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Klinikum Neuperlach

Klinik für Hämatologie und Onkologie
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Leukämie. Dem Blutkrebs mit modernen Therapie-Konzepten begegnen

Patienten, die mit einem Verdacht auf Leukämie konfrontiert werden, erschrecken zunächst sehr. Aus unserer langjährigen Erfahrung mit Leukämie-Patienten wissen wir, dass sie die erste Zeit, bis sie eine klare Diagnose und Informationen über Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen erhalten, als sehr belastend empfinden. Daher räumen wir Ihnen als Patienten rasch Untersuchungstermine ein und sind in unseren Gesprächen offen für alle Fragen und Sorgen.

Leukämien entstehen durch Fehler bei der Blutbildung

Leukämien sind Formen des Blutkrebses, die entstehen, wenn bei der Blutbildung im Knochenmark Fehler eintreten. Statt gesunder Blutzellen erscheinen unreife, funktionsunfähige entartete Zellen, Leukämiezellen genannt, die sich oftmals sehr schnell teilen und dadurch die anderen Blutzellen verdrängen.

Das Blut kann dann seine lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen:

  • nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren
  • Infektionen nicht mehr zielgerichtet bekämpfen
  • Blutungen nicht mehr stoppen

Da die Krankheit nicht einzelne Organe, sondern den ganzen Körper betrifft, sprechen wir von einer systemischen Erkrankung.

Vier häufige Formen der Leukämie

Wir behandeln alle Formen der Leukämie und müssen zunächst herausfinden, welche Form der Erkrankung bei dem einzelnen betroffenen Patienten vorliegt. Wir unterscheiden zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien, je nachdem ob die Entartung in den myeloischen oder lymphatischen Vorläuferzellen der Blutzellen aufgetreten ist.

Desweiteren unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen Leukämien, die oftmals ganz verschiedener Therapie-Konzepte bedürfen.

Die vier häufigsten Leukämieformen sind

  • akute myeloische Leukämie
  • akute lymphatische Leukämie
  • chronische myeloische Leukämie
  • chronische lymphatische Leukämie

Unterschiedliche Krankheitssymptome bei den verschiedenen Leukämie-Formen

Bei den akuten Leukämien zeigen sich schwere Krankheitssymptome, die häufig ganz unvermittelt auftreten:

  • Fieber
  • hartnäckige Infektionen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Mattheit
  • auffällige Blässe
  • Blutungen (etwa Nasenbluten), die nicht zu stillen sind

Chronische Leukämien werden dagegen häufig bei Blutuntersuchungen entdeckt, die aus ganz anderen Gründen durchgeführt wurden. Die Krankheitsanzeichen schleichen sich oftmals erst nach Jahren und dann nur langsam ein.

Moderne Labormethoden helfen uns, die Leukämieform exakt zu bestimmen

Bei einem Verdacht auf Leukämie führen wir – nach einem ausführlichen Patientengespräch mit einer intensiven Befragung (Anamnese) – zunächst eine körperliche Untersuchung durch. Geschwollene Lymphknoten, eine vergrößerte Milz oder Leber könnten uns Hinweise geben.

Danach starten wir mit umfangreichen Blutanalysen und Knochenmark-Untersuchungen. Wir erkennen mittels der Blutuntersuchungen, ob und welche entartete weiße Blutkörperchen vorliegen.

Moderne Labormethoden ermöglichen, nicht nur das Aussehen, sondern auch das Erbgut der Blutzellen zu analysieren.

Wir gewinnen Erkenntnisse für die beste Behandlungsstrategie

Die Blutanalysen ergänzen wir stets durch Untersuchungen des Knochenmarks, wo sich das Blut bildet. Mittels einer Hohlnadel entnehmen wir – in der Regel bei lokaler Betäubung – einige Milliliter Knochenmark aus dem hinteren Beckenknochen, das dann von unseren Pathologen auf seine feingeweblichen Strukturen hin untersucht wird.

Durch Färbemethoden und verschiedene Verfahren, um die Oberflächenmerkmale und die Zellkerne zu erkennen, können wir den genauen Typ der Leukämie bestimmen und entsprechend der gültigen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einordnen. Somit gewinnen wir Aufschluss über Bösartigkeit, Prognose und die beste Behandlungsstrategie für die Krebserkrankung. 

Weitere Untersuchungsmethoden, die uns Aufschluss über die Erkrankung geben

In manchen Fällen, vor allem bei der akuten lymphatischen Leukämie, schließen wir noch eine Untersuchung des Nervenwassers, des Liquors, im Rückenmark an, da bei dieser Leukämie in einigen Fällen auch die Hirnhäute von den Leukämiezellen befallen werden.

Blutwerte und auch Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) geben uns Aufschluss darüber, ob die Leukämiezellen auch in andere innere Organe vorgedrungen sind.

Nicht nur unsere moderne technische Ausstattung, sondern auch die langjährige Qualifikation unserer Ärzte – verschiedener Fachrichtungen – stellt sicher, dass wir eine gut gesicherte und differenzierte Diagnose der genauen Leukämie-Unterform herausfinden.

Die Lumbalpunktion, um Nervenwasser aus dem Rückenmark zu entnehmen, kann im Liegen oder Sitzen durchgeführt werden.

Bei uns entwickeln viele Experten gemeinsam die beste Therapiestrategie

Bei der Therapie der Leukämie verfahren wir stets nach zwei Grundsätzen:

  1. Wir ziehen die weltweiten Erfahrungen bei der Behandlung dieser heimtückischen Krankheit heran, indem wir uns an den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie empfohlenen Therapie-Protokollen orientieren. Diese enthalten die nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung wirksamsten Behandlungsoptionen.
  2. Die Therapie-Strategie wird immer von vielen Experten gemeinsam festgelegt.

Individuell auf den einzelnen Patienten ausgerichtetes Konzept

Im Rahmen unserer Tumorkonferenzen sind stets Experten für die Krebsmedizin und unsere Hämatologen, die sich auf die Blutbildung spezialisiert haben, vertreten. Wir besprechen die Befunde auch gemeinsam mit unseren Pathologen, die die Zellen mit modernsten Verfahren untersucht haben, und den Experten für die bildgebenden Verfahren, den Radiologen.

Die Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen beratschlagen sämtliche Untersuchungsergebnisse und klären so, welche Therapie-Empfehlung für jeden einzelnen Patienten die besten Heilungsaussichten verspricht. Dabei werden stets der Allgemeinzustand und eventuelle andere Erkrankungen des Patienten berücksichtigt, so dass auf Basis der anerkannten Leitlinien ein sehr individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept entsteht.

Behandlungskonzept bei akuten Leukämien

Chemotherapie als erste Säule der Behandlung

Bei akuten Leukämien empfehlen wir in der Regel eine Chemotherapie. Gezielt ausgewählte und kombinierte Medikamente, so genannte Zytostatika, greifen die entarteten Zellen im ganzen Körper an und hemmen sie in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung.

Mit dieser – oftmals sehr intensiven – medikamentösen Therapie, die per Infusion verabreicht wird, streben wir an, die Krankheit so zurückzudrängen, dass keinerlei Leukämiezellen mehr in Blut und Knochenmark zu finden sind.

In einer zweiten Welle versuchen wir, auch die eventuell im Körper zurückgebliebenen, nicht erkennbaren Leukämiezellen anzugreifen und einen Rückfall zu vermeiden. In vielen Fällen kann die Chemotherapie in unserer onkologischen Tagesklinik durchgeführt werden, so dass die Patienten nicht über Nacht in unserer Klinik bleiben müssen.

„In vielen Fällen kann die Chemotherapie in unserer onkologischen Tagesklinik durchgeführt werden, so dass die Patienten nicht über Nacht in unserer Klinik bleiben müssen. “
Prof. Dr. Meinolf Krauthaus, Chefarzt

In manchen Fällen: Strahlentherapie

Bei manchen Patienten, vor allem bei denjenigen mit einer akuten lymphatischen Leukämie, ergänzen wir die Chemotherapie mit einer Strahlentherapie.

Die Strahlen bekämpfen die Krebszellen gezielt an einzelnen Stellen des Körpers, an denen die Chemotherapie nicht ausreichend wirkt, etwa dem zentralen Nervensystem, und zerstören dort die Leukämiezellen.

Wir kümmern uns auch um die Nebenwirkungen der Therapien

Um Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen zu vermeiden, helfen wir unseren Patienten auch mit unterstützenden (supportiven) Therapien.

Dazu gehören Mittel gegen Übelkeit oder entzündete Schleimhäute ebenso wie eine Infekt-Prophylaxe und -Therapie oder die Transfusion von roten Blutkörperchen oder Blutplättchen, damit das Blut bald wieder seine volle Funktion aufnimmt.

Wachstumsfaktoren, die wir verabreichen, können nach einer Chemotherapie anregen, dass sich wieder ausreichend gesunde weiße Blutkörperchen bilden.

Behandlungskonzept bei chronischer Leukämie

Bei chronischer myeloischer Leukämie helfen zielgerichtete Medikamente

Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie bemerken oft erst nach längerer Zeit, meist Monate bis Jahre, dass sie an dieser Krankheit erkrankt sind. Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit sind unspezifische Symptome, die meist auftreten.

