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Klinikum Neuperlach

Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
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Neuroendokrine Tumore im Verdauungstrakt. Spezialisierte Anlaufstelle

Wenn Patienten mit dem Verdacht auf neuroendokrine Tumoren in unsere Klinik kommen, wollen sie möglichst schnell Gewissheit erhalten, welche Form von Tumor vorliegt und wie weit sich die Krankheit in ihrem Körper ausgebreitet hat. Denn neuroendokrine Tumoren sind zwar in der Regel keine schnell wachsenden Tumore, doch gibt es sehr unterschiedliche Formen und daher liegt den Patienten viel daran, bald eine klare Diagnose zu erhalten. Unter anderem durch unsere gut ausgestattete Endoskopie können wir umfassende Untersuchungsmethoden anbieten. Unsere Experten besitzen viel Erfahrung bei der Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung, obwohl jährlich deutschlandweit nur etwa 2.000 Fälle auftreten.

Neuroendokrine Tumore bleiben oftmals lange unentdeckt

Neuroendokrine Tumoren ähneln in ihrem Aufbau den Nervenzellen, worauf die Silbe „neuro“ im Namen hindeutet. Darüber hinaus besitzen diese Zellen ähnliche Eigenschaften wie die endokrinen Zellen, die Hormone produzieren, wodurch sich der Rest des Namens erschließt.

In den meisten Fällen bleibt die Erkrankung lange unentdeckt, da sie anfangs keine Beschwerden hervorruft. Manche Patienten leiden unter unspezifischen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfällen und sind – nach einer oftmals langen Odyssee von Arzt zu Arzt – nahezu erleichtert, wenn sie eine Erklärung für ihre Symptome erhalten.

Bei einem kleinen Teil der Patienten sind die Tumore hormonell aktiv, sie schütten also selbst Hormone aus und machen durch die somit ausgelöste hormonelle Wirkung (z. B. Unterzucker bei einen Insulinom) auf sich aufmerksam.

Seltene Tumore, die zum überwiegenden Teil im Verdauungstrakt auftreten

Viele neuroendokrine Tumore werden als Zufallsbefund entdeckt, etwa bei einer Magenspiegelung, die aus einem anderen Grund durchgeführt wurde.

Manchmal werden sie sie auch bei einer notfallmäßig durchgeführten Darmverschluss-Operation offenkundig, wenn ein raumgreifender neuroendokriner Tumor beispielsweise im letzten Teil des Dünndarms die Nahrungspassage verhindert hat.

Im Verdauungstrakt können neuroendokrine Tumoren in allen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts und in der Bauchspeicheldrüse auftreten.

Frühkarzinome können wir bereits während der Untersuchung abtragen

Wir können den neuroendokrinen Tumoren mit gezielten Untersuchungsmethoden auf die Spur kommen. Wir setzen moderne Ultraschallgeräte ein, die uns hochauflösende Bilder liefern. Zudem führen wir spezielle Ultraschall-Untersuchungen mit Kontrastmitteln durch.

Eine wichtige Rolle bei der Untersuchung – und auch der Therapie – neuroendokriner Tumore spielen die endoskopischen Verfahren wie Magen- oder Darmspiegelungen, bei denen wir uns sehr spezifisches Wissen und Techniken angeeignet haben. Beispielsweise können wir frühe neuroendokrine Tumore, die noch nicht zu tief in die Wand des jeweiligen Magen- oder Darmabschnitts eingedrungen sind, endoskopisch abtragen

Bereits während der Magenspiegelung können früh entdeckte Tumore abgetragen werden.

Ultraschall von innen und weitere zielgerichtete bildgebende Verfahren

Falls der neuroendokrine Tumor über das Frühstadium hinausgewachsen ist, setzen wir weitere Diagnostik-Methoden ein:

  • Wir können einen endoskopischen Ultraschall durchführen, also die Regionen von innen genauer untersuchen.
  • Ultraschallgestützt können wir Gewebeproben entnehmen, um diese dann von unseren erfahrenen Pathologen auf Krebszellen untersuchen zu lassen.
  • Unsere Radiologen unterstützen uns mit bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT).
  • In unserer Nuklearmedizin können wir eine Szintigraphie erstellen lassen, die mittels schwach radioaktiver Stoffe Gewebeareale mit höherer Stoffwechsel-Aktivität entdecken kann, die dann Rückschlüsse auf einen Tumor erlauben. 

PET-CT – Eine modernes Verfahren, um Metastasen aufzuspüren

Erscheint uns ein Risiko gegeben, dass der neuroendokrine Tumor bereits Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen gebildet hat, lassen wir – beispielsweise in unserer Schwesterklinik Bogenhausen – eine Positronen-Emissions-Tomographie, kombiniert mit einer Computertomographie, abgekürzt PET-CT, durchführen.

Tumorgewebe etwa in kleinen Lymphknoten oder der Leber fällt bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) – ebenfalls mittels radioaktiver Substanzen – durch eine höhere Zellaktivität auf und lässt sich durch das gleichzeitig erstellte CT genau orten.

Durch die PET-CT kann der Tumor genauer lokalisiert werden.

Wir gewinnen wertvolle Indizien durch Untersuchungen in Pathologie und Labor

Zur Abklärung, ob tatsächlich ein neuroendokriner Tumor vorliegt, lassen wir das Gewebe, das wir in der Regel bei dem endoskopischen Eingriff entnommen haben, von unseren Pathologen genau untersuchen.

Durch Spezialfärbungen können diese spezialisierten Ärzte die Art des Tumors erkennen. Zudem nehmen wir Laboruntersuchungen vor, um durch eventuell zu entdeckende Tumormarker – typische Stoffe, die spezifisch von bestimmten neuroendokrinen Tumoren ausgeschüttet werden – weitere Indizien zu erlangen und die Krebsdiagnose damit abzusichern.

Über die Behandlungsstrategie beraten und entscheiden viele Experten gemeinsam

Falls die Krebserkrankung über die Vor- und Frühstadien, in denen wir die Therapie teilweise bei der endoskopischen Untersuchung durchführen konnten, hinausgeschritten ist, diskutieren wir die weiteren Therapie-Optionen in einer Tumorkonferenz.

Daran nehmen die auf den Verdauungstrakt spezialisierte Internisten, die Gastroenterologen, ebenso teil wie die Viszeralchirurgen, die über weitgefächerte Expertise bei Operationen im Bauchraum verfügen. Aber auch Krebsmediziner (Onkologen) und Strahlenmediziner, Pathologen und Radiologen bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung ein, diskutieren gemeinsam die vorliegenden Untersuchungsergebnisse und entwickeln eine Therapie-Strategie für jeden einzelnen Krebspatienten.

Bei den Tumorkonferenzen kann auch Ihr niedergelassener Arzt teilnehmen. 

Oftmals beste Heilungsaussichten, wenn sich der Tumor operativ entfernen lässt

Je nach Art und Ausbreitung der neuroendokrinen Tumorerkrankung empfehlen wir unseren Patienten Behandlungsoptionen, die auch ihren persönlichen Gesundheitszustand einbeziehen. In vielen Fällen bietet eine Operation, bei der der Tumor und gegebenenfalls auch die bereits vorhandenen Metastasen entfernt werden, die besten Heilungsaussichten.

Der Tumor muss in der Regel mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe entnommen werden, so dass meist ein Stück des Darms, des Magens oder der Bauchspeicheldrüse und auch umgebende Lymphknoten herausoperiert werden.

Die Lymphknoten lassen wir dann in unserer Pathologie daraufhin untersuchen, ob sie bereits von Krebszellen befallen sind, wodurch wir wichtige Aufschlüsse für die nächsten Therapie-Schritte erhalten.

Tochtergeschwülste können auch unsere Radiologen ohne OP zerstören

Bei der Entfernung von Metastasen, vor allem in der Leber, können wir auch auf die große Erfahrung unserer interventionellen Radiologen zurückgreifen.

Mittels der Radiofrequenzablation (RFA) können sie Metastasen durch große Hitze, die durch Hochfrequenzstrom erzeugt wird, zerstören. Die Behandlung erfolgt unter permanenter Ultraschall oder CT-Kontrolle

„Vor allem, wenn der Tumor oder die Metastasen nicht oder nur teilweise operativ entfernt werden konnten, können medikamentöse Therapien das Krebswachstum eindämmen und die Symptome lindern.“
Martin Blöchinger, Oberarzt

Medikamentöse Therapien hemmen das Wachstum der Krebszellen

Vor allem, wenn der Tumor oder die Metastasen nicht oder nur teilweise operativ entfernt werden konnten, können medikamentöse Therapien das Krebswachstum eindämmen und die Symptome lindern.

Eine Therapie mit Somatostatin-Analoga hemmt das Tumorwachstum und auch die Hormonausschüttung bei hormonell aktiven Tumoren, indem sie die Wirkung des körpereigenen Hormons Somatostatin nachahmt.

Chemotherapien greifen die Krebszellen im ganzen Körper an und verlangsamen oder stoppen das Zellwachstum. In seltenen Fällen setzen wir eine Chemotherapie auch bereits vor der Operation ein, damit sich der Tumor verkleinert und besser vom angrenzenden Gewebe abhebt. 

Bei hormonaktiven Tumoren: Enge Zusammenarbeit mit unserer Endokrinologie

Falls neuroendokrine Tumore Hormone ausschütten, arbeiten wir eng mit unserer Klinik für Endokrinologie zusammen, die sich auf hormonelle Störungen und Stoffwechselprobleme spezialisiert hat.

Unsere Endokrinologen können Maßnahmen ergreifen, um bei jedem spezifischen Hormonüberschuss gezielt gegenzusteuern und die Folgen einzudämmen. In vielen Fällen nehmen sie auch an der Tumorkonferenz teil, um ihr besonderes Wissen in das Behandlungskonzept einzubringen.

Radiotherapie und Bestrahlungen in Kooperation mit anderen Kliniken

Bei nicht operablen Tumoren ist in manchen Fällen auch eine so genannte Peptid-Radiorezeptor-Therapie ratsam. In diesen Fällen arbeiten wir eng mit den hiesigen Universitätskliniken zusammen.

Bei dieser Therapie verwenden die Nuklearmediziner eine radioaktiv markierte, dem körpereigenen Hormon Somatostatin ähnliche Substanz, die sich an spezifischen Rezeptoren andockt, welche sich vor allem an den Tumorzellen befinden.

Bei den (selten eingesetzten) Bestrahlungen von außen nutzen wir die Expertise unserer Harlachinger Strahlentherapeuten. 

Enger wissenschaftlicher Austausch im Rahmen des Krebsregisters

Wir beteiligen uns an der wichtigen Arbeit des deutschen Registers für neuroendokrine Tumore, das unter der Leitung der Berliner Charité steht.

Da es sich bei den neuroendokrinen Tumoren um seltene Krebserkrankungen handelt, lässt sich die Therapie nur über die gut vernetzte Zusammenarbeit vieler spezialisierter Kliniken optimieren.

Wir liefern anonymisiert unsere Daten über die aufgetretenen Formen und die Therapie-Erfolge bei den neuroendokrinen Tumoren an dieses Register. So erhalten wir stets Einblick in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich wirksamer Therapien. Zudem nehmen wir an Studien teil, wodurch wir unseren Patienten in vielen Fällen neue Therapiekonzepte anbieten können.

Wir begleiten unsere Patienten über einen langen Zeitraum: Sorgsam überwacht

Viele unserer Patienten mit neuroendokrinen Tumoren begleiten wir über einen langen Zeitraum. Beispielsweise kann es bei manchen langsam wachsenden neuroendokrinen Tumoren (zunächst) sinnvoll sein, diese nicht zu entfernen, sie aber engmaschig zu überwachen. Bei Patienten, bei denen eine Operation möglich war, empfehlen wir ebenfalls regelmäßige Kontrollen.

Falls sich die Krebserkrankung so aggressiv darstellt oder so spät entdeckt wurde, dass keine Heilung mehr möglich ist, helfen wir unseren Patienten mit lindernden Maßnahmen. Beispielsweise legen wir – im Rahmen von nicht-invasiven endoskopischen Eingriffen – Stents ein oder schaffen Verbindungen zu anderen Darmschlingen, um den Nahrungsdurchfluss aufrecht zu erhalten.     

Nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch seelische Unterstützung

Viele Patienten mit neuroendokrinen Tumoren können – nach einer Schreckphase – gut mit dieser Erkrankung leben. Da der Tumor in der Regel nicht schnell wächst, empfinden sie die Krebserkrankung wie eine chronischen Krankheit und stellen ihr Leben so darauf ein, dass sie eine gute Lebensqualität erleben.

Bei Bedarf bieten wir unseren Patienten, vor allem bei aggressiven Formen des neuroendokrinen Tumors, eine psychologische Unterstützung an. Unsere Psychoonkologen haben sind speziell ausgebildet für die Betreuung krebskranker Menschen und helfen Ihnen als Patienten, Ihren eigenen Weg für den Umgang mit der Krankheit zu finden.

Unser Sozialdienst steht Ihnen bei organisatorischen Fragen zur Seite

Die Mitarbeiter in unserem Sozialdienst unterstützen Sie, wenn Sie Fragen zu Ihnen zustehenden Unterstützungsleistungen und Rechten haben.

  • Kann es sinnvoll sein, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen?
  • Welche Optionen gibt es, die Anfangsphase daheim durch ambulante Pflegeleistungen zu erleichtern?

Unser Sozialdienst hilft Ihnen auch, einen sich anschließenden Rehabilitationsaufenthalt zu organisieren, so dass Sie nach Ihrer Krebsbehandlung wieder Kräfte sammeln können.

Die Spezialgebiete unserer Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie