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Klinikum Schwabing

Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik
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Fütterstörungen und andere Regualtionsstörungen (Schreien, Schlafen) bei Säuglingen und Kleinkindern

Wenn ein Kleinkind nicht essen will, dann werden die Mahlzeiten oft zu dramatischen Situationen. Die Eltern wenden viele Stunden des Tages auf, um dem Kind ausreichend Nahrung zukommen zu lassen oder es dazu zu bewegen, nicht so extrem einseitig zu essen.

Bei Kindern, die aufgrund einer Erkrankung vorübergehend mittels einer Sonde ernährt wurden, gestaltet sich die Umgewöhnung auf das normale Essen über den Mund eventuell schwierig. Ihr Kind altersgerecht zu ernähren bringt die betroffenen Familien oftmals an den Rand ihrer Kraft und belastet die Beziehung zwischen Eltern und Kind ungemein.

Extrem unruhige Kinder sind in einem Teufelskreis gefangen

Säuglinge mit so genannten Regulationsstörungen lernen nur schwer, ihr Verhalten und ihre Gemütsregungen zu regulieren. Sie schreien viel, schlafen selten über längere Zeiten und zeigen sich oft auch beim Füttern oder Essen sehr unruhig und aufgeregt. Die Unruhe lenkt die Säuglinge vom Trinken ab, bei Kleinkindern treten zunehmend Machtkämpfe ums Essen auf.

Der Druck, der dadurch für die Eltern entsteht, führt zu Reaktionen, die die Eltern-Kind-Beziehung belasten. Das Wechselspiel in der Interaktion zwischen Mutter und Kind führt oftmals in einen Teufelskreis, aus dem die Familien ohne Unterstützung kaum noch herauskommen.

Extrem unruhige Kinder essen schlecht und werden dadurch noch unruhiger.

Fütterstörungen nach Frühgeburt oder schwerer Erkrankung

Haben Säuglinge oder Kleinkinder massive Manipulationen im Mund-Rachen-Raum erlebt, dann können daraus so genannte posttraumatische Fütterstörungen entstehen. Intubationen zur Beatmung, vorübergehend notwendige Ernährung über Nasen-Sonden, aber auch massive Fütterversuche führen zu derartigen Irritationen im Mundraum, dass die Kinder nicht mehr essen.

Da diese Familien oftmals schon durch die langen Krankenhausaufenthalte erschöpft und wegen der schwachen Konstitution ihres Kindes in Sorge sind, strengen sie die Probleme sehr an. Sie möchten ihr Kind von der Sonde entwöhnen, haben aber Angst, dass es nicht angemessen gedeiht. Die Tage sind geprägt durch Sondieren, Fütterversuche, Erbrechen und Frustration. Das Thema Ernährung des Kindes bekommt eine derart hohe Bedeutung, dass es das ganze Familienleben dominiert.

Wenn Kinder keine anderen Nahrungsmittel akzeptieren

Kinder, die beispielsweise einen ausgeprägten Geschmackssinn für Bitterstoffe besitzen oder im Mund sensorisch sehr empfindlich sind, wollen oftmals nur ganz wenige Nahrungsmittel zu sich nehmen. Die Eltern befürchten gesundheitliche Folgeschäden aufgrund der daraus resultierenden extrem einseitigen Ernährung.

Andere Kinder schaffen möglicherweise aufgrund ihrer Hypersensibiltät die altersgerechten Entwicklungsschritte nicht. Der Umstieg von der Flasche auf die breiige Nahrung oder später aufs feste Essen gelingt nicht.

Eltern-Kind-Beziehung als Schwerpunkt unserer Behandlung

Wenn wir Fütter- und Essstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter behandeln, nehmen wir stets ein Elternteil mit auf unsere Station auf.

Der Fokus unserer Behandlung liegt immer darauf, die Beziehung zwischen Elternteil und Kind zu verbessern und zu bestärken, wobei wir das Füttern zwar als wichtigen, aber nicht als alleinigen Aspekt ins Auge fassen. 

Wir helfen den Eltern, ihr Kind besser verstehen zu lernen

Unser Behandlungskonzept beinhaltet sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien. Bei den regelmäßigen Einzel-Psychotherapien suchen wir gemeinsam mit den Eltern nach einem besseren Verständnis für ihr Kind und dessen Probleme.

Oftmals filmen wir die Kinder mit ihrem Elternteil beim Spiel oder beim Füttern und besprechen diese Sequenz dann gemeinsam mit ihnen: Welche Signale kamen von dem Kind? Wie ging die Mutter (der Vater) bei der Reaktion darauf ein? In diesen Gesprächen erkennen die Eltern oftmals, was in den belastenden Füttersituationen passiert und sehen erste Auswege.

In unserer Therapie legen wir viel Wert darauf, die Beziehung zwischen Eltern und Kind zu verbessern.

Einzeltherapien nur für die Eltern

Neben den Einzeltherapien, die mit dem Säugling oder Kleinkind zusammen stattfinden, gibt es auch psychotherapeutische Gespräche mit dem Elternteil alleine.

Die Elternteile können dort belastende Sorgen und Ängste thematisieren und verstehen, inwiefern ihnen eigenen Probleme möglicherweise erschweren, auf das Kind einzugehen.