Wenn die Krankheit noch nicht weit fortgeschritten ist, können wir die Beschwerden in vielen Fällen völlig zurückdrängen, indem wir so genannte zielgerichtete Medikamente empfehlen, die sich eine bestimmte Zellfunktion zunutze machen und dort angreifen. Die Tyrosinkinasehemmer blockieren das Wachstum der Leukämiezellen.

Durch eine regelmäßige Betreuung und Überwachung der Patienten stellen wir sicher, dass die Therapien gut wirken und keine Verschlechterung eintritt. Sollte die chronische myeloische Leukämie jedoch dramatisch voranschreiten, setzen wir – wie bei den akuten Leukämien - in der Regel eine Chemotherapie ein.

Meist zunächst nur Kontrollen bei chronischer lymphatischer Leukämie

An der chronischen lymphatischen Leukämie erkranken überwiegend ältere Menschen. Da sie zudem nur langsam fortschreitet, warten wir– entsprechend der aktuellen Leitlinien – meist mit der Therapie und führen lediglich regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch.

Bei belastenden Beschwerden oder wenn sich die Blutwerte verschlechtern, hilft eine Chemotherapie in Kombination mit gezielt wirksamen Antikörpern, die Krankheitssymptome zurückzudrängen.

Bei jüngeren Patienten setzen wir stärkere Medikamenten-Kombinationen ein – in der Hoffnung, die Leukämiezellen für einen längeren Zeitraum völlig einzudämmen.

Bei älteren Patienten wählen wir weniger starke Dosen, um ihnen die Nebenwirkungen zu ersparen, die Krankheit aber dennoch aufzuhalten und die Beschwerden zu lindern.

Auch neue Therapien mit sogenannten kleinen Molekülen können heute oftmals helfen, die Leukämiezellen zu bekämpfen.

Modernste Therapie-Optionen durch Studienteilnahme möglich

Wir sehen uns verpflichtet, unseren Patienten stets die bestmögliche und modernste Behandlung anzubieten. Daher nehmen wir an vielfältigen großen Studien teil, damit wir auch auf moderne, noch nicht frei verkäufliche Medikamente oder auf variierte Medikamenten-Kombinationen zurückgreifen können.

Dabei können Sie als Patient sich aber stets darauf verlassen, dass die Wirksamkeit der Medikamente bereits in Vor-Studien erprobt wurde und wir den Behandlungserfolg stets engmaschig überwachen.

Stammzellentransplantation, falls Hochdosis-Therapien erforderlich

Falls die zunächst gewählten Therapie-Optionen die Leukämie nicht ausreichend bekämpfen können oder es im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einem Rückfall (Rezidiv) kommt, können wir die Leukämiezellen eventuell mit einer Hochdosis-Chemotherapie oder einer Ganzkörperbestrahlung vernichten. Da in diesen Fällen aber das Knochenmark auch komplett zerstört wird, bedürfen die Patienten einer Stammzellentransplantation.

Bei der autologen Stammzellentransplantation werden eigene Knochenmark- oder Blutstammzellen rückübertragen, die wir vor der Hochdosistherapie entnommen und mittels moderner Blutwäsche-Verfahren (Apherese) von den anderen Blutbestandteilen getrennt haben.

Für allogene Stammzellentransplantationen, bei denen die Zellen von einem Fremdspender stammen, arbeiten wir eng mit der Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Klinikum Schwabing und falls notwendig auch den Münchener Universitätskliniken zusammen.

Wir helfen auch bei den seelischen Nöten, die mit der Krebsdiagnose einhergehen

Niemand kann die Diagnose Krebs verkraften, ohne an seine Grenzen zu stoßen. Unsere erfahrenen Psychologen, die sich speziell für Krebserkrankungen weitergebildet haben, stehen Ihnen zur Seite. Sie helfen dabei, ganz individuelle Strategien zu entwickeln, um die Krankheit zu bewältigen.

Auch Ihre nahen Angehörigen beziehen sie – bei Bedarf – in die Gespräche mit ein. Entspannungsübungen und Techniken, um sich aktiv mit der Situation auseinanderzusetzen, stärken die Widerstandskraft des Körpers und mindern die seelische Belastung.

Praktische Hilfestellungen durch unseren Sozialdienst

Unser Sozialdienst beantwortet Ihnen alle Fragen und steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite:

  • Welche Schritte stehen an, um beim Arbeitgeber alles wegen der Krebserkrankung zu regeln?
  • Wer kann sich um Kinder oder zu pflegende Angehörige kümmern?
  • Welche finanziellen Unterstützungsleistungen stehen dem Betroffenen in dieser Situation zu?  

Sie organisieren auch einen Rehabilitationsaufenthalt für Sie, wenn die akuten Therapien abgeschlossen sind.

Wir sind an Ihrer Seite.

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