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Klinikum Schwabing

Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik
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Schulangst und Schulverweigerung

Jeden Morgen spielen sich Dramen ab: Das Kind oder der Jugendliche will partout nicht in die Schule gehen, klagt über Bauchweh, in der nächsten Woche über Kopfweh. Immer wieder müssen die Eltern nach Alternativen suchen, wie sie ihre beruflichen Verpflichtungen absagen oder das Kind betreuen lassen können.

In anderen Familien drücken die Jugendlichen ihre Ängste offen aus: Sie fürchten Leistungsabfragen, Schulaufgaben oder auch die fiesen kleinen Sticheleien der Mitschüler. Ebenfalls sehr belastend: Wenn es immer wieder vorkommt, dass das Kind zwar in die Schule fährt, dann aber anrufen und sich wieder abholen lässt.

Nicht immer ist die Schule selbst die Ursache.

In manchen Fällen löst aber nicht das, was in der Schule vor sich geht, sondern die Trennung von der elterlichen Bezugsperson aus, dass ein Kind nicht in die Schule gehen möchte oder sich bald wieder abholen lässt.

Diese Kinder und Jugendlichen fürchten, ihrer Mutter könnte etwas passieren, haben Angst, dass sie mittags nicht mehr da ist. Meist besitzen sie eine sehr enge Bindung zu ihrer Bezugsperson. Zudem spielen in manchen Fällen Paarkonflikte oder die Angst, die Eltern könnten sich trennen, eine Rolle.

Nicht immer sind die Befürchtungen dieser Kinder realistisch, dennoch stellen sie ein reelles Problem für das Kind dar - und damit auch für die ganze Familie.

Ängste und Depressionen führen zu Schulverweigerung

Eine so genannte Angststörung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen Ängste erleben, die der tatsächlichen Bedrohung nicht annähernd entsprechen.

Die Jugendlichen leiden oftmals an einer so genannten Generalisierten Angststörung. Diejenigen, die sich vor allem unter den Klassenkameraden extrem unwohl fühlen, unter einer Sozialen Phobie.

In manchen Fällen führt auch eine Depression, die meist mit einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen einhergeht, zu Ängsten, in der Schule oder im sozialen Schulumfeld zu versagen.

Auch wenn die zugrunde liegenden Erkrankungen unterschiedlich ausgeprägt sind, die Folgen von Ängsten und Depressionen sind ähnlich: Wenn Jugendliche in der Schule oft fehlen, hinken sie bald hinterher und verlieren den Anschluss – wodurch sich die Problematik noch weiter verschlimmert.

Durch übergroßen Stress werden Schmerzen tatsächlich empfunden

Schule bedeutet für manche Kinder und Jugendlichen tatsächlich sehr großen Stress. Diese Belastung kann sich in unterschiedlichen Symptomen äußern, beispielsweise werden Schmerzen empfunden, für die sich dann aber trotz vielfacher Arztbesuche keine organische Ursache finden lässt.

Hier sprechen Experten von einer Somatisierungs- oder somatoformen Störung. Bei der somatoformen Störung ist ein ganz wichtiger Punkt für alle Beteiligten: Der Jugendliche nimmt die Schmerzen tatsächlich wahr, er simuliert nicht – auch wenn es keine rein körperliche Erklärung dafür gibt.

Wir können helfen, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht

Kinder und Jugendliche mit Schulängsten kommen zum Teil zu uns, weil niedergelassene Kinderärzte oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten erkannt haben, dass eine ambulante Therapie nicht ausreichend weiterhilft.

Andere Patienten finden den Weg zu uns über die Gesundheitsämter. Denn Jugendliche, die sehr oft die Schule versäumen, müssen bei einem Schularzt im Gesundheitsamt vorgestellt werden, der den Familien oftmals zunächst eine Attestpflicht auferlegt und wenn diese nicht eingehalten wird, selbst lösungsorientierte Schritte einleitet.

