Angiographie

In der Angiographie werden alle Blutgefäße des Körpers zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken mittels Kontrastmittel oder CO2 (bei Kontrastmittelallergie, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenerkrankungen) dargestellt.

Was ist eine Angiographie?

Unter Angiographie versteht man die Darstellung der Schlagadern (Arterien) des Körpers mit Hilfe von Röntgen-Kontrastmittel.

Nach einer örtlichen Betäubung - eine Vollnarkose ist nicht notwendig - wird über eine dünne Hohlnadel in der Leiste oder in der Ellenbeuge ein feiner Kunststoffschlauch (Katheter) in die Schlagader eingeführt und Kontrastmittel appliziert. Mit dem Blutstrom verteilt sich das Kontrastmittel in den Blutgefäßen und sie werden auf dem Röntgenbild sichtbar, sodass der Arzt Gefäßverengungen oder -verschlüsse erkennen kann.

Nach Beendigung der Untersuchung wir der Katheter entfernt und an der Punktionsstelle für ca. 24 Stunden ein Druckverband angelegt. Zudem sollte über 6 Stunden Bettruhe eingehalten werden bzw. der Arm geschont werden, um eine Nachblutung zu vermeiden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Nach Abklingen der Betäubung können leichte Schmerzen an der Punktionsstelle auftreten. Zudem kann sich ein kleiner Bluterguß bilden, der keiner Behandlung bedarf und sich innerhalb weniger Tage zurückbildet.

In seltenen Fällen kann eine stärkere Nachblutung an der Punktionsstelle entstehen, die operativ behandelt werden muss. Insbesondere bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente ist das Risiko einer stärkeren Nachblutung erhöht.

In extrem seltenen Fällen bildet sich an der Punktionsstelle ein Blutgerinnsel, das zu einem Gefäßverschluss führt und operativ entfernt werden muss.

Außerdem können allergische Reaktionen auf das örtliche Betäubungsmittel oder auf das Kontrastmittel vorkommen, die sich meist auf einen juckenden Hautausschlag beschränken und gut medikamentös zu behandeln sind. Sehr selten kommt es jedoch auch zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock, der intensivmedizinischer Behandlung bedarf.

Welche alternativen Untersuchungsmethoden gibt es?

Viele Gefäße des Körpers sind gut einer speziellen Ultraschalluntersuchung, der sog. Farbduplexsonographie, zugänglich. Bei anatomisch schwer zugänglichen oder stark verkalkten Gefäßen besitzt der Ultraschall aber Grenzen.

Auch mit der Computertomographie, einer Röntgenuntersuchung zu der ebenfalls Kontrastmittel notwendig ist, sind Blutgefäße darstellbar. Hier wird im Gegensatz zur Angiographie das Kontrastmittel aber nicht direkt in die Schlagader appliziert, sondern über eine dünne Nadel in eine Armvene ähnlich wie bei einer Infusion.

Das modernste Untersuchungsverfahren stellt die Kernspintomographie dar. Hier werden statt Röntgenstrahlen Magnetfelder zur Erzeugung der Bilder verwandt. Die Untersuchung ist jedoch weder für Menschen mit Angst vor engen Räumen noch für Herzschrittmacherträger geeignet.

Was ist eine Angioplastie?

Unter Angioplastie versteht man die Aufdehnung einer Gefäßverengung oder eines Gefäßverschlusses mit Hilfe eines speziellen Katheters, an dessen Spitze ein Ballon integriert ist. Dieser wird in der Engstelle platziert, mit Flüssigkeit gefüllt und so die Engstelle gedehnt. Der Ballon wird in seiner Größe dem Gefäßdurchmesser entsprechend gewählt, um das Gefäß nicht zu überdehnen.

Die Angioplastie kann direkt im Anschluss an die Angiographie erfolgen. Es ist lediglich ein Wechsel des Katheters ohne erneute Punktion notwendig. Dies ist der große Vorteil der Angiographie gegenüber den oben genannten alternativen Untersuchungsverfahren, mit denen nur eine Darstellung aber keine Behandlung der Verengung möglich ist.

Engstelle in der rechten Beckenarterie. Nach Aufdehnen mit einem Ballon und Einlegen eines Stents ist die Engstelle nicht mehr nachweisbar.

In unserer Abteilung bieten wir an:

Diagnostische Angiographien
(Gefäßdarstellungen)

  • alle Blutgefäße des Körpers
  • mit jodhaltigem Kontrastmittel oder CO2

Ballondilatationen
(Therapie von Verengungen der Arterien mittels eines Ballonkatheters)

  • hirnversorgende Gefäße (Carotiden)
  • Nierenarterien
  • Gefäße des Bauchraumes (Visceralarterien)
  • Becken/Bein-Gefäße

Stentimplantationen
(Therapie von Verengungen der Arterien mittels eines Stents)

  • hirnversorgende Gefäße (Carotiden)
  • Nierenarterien
  • Gefäße des Bauchraumes (Visceralarterien)
  • Becken/Bein-Gefäße

Embolisationen
(über Mikrokatheter können Gefäße verschlossen werden)

  • Tumorembolisationen (gut- oder bösartige Tumore)
  • Pfortaderembolisationen
  • Myomembolisationen
  • Blutungsembolisationen

Chemoembolisationen
(Einbringen von Zytostatika in den unmittelbaren Tumorbereich)

  • Lebertumore
  • Metastasen

Was ist ein Stent?

Ein Stent ist ein feines Metallgitterröhrchen, welches in das Blutgefäß eingesetzt wird, falls die Ballonaufdehnung allein nicht ausreicht, um die Verengung zu beseitigen. Der Stent verbleibt im Gefäß, wächst dort ein und hält die Verengung offen.

Was ist sonst noch zu beachten?

Zur Untersuchung sollten Sie möglichst nüchtern erscheinen. Nach der Untersuchung ist die Nahrungsaufnahme uneingeschränkt möglich.
Sind Sie Diabetiker und nehmen Metformin-haltige Medikamente, sollten diese drei Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Applikation von Röntgenkontrastmittel nur bedingt möglich, um die Nieren nicht zu schädigen.
Bei einer bekannten Kontrastmittel- oder Jodallergie ist eine Angiographie evtl. nur nach einer Prämedikation mit Antiallergika möglich.
Blutverdünnende Medikamente, z.B. Marcumar, sollten einige Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.

Wichtigste Untersuchungen und Behandlungen im Überblick