Morbus Crohn. Colitis ulcerosa. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erleben ihre Krankheit als große Belastung im Alltag. Die häufigen Durchfälle schwächen sie, starke Bauchschmerzen setzen ihnen immer wieder zu, zumal diese meist krampfartig auftreten. Die chronische Darmentzündung kann so heftige Ausmaße annehmen, dass die Patienten aufgrund der starken Durchfälle dehydrieren, dass sie bedenklich viel Blut verlieren und daher blutarm (anämisch) werden und sich richtig krank fühlen. Dann brauchen sie Infusionen und Bluttransfusionen.

Entzündungen zeigen sich in unterschiedlichen Abschnitten des Darms

Die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn kann den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen und wurde nach ihrem Entdecker Burrill Crohn benannt. Die Entzündungen, die oftmals auch in mehreren Abschnitten auftreten, finden sich vornehmlich in der Darmschleimhaut des Dünndarms, im Dickdarm oder im Bereich zwischen Dünn- und Dickdarm (der so genannten Ileitis terminalis).

Die Colitis ulcerosa betrifft dagegen – wie der lateinische Name schon besagt – nur den Dickdarm (colitis). Bei der Colitis ulcerosa beschränken sich die Entzündungen auf die Darmschleimhäute, die tieferen Darmschichten erkranken – anders als beim Morbus Crohn – nicht.

Bei der Colitis ulcerosa stehen blutige Durchfälle im Vordergrund, während beim Morbus Crohn oftmals Engstellen und Fisteln, also unnatürliche Gänge im Gewebe, Probleme hervorrufen.    

Spezielle Sprechstunde für Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen stellen bei uns einen wichtigen Schwerpunkt dar, weshalb wir eine spezielle Sprechstunde für Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingerichtet haben.

In der Regel kommen die Patienten zu uns, wenn die Erkrankung auf ihre bisherige Therapie nicht mehr anspricht oder wenn sich die Symptome drastisch verschlechtern.

Hochauflösender Ultraschall gibt Aufschluss über Ausmaß der Erkrankung

Bei unseren Untersuchungen wollen wir zunächst herausfinden, welche Teile des Darms in welchem Ausmaß entzündet sind und wo sich eventuell Engstellen oder unnatürliche Fistelgänge gebildet haben.

Um die Strahlenbelastung möglichst niedrig zu halten, führen wir in der Regel zunächst Ultraschall-Untersuchungen durch, wobei wir hochauflösende Ultraschall-Geräte einsetzen und über weitreichende Erfahrungen bei diesen speziellen Untersuchungen verfügen. 

Mit unterschiedlichen Untersuchungen entzündliche Bereiche erkennen

Mittels der Darmspiegelung können wir entzündliche, blutende Bereiche des Darms erkennen und können Gewebeproben entnehmen, die wir dann in unserer Pathologie unter dem Mikroskop untersuchen lassen.

Falls notwendig führen wir eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch, ebenfalls ein bildgebendes Verfahren ohne Strahlenbelastung.

Spezielle Methode um entartetes Gewebe zu erkennen

In manchen Fällen färben wir den Darm auch an, um während der Darmspiegelung (Endoskopie) die Darmwände plastischer darstellen und dadurch möglicherweise entartetes Gewebe entdecken zu können – Chromoendoskopie nennt sich diese Methode.

Die aufwändige Chromoendoskopie führen wir bei Patienten mit Colitis ulcerosa, die wir oft langfristig betreuen, auch als Vorsorge-Untersuchung durch. Durch regelmäßige Kontrollen wollen wir beginnende Entartungen der entzündeten Zellen ausschließen bzw. rechtzeitig erkennen. 

Verschiedene Möglichkeiten, um Darmentzündungen zu behandeln

In manchen Fällen nehmen wir noch während der Darmspiegelung therapeutische Eingriffe vor. Wir können Engstellen aufdehnen, Blutungen stillen oder Polypen, die wir entdecken, gleich entfernen.

In den allermeisten Fällen erfolgt die weitere Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen jedoch durch Medikamente. Die medikamentösen Therapien, darunter auch moderne Antikörper-Therapien, richten wir individuell auf die einzelnen Patienten aus, berücksichtigen dabei, wie ausgedehnt und intensiv welche Bereiche des Darms betroffen sind und beziehen auch die Lebensumstände des Patienten mit ein.

Mit den Medikamenten streben wir zwei Ziele an:

  1. Wir wollen die Entzündung eindämmen
  2. Die Phasen ohne Beschwerden möglichst ausdehnen

Da auch die Ernährung eine große Rolle spielt, bieten wir auch Ernährungsberatungen an – sowohl durch unsere Mediziner als auch durch speziell fortgebildete Diätassistentinnen. 

Gastroenterologen und Chirurgen arbeiten eng vernetzt auf gemeinsamen Stationen

In den meisten Fällen können wir durch die medikamentösen Therapien, die wir empfehlen, Operationen vermeiden. Doch in einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, die dann unsere Viszeralchirurgen mit hoher Expertise ausführen.

Gastroenterologen und auf den Bauchraum spezialisierte Chirurgen arbeiten bei uns sehr eng zusammen. In unserem Abdominalzentrum haben wir seit Jahrzehnten gemeinsam betreute Stationen – die erste interdisziplinäre Station dieser Art in Deutschland wurde bei uns etabliert.

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erfahren eine kontinuierliche gemeinsame Betreuung und Überwachung.

Wann ist eine Operation notwendig?

Operationen sind in der Regel dann notwendig, wenn sich Engstellen über größere Bereiche des Darms erstrecken und es nicht mehr möglich ist, sie im Rahmen der Darmspiegelung aufzudehnen.

Auch ein Darmverschluss sowie das seltene toxische Mega-Colon sind Indikationen für Operationen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Zudem ist eine Operation manchmal unumgänglich, wenn Fisteln oder Abszesse entstanden sind.

In manchen Fällen kann aber eine Operation auch dann ratsam sein, wenn keine der erwähnten Komplikationen eingetreten ist. Sind Darmteile stark befallen, bringt es den betroffenen Patienten unter Umständen einen hohen Gewinn an Lebensqualität, wenn wir diese Darmteile operativ entfernen. 

Operation in der Regel als minimal-invasiver schonender Eingriff

Die Operationen erfolgen in der Regel minimal-invasiv, das heißt ohne großen Bauchschnitt. Wir führen eine Stabkamera in den Bauchraum ein und arbeiten mit feinen Instrumenten, die wir ebenfalls durch kleine Schnitte einbringen.

Bei dem Eingriff entfernen wir die stark entzündeten Darmregionen sowie eventuell aufgetretene Fisteln und Abszesse, beschränken die Entnahme aber auf das Nötigste

Für jeden Patienten suchen wir nach der besten Perspektive

Die Entscheidung, ob für den einzelnen Patienten eine Operation sinnvoll erscheint und was der optimale Zeitpunkt dafür sein könnte, wägen die Gastroenterologen stets gemeinsam mit den versierten Chirurgen ab.

Für jeden Patienten suchen wir nach Lösungen, die ihm die besten Perspektiven verschaffen. Da Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs haben, sind regelmäßige Darmspiegelungen zur Kontrolle erforderlich.

Unser Ziel: Gute Lebensqualität trotz der chronischen Darmerkrankung

Zwar heilen chronisch entzündliche Darmerkrankungen nur selten komplett aus. Doch erreichen wir durch unsere Therapie-Konzepte in vielen Fällen, dass die Patienten nur noch geringe Symptome ihrer Darmerkrankung verspüren.

Meist gelingt es uns, die Entzündungen so zu hemmen, dass unsere Patienten eine gute Lebensqualität trotz der chronischen Erkrankung erlangen.

Selbsthilfegruppen hilfreich für Erfahrungsaustausch und emotionale Unterstützung

Gerade weil Colitis ulcerosa und Morbus Crohn als langwierige chronische Erkrankungen das Leben der Betroffenen stark beeinflussen, erweist sich oftmals der Erfahrungsaustausch und auch die emotionale Unterstützung durch andere Betroffene als wertvoll.

Etwa 400.000 Betroffene sind in Deutschland in lokalen Selbsthilfegruppen unter dem Dach der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung vertreten.

Die Spezialgebiete unserer Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie