Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Heftige Schmerzen im Oberbauch, die plötzlich aufgetreten sind, aber nicht mehr nachlassen, deuten oftmals auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hin, unter Medizinern Pankreatitis genannt. Die Schmerzen strahlen in vielen Fällen bis zum Rücken aus oder ziehen sich gürtelförmig um den Bauch, häufig kommen Übelkeit und Erbrechen, teilweise sogar Fieber, hinzu. Da es sich bei der Bauchspeicheldrüsenentzündung um eine schwere Erkrankung handelt, die nicht nur die Bauchspeicheldrüse selbst, sondern auch andere Organe massiv schädigen kann, muss sie in der Regel im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts behandelt werden.

Vielfältiges Bündel moderner Diagnostik- und Therapie-Methoden

Bei der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung spielt die medizinische Erfahrung – und auch die technische Ausstattung – eine große Rolle.

Unsere vielfältigen diagnostischen Optionen – von diversen endoskopischen Verfahren, dem hochauflösenden Ultraschall, auch von innen, über die Labors bis hin zur Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT / MRCP) – ermöglichen uns, schnell und präzise die Ursache und das Ausmaß der Pankreatitis zu erfassen.

Wir können gezielte Therapie-Maßnahmen ergreifen, wobei wir stets die schonenden Verfahren der Endoskopie, also ohne jegliche Schnitte durch die Haut, bevorzugen.     

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung lässt sich schnell feststellen

Dass eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung vorliegt, können wir in der Regel sehr bald feststellen. Nach einem ausführlichen Patientengespräch erkennen wir bei der körperlichen Untersuchung in der Regel eine gespannte, aber nicht harte Bauchdecke – Ärzte sprechen dann von einem Gummibauch.

Zudem nehmen wir Blut ab und können durch auffällige Bauchspeicheldrüsen- und Entzündungswerte klare Hinweise erhalten.

Doch sind dann weitere, zum Teil sehr spezialisierte Untersuchungen erforderlich, um herauszufinden, wodurch die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung ausgelöst wurde und in welchem Maß das Organ bereits angegriffen ist.

Hochspezialisierte Untersuchungen, um die Ursache herauszufinden

In der Regel führen wir zunächst eine Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums durch. Je nachdem, welche Erkenntnisse wir dadurch gewinnen, führen wir weitere Untersuchungen durch:

  • Laboruntersuchungen
  • bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie speziell für Galle und Bauchspeicheldrüse (MRCP)
  • Ultraschall von innen – Endo-Sono oder EUS

Beim Endo-Sono führen wir den Ultraschallkopf mit Hilfe eines schlauchartigen Endoskops durch den Mund ein und gewinnen einen sehr differenzierten Blick auf die Bauchspeicheldrüse und die Gänge, durch die Galle und Bauchspeicheldrüsensekrete in den Dünndarm gelangen.

Zudem können wir beim Endo-Sono erkennen, ob Verkalkungen oder sonstige Ablagerungen die Bauchspeicheldrüsengänge verengen, was oftmals als Folge von starkem Alkoholkonsum geschieht.

Gallensteine, die den Bauchspeichel-Abfluss verstopfen, als häufige Ursache

Bei 90 Prozent der Menschen vereinen sich der Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse auf ihrem letzten Stück und münden dann gemeinsam in den Dünndarm.

Sollten Gallensteine, die sich meist in der Gallenblase bilden, dort hingewandert sein und den Ausgang verstopfen, kann auch das Bauchspeicheldrüsen-Sekret nicht abfließen. Dann staut sich das Sekret zurück in die Bauchspeicheldrüse und löst die Entzündung aus, Mediziner sprechen dann von einer biliären (die Galle betreffende) Pankreatitis.

Alles in einer Sitzung Dank ERCP

Falls wir Hinweise gewonnen haben, dass Gallensteine oder Ablagerungen im Gallen- und Ausführungsgang die Pankreatitis hervorrufen, führen wir eine spezialisierte Untersuchung, die sogenannte endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) durch.

Nachdem wir unseren Patienten ein Schlafmittel verabreicht haben, führen wir ein schlauchartiges Endoskop durch den Rachen ein, das eine spezielle Seitblickoptik besitzt. Sobald wir bis zu der Stelle im Zwölffingerdarm gelangt sind, wo der Gallengang einmündet, machen wir mittels Röntgenkontrastmitteln Verengungen, Gallensteine und Ablagerungen sichtbar – und können diese noch bei der gleichen Sitzung behandeln.

Gallensteine zertrümmern und bergen wir ohne operativen Eingriff

Bei der ERCP können wir durch das Endoskop Operationsinstrumente einführen, um etwa die Einmündung der Gänge (Papillenöffnung) durch einen Schnitt zu erweitern (Papillotomie), Ablagerungen abzutragen und mittels kleiner Körbchen oder Ballone Gallensteine herauszuziehen.

Sollten sich die Gallensteine als zu groß für die Korb-Bergung erweisen, zertrümmern wir sie vorab mechanisch oder mittels elektrohydraulischer Stoßwellen.

Zudem können wir im Rahmen dieser besonderen Endoskopie auch dünne Plastikröhrchen als Drainagen in die Gallen- bzw. Bauchspeicheldrüsengänge einlegen, so dass die Sekrete wieder gut abfließen können.

Wir überwachen Patienten mit Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen sorgfältig

In der Regel bessert sich die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die durch Gallensteine, Verengungen oder Ablagerungen bedingt war, sobald wir die Gänge wieder durchgängig gemacht haben.

Sollten andere, oft nicht eindeutig zu identifizierende Ursachen zu der Pankreatitis geführt haben und nimmt diese einen schweren Verlauf, erhalten diese Patienten zunächst Schmerzmittel und Infusionen mit Flüssigkeit. Sie müssen meist aufs Essen verzichten, damit die Entzündung abklingen kann, da nur bei ganz seltenen Formen medikamentöse Therapien helfen können.

Wir überwachen diese Patienten sehr sorgfältig, teilweise auch auf unserer Intermediate Care- oder gar auf unserer Intensivstation.

Moderne nicht-invasive Eingriffe bei Pseudozysten und Abszessen

Bei einer schwer verlaufenden oder gar chronischen Pankreatitis können sich auch Flüssigkeitsansammlungen – so genannte Pankreaspseudozysten – oder gar eitrige Abszesse im Gewebe der Bauchspeicheldrüse oder im umliegenden Bauchraum bilden.

In diesen Fällen können wir – ohne operativen Eingriff – dünne Schläuche oder Stents im Rahmen von endoskopischen Verfahren einbringen, so dass wir eine Verbindung zwischen den Pseudozysten oder den Abszessen und dem Magen oder Darm herstellen und die Flüssigkeiten abfließen können.

Als besonders moderne Methode ist in diesem Zusammenhang das Hot Axios Stent-Verfahren zu erwähnen, bei dem wir – unter Sichtkontrolle per Ultraschall von innen – kleine Durchlässe durch Hitzewellen schaffen, die dann mittels eines sich selbst entfaltenden Stents offen gehalten werden.

Autoimmune Pankreatitis können wir mit Medikamenten therapieren

In seltenen Fällen wird die Bauchspeicheldrüsenentzündung durch eine Autoimmunreaktion des Körpers hervorgerufen. Dann können medikamentöse Therapien, die wir sorgfältig ausarbeiten und überwachen, helfen.

In der Regel bekommen diese Patienten zunächst Cortison und je nach Verlauf dann Medikamente, die die schädliche Reaktion des Immunsystems gezielt unterbinden – Mediziner sprechen von immunsuppressiven Medikamenten.

„Wir empfehlen unseren Patienten moderne Schmerztherapien, damit ihre Lebensqualität trotz der chronischen Erkrankung nicht allzu stark beeinträchtigt ist.“
Martin Blöchinger, Oberarzt

Bei schweren Verläufen: Wir können auf besondere chirurgische Expertise zählen

Unter Umständen kann das Bauchspeicheldrüsengewebe so stark geschädigt werden, dass es teilweise abstirbt oder nekrotisiert, wie die die Mediziner sagen. Da dieses abgestorbene Gewebe ein Risiko für Infektionen darstellt, kann es sinnvoll sein, dieses Gewebe operativ möglichst schonend zu entfernen.

In diesem Fall können wir auf die herausragende Expertise unserer Klinik für Allgemeine und Viszeralchirurgie zurückgreifen, die als zertifiziertes Kompetenzzentrum für die Pankreas-Chirurgie große Erfahrung und profilierte Ausstattung nachweisen konnte.

Bei chronischen Verlauf: Wir mildern Folgeschäden und Schmerzen

Selbstverständlich können wir, wenn die Pankreatitis weit fortgeschritten ist und daher das Organ seine Funktion nicht mehr vollständig leisten kann, auch die Folgeerscheinungen abmildern.

Wir können Therapien mit Enzym-Präparaten ausarbeiten, um Beschwerden wie Fettstühle zu mindern und sicherzustellen, dass wichtige Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden.

In enger Abstimmung mit unserer Klinik für Endokrinologie, den Experten für Stoffwechselstörungen, können wir zudem Insulin-Therapien zusammenstellen, die Folgeschäden aufgrund des sich möglicherweise entwickelnden Diabetes in Grenzen halten.

Zudem empfehlen wir unseren Patienten moderne Schmerztherapien, damit ihre Lebensqualität trotz der chronischen Erkrankung nicht allzu stark beeinträchtigt ist.

 

 

Die Spezialgebiete unserer Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie