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Klinikum Schwabing

Klinik für Kinderchirurgie
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Kinder-Urologie: Harnwege, Blase, Hoden, Niere.

Manche kinder-urologische Erkrankungen oder Fehlbildungen, etwa die Vorhautverengung (Phimose) oder die Harnrückflusserkrankung (vesiko-ureteraler Reflux) müssen nur beobachtet und eventuell mit Medikamenten behandelt werden. Oft entwickeln sie sich so positiv, dass kein Eingriff notwendig ist. Andere Fehlbildungen des Harntrakts dagegen erfordern noch in den ersten Lebenstagen eine umfangreiche Operation, da die Defekte eine Harnableitung vereiteln oder die Nieren stark schädigen würden. Mehrere Ärzte haben sich bei uns auf den Harntrakt, unter Fachleuten Urogenitaltrakt genannt, spezialisiert und schaffen es mit ihrer Erfahrung, eine angenehme Untersuchungssituation auch dann herzustellen, wenn die Betroffenen mit Gefühlen wie Scham und Angst zu kämpfen haben.

Angeborene Fehlbildungen: Frühzeitige Behandlungskonzepte bis hin zur rekonstruktiven Operation

In manchen Fällen werden die Fehlbildungen bereits vor der Geburt im Rahmen der Pränataldiagnostik erkannt. Aufgrund der engen Zusammenarbeit in unserem Perinatalzentrum, in dem die Frauen- und Kinderklinik eng verzahnt mit unserer Kinderchirurgie zusammenarbeiten, können wir die Behandlungsoptionen dann noch vor der Geburt mit den Eltern besprechen.

Andere Fehlbildungen zeigen sich erst nach der Geburt oder in den ersten Tagen und Wochen. Harnleiterabgangs- oder -mündungsengstellen (Stenosen), Harnröhrenklappen sowie andere seltene komplexe Fehlbildungen werden meist noch im frühen Säuglingsalter operiert, um zu vermeiden, dass die Nierenfunktion nachhaltig geschädigt wird.

In manchen Fällen bedarf es aufwändiger rekonstruktiver Operationen mit besonderen Instrumenten und spezialisierten Konzepten, um die Funktionalität der Harnwege herstellen zu können. Soweit wie möglich und sinnvoll, führen wir die urologischen Operationen in unserer Kinderchirurgie als minimal-invasive Eingriffe durch.

Harnrückflusserkrankung (vesiko-ureteraler Reflux) – bei häufigen Harnwegsinfekten

Bei der Harnrückflusserkrankung fließt der Harn aus den Harnleitern teilweise wieder zurück in die Nieren, was in der Regel durch einen schlecht funktionierenden natürlichen Verschlussmechanismus bedingt ist.

In diesem Harn können sich leider Bakterien besser und schneller vermehren und zu den Nieren gelangen, als wenn der Harn vollständig aus der Blase abfließen würde.

Daher kommt es bei den betroffenen Kindern zu vermehrten Infektionen des Harntrakts, weshalb sie oftmals über längere Zeit hinweg ein niedrig dosiertes Antibiotikum erhalten.

In den meisten Fällen heilt diese Harnrückflusserkrankung von alleine im Zuge des Wachstums. Treten aber trotz der Antibiotika-Gabe immer wieder Harnwegsinfekte auf, ziehen wir eine operative Behandlung in Betracht:

  • Im Rahmen einer Blasenspiegelung, also eines endoskopischen Eingriffs, für den keine Narkose erforderlich ist, unterspritzen wir die Harnleitermündungen in der Blasenwand mit einem speziellen Gel. Dadurch heben wir die Harnleiter etwas an und unterstützen somit den natürlichen Verschlussmechanismus.
  • Bei einem stark ausgeprägten vesiko-ureteralen Reflux verlagern wir im Rahmen einer Operation den Harnleiter so, dass ein neuer, längerer Tunnel in der Blasenwand entsteht, um die Ventilfunktion zu rekonstruieren (Harnleiterneueinpflanzung).

Krampfader des Hodens (Varikozele) – minimal-invasiv den Blutfluss umlenken

Die Varikozele, auch Krampfader oder Krampfaderbruch des Hodens genannt, tritt vor allem bei pubertierenden Jungen und junge Männern auf. Sie entsteht – anatomisch bedingt – in den weitaus häufigsten Fällen am linken Hoden und fällt auf durch eine Schwellung, eine sichtbare Aussackung der Ader und bei längeren Verläufen durch einen im Wachstum gegenüber der anderen Seite zurückbleibenden Hoden.

Um eine langfristige Schädigung des Hodens zu vermeiden, operieren wir ausgeprägte Varikozelen. Im Rahmen einer minimal-invasiven Bauchspiegelung verschließen wir die Hodenvene mittels eines Clips. In der Folge entwickelt der Körper einen so genannten Umgehungskreislauf, so dass das Blut wieder ungehindert abfließen kann.

