochgezogene Gewebe dann in der Nähe der Schambeinäste, wodurch sich der Blasenhals anhebt und die Harn-Inkontinenz in fast allen Fällen deutlich nachlässt.

Diese Operation wird nach seinem Erfinder Kolposuspension nach Burch genannt.

Ohne äußere Schnitte: Scheidenraffung bei Gebärmuttersenkung

Einen Teil der Operationen führen wir durch die Scheide durch. Bei der Scheidenraffung (Kolporraphie) stabilisieren wir das geschwächte Gewebe in der Scheide, indem wir die ausgeleierten Scheidenwände raffen.

Je nachdem, wo die Schwäche stärker ausgeprägt ist, nehmen wir die Straffung an der vorderen oder hinteren Scheidenwand vor. In einigen Fällen heften wir das abgesunkene Scheidenende an eine Bandstruktur im kleinen Becken an – sakrospinale Scheidenfixation oder Operation nach Amreich-Richter wird dieses Verfahren genannt.

In einigen Fällen raten wir dazu, die abgesunkene Gebärmutter zu entfernen, was ebenfalls ganz ohne äußere Schnitte durch die Scheide geschehen kann.

Offene OP, um Gebärmuttervorfälle zu verhindern

Weitere Verfahren führen wir im Rahmen von Operationen durch die Bauchdecke durch.

  • Bei der Lateral-repair-Methode ziehen wir die Scheidenseitenwände hoch und fixieren diese rechts und links im Beckenbereich.
  • Wenn sich – nach einer bereits in früheren Jahren erfolgten Gebärmutterentfernung – der Scheidenstumpf umstülpt und vorfällt, können wir das Scheidenende mit Hilfe eines Kunststoff-Bandes am Kreuzbein fixieren (Sakrokolpopexie), so dass ein Vorfall verhindert wird. In ausgewählten Fällen können wir diesen Eingriff auch minimal-invasiv, also ohne großen Bauchschnitt durchführen.

Die Spezialgebiete der Gynäkologie in München Neuperlach