In der Gruppe die Lust am Essen finden

Mehrere Gruppentherapien nehmen wichtige Rollen ein bei unserem Therapie-Konzept für Fütter- und Essstörungen im Säuglings- oder Kleinkindalter.

In der Essensgruppe dürfen die Kinder gemeinsam und ohne Eltern ausprobieren, ob Essen auch mit lustvollen Erlebnissen verbunden sein kann. Dabei dürfen sie viele Nahrungsmittel probieren und spielerisch mit dem Essen umgehen.

In der Eltern-Kind-Gruppe geht es nicht ums Essen, sondern ums pädagogisch angeleitete gemeinsame Spiel, wodurch sich oftmals die Beziehung zwischen Mutter und Kind entspannt. 

Beobachten, abwarten und staunen – ein besonderes Gruppenkonzept

Unsere www-Gruppe, die nach den englischen Begriffen „watch, wait and wonder“ benannt ist, hat ebenfalls die Interaktion zwischen Kind und Elternteil im Fokus.

Wir setzen bei diesem Konzept bewusst darauf, dass die Mütter beobachtend abwarten, bis sie von ihrem Kind eine Einladung zum freien Spiel erhalten. Durch ein möglichst erwartungsfreies Zusammensein von Eltern und Kind eröffnet sich oft ein neuer Blick auf das Kind und auf die eigenen Möglichkeiten zu reagieren.

Gruppenerlebnisse und Austausch. Wertvolle Erfahrungen

In unserer Elterngruppe erfahren die Eltern, dass sie nicht allein mit ihren Schwierigkeiten sind und können im Austausch mit den anderen Betroffenen oft Entlastung erfahren.

In der Pädagogischen Gruppe leiten unsere besonders geschulten Pädagogen die Kleinkinder – ohne ihre Eltern – an, gemeinsam etwas zu gestalten. In diesen Stunden backen die Kinder manchmal gemeinsam einen Kuchen oder rühren einen leckeren Früchtequark an.

Wir fördern gezielt auch die Bewegungsentwicklung der Kinder

Ganz bewusst stellen wir in einigen Therapie-Einheiten das Essen nicht in den Mittelpunkt. In der psychomotorischen Bewegungstherapie, die in der Regel als Einzeltherapie für Elternteil und Kind stattfindet, steht die Eltern-Kind-Interaktion im Vordergrund.

Unsere Bewegungstherapeuten leiten das Eltern-Kind-Paar an, spielerisch Bewegungen auszuprobieren, wobei auch hier die Impulse des Kindes den Anstoß geben sollen. So entstehen in einem eigens dafür eingerichteten Raum Gebilde aus Polstern oder die Mütter testen unsere große Schaukel zusammen mit ihrem Kind.

Unser pflegepädagogisches Team stärkt die Familien im Klinikalltag

Jedem Eltern-Kind-Paar werden zwei Bezugspersonen aus unserem pflegepädagogischen Team zugeordnet. Diese begleiten die Familien im Klinikalltag, unterstützen sie bei den Füttersituationen und helfen ihnen, die in den Therapien erarbeiten zielführenden Verhaltensweisen tatsächlich umzusetzen.

Die Bezugspersonen, allesamt speziell ausgebildete Krankenpflegekräfte oder Pädagogen, stehen den Familien stets mit Rat und Tat zur Seite. Dass all unsere Mitarbeiter sich stets auf dem gleichen Wissenstand über die kleinen Patienten und ihre Eltern befinden, ist für uns selbstverständlich.

In unseren regelmäßigen Teamsitzungen besprechen wir alle von uns betreuten Familien und informieren uns gegenseitig über die Entwicklungsfortschritte.

Wir entwickeln mit den Familien Perspektiven

In so genannten Perspektiv-Gesprächen tauschen wir uns mit den Eltern regelmäßig über den Stand der Therapie aus und besprechen gemeinsam, welche Schritte konkret als nächstes anstehen. Bei vielen Kindern können wir schnell Entwicklungsfortschritte erkennen: Sie wehren sich nicht mehr gegen das Essen, nehmen mehr zu sich, sind oftmals aber auch sonst weniger quengelig.

Viele Kinder machen während ihres Klinikaufenthalts in unserer Station aber auch in anderen Bereichen große Fortschritte: Sie entwickeln sich motorisch weiter, sprechen mehr und zeigen mehr Freude – auch in der Beziehung zu ihrem Elternteil. Auch bei den Eltern beobachten wir oft mehr Sicherheit und Freude im Umgang mit ihrem Kind.

Sondenentwöhnung manchmal ein längerer Prozess

Bei den meisten Kindern, die einen Großteil ihrer Nahrung über eine nasogastrale oder eine PEG-Sonde erhalten haben, gelingt es, diese während des Klinikaufenthalts von der Sonde zu entwöhnen.

Bei einigen Kindern, die durch ihre schwere Erkrankung oder eine Behinderung nach wie vor beeinträchtigt sind, kann der erste Klinikaufenthalt zwar einen wichtigen ersten Schritt bedeuten, aber noch nicht die volle Entwöhnung erreichen. Dann ist oft ein späterer zweiter Aufenthalt sinnvoll.