Hodenhochstand: Behandlung vor Ende des 1. Lebensjahres ratsam

Etwa vier Prozent der Buben kommen mit einseitig oder beidseitig leeren Hodensäckchen auf die Welt. In den meisten Fällen wandern die Hoden dann aber noch im ersten Lebenshalbjahr an die richtige Stelle, wenn nicht, kann Ihr Kinderarzt diesen natürlichen Prozess durch eine Behandlung mit Hormonen, die das Hodengewebe weiter reifen lassen, unterstützen.

Falls die Hoden danach immer noch im Leistenkanal oder Bauchraum liegen, verlagern wir diese - um eine langfristige Schädigung des Hodens zu verhindern - gegen Ende des ersten Lebensjahres operativ in das Hodensäckchen.

Harnröhrenfehlbildung (Hypospadie) bei Jungen: Operative Verlagerung der Harnröhrenmündung des Penis

Bei der so genannten Hypospadie, wie die häufigste Harnröhrenfehlbildung des Penis von Medizinern bezeichnet wird, mündet die Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel.

Je nach Lage der Harnröhrenöffnung und der Unvollständigkeit der Vorhaut gibt es verschiedene Operationsmethoden für die Hypospadien, so dass es einer großen Erfahrung der Operateure bedarf, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Bei der Operation wird die Harnröhre verlängert und der Penisschaft begradigt.

In der Regel operieren wir die Jungen noch vor Ende ihres ersten Lebensjahres, weil sie dann einerseits die Narkose gut vertragen können, andererseits aber die psychologische Belastung am geringsten ist. Je nach Schweregrad und Art der Operation ist ein drei- bis etwa siebentägiger Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Hodentorsionen und andere akute Hodenschmerzen – für Notfälle rund um die Uhr besetzt

Im Bereich des Harntraktes kann es zu Notfällen kommen, die einer schnellen Behandlung bedürfen.  Hodentorsionen, auch Hodenstieldrehungen genannt, treten plötzlich auf, manchmal ohne erkennbare Ursache: Der Hoden dreht sich mit dem Nebenhoden um den Samenstrang, wodurch die Blutversorgung abgeschnürt wird.

Im Rahmen einer Operation, die wir innerhalb weniger Stunden durchführen, drehen wir den Hoden möglichst bald wieder in die richtige Position und fixieren ihn dann in der Regel im Hodensack, um weiteren Hodentorsionen vorzubeugen.

In seltenen Fällen stellen wir bei der Untersuchung von akuten Hodenschmerzen fest, dass sich nicht der Hoden, sondern Hoden- oder Nebenhoden-Anhangsgebilde, so genannte Hydatiden, verdreht haben. Die Hydatiden sind Restgebilde der Embryonalzeit, die keine Funktion ausüben. In der Regel bedarf es daher keiner Operation, wenn wir eine Hydatiden-Torsion diagnostiziert haben.

Auch Nebenhoden-Entzündungen, von den Fachleuten Epididymitis genannt, können akute Schmerzen und Schwellungen hervorrufen. Diese werden dann ebenfalls nicht-operativ behandelt.

Beschneidung der Vorhautverengung (Phimose): Kleiner Eingriff am kindlichen Penis, der Erleichterung verschafft

Vorhautverengungen und Verklebungen von Vorhaut und Eichel treten bei Jungen im frühen Vorschulalter häufig auf. In den meisten Fällen bedürfen sie keiner Behandlung, sondern lösen sich natürlich oder mit Hilfe einer Salbe. Nur wenn häufig Infekte, Hauterkrankungen und Einrisse auftreten oder das Wasserlassen Probleme bereit, ziehen wir in Absprache mit den Eltern der Betroffenen eine Operation in Betracht. Diese Operation, bei der die Vorhaut ganz oder teilweise beschnitten wird, führen wir in der Regel ambulant durch.

»Ausgezeichnet. FÜR KINDER« – zum vierten Mal in Folge

Als einzige Kinderklinik in München trägt unsere Kinderchirurgie durchgängig seit 2009 das Siegel „Ausgezeichnet. Für Kinder.“ Dieses verbändeübergreifende Gütesiegel wird von einer unabhängigen Bewertungskommission vergeben, wenn Kinderkliniken eine Reihe von personellen, fachlichen und technischen Qualitätskriterien erfüllen.

Auch dass ein Elternteil mit dem Kind aufgenommen werden kann, ist ein wichtiger Punkt der Anforderungen. Zudem ist nachzuweisen, dass Bezugspersonen wie Eltern oder Betreuer in die Therapie einbezogen, geschult und angeleitet werden.

Die Spezialgebiete der Kinderchirurgie in München Schwabing