Wir behandeln Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren

Wir therapieren Teenager im Rahmen eines stationären Aufenthalts, die unter Schulängsten leiden und deshalb den Schulbesuch vermeiden wollen. Sie besuchen vormittags unsere klinikeigene Schule und erhalten dort – gezielt auf ihre Lücken ausgerichteten – Unterricht in den Kernfächern.

Nachmittags nehmen sie an vielfältigen Therapien teil, wobei wir das Programm auf die individuellen Probleme und Stärken ausrichten.

Individuelles Therapie-Programm aus Einzel- und Gruppentherapien

Unser Therapie-Programm kombiniert Einzeltherapien mit Gruppentherapien. Jeder Heranwachsende sieht zweimal in der Woche seinen Psychotherapeuten zu einem ausführlichen Einzelgespräch.

Alle zwei Wochen findet ein Familiengespräch statt, wo die Eltern und weitere Bezugspersonen, die mit dem Jugendlichen leben, in die Behandlung einbezogen werden.

Zudem nehmen alle Jugendlichen an einer angeleiteten allgemeinen Gesprächsgruppe teil, in der sie einen wertvollen Austausch mit anderen Patienten erfahren und gemeinsam Lösungsstrategien für von Jugendlichen selbst angesprochene Probleme erarbeiten.

Schulängste ernst nehmen und Techniken vermitteln, mit Stress umzugehen

Je nach Ursache für die Schulängste erstellen wir für die Jugendlichen unterschiedliche Therapie-Pläne:

  • bei Somatisierungsstörungen stehen Körpertherapien im Vordergrund
  • bei Angststörungen sind Konfrontationen mit den angstauslösenden Situationen zentrale Therapie-Elemente
  • Jugendliche, die soziale Phobien zeigen, erfahren gerade durch unsere „Soziale Kompetenz“-Gruppe eine wertvolle Unterstützung

Wenn auch die Therapie-Elemente teilweise unterschiedlich ausfallen, alle Therapien verfolgen die gleichen Prinzipien: Wir nehmen die Jugendlichen mit ihren Ängsten und Symptomen ernst, stärken ihr Selbstbewusstsein und vermitteln ihnen Techniken, um mit dem Stress umgehen zu lernen.

Gerade bei Schulängsten bildet unsere Schule eine wichtige Säule

In der Schule für Kranke auf unserem Klinikgelände erhalten die Jugendlichen vormittags vier Stunden Unterricht in den Kernfächern ihrer jeweiligen Schulform. Erfahrene Sonderpädagogen fördern die Schüler gezielt und versuchen, ihre individuellen Lücken zu schließen.

Dass Lehrer mit Gelassenheit auf ihre Probleme eingehen, ihre Fertigkeiten stärken und gezielt Themen mit ihnen erarbeiten, die ihnen schwer fallen, hilft diesen Jugendlichen sehr, wieder mit weniger Vorbehalten an das Thema Schule heranzugehen.

Liegen Lernstörungen, etwa eine Legasthenie, vor, können wir gemeinsam mit den Sonderpädagogen in unserer Schule Atteste erstellen, um dem Kind einen Nachteilsausgleich für die weitere Schullaufbahn zu verschaffen.

Kreative Therapien – Zugang zu Gefühlen finden, ohne sprechen zu müssen

Meist reden Jugendliche nicht gern, aber sie toben sich gerne aus, malen mit Hingabe und lieben Musik. Daher nutzen wir so genannte non-verbale Therapieformen, damit die Jugendlichen bei kreativen und sportlichen Aktivitäten einen Zugang zu ihren Gefühlen finden können.

Gerade bei Angststörungen hilft beispielsweise unsere Klettergruppe, wieder Zutrauen zu sich selbst – und in einen anderen Menschen – zu finden.

Jugendliche, die oft unter Schmerzen leiden, lernen ihren Körper bewusster wahrzunehmen. Denn erst, wenn sie ihm Rahmen unserer Therapie ihre Ängste verlieren, kann auch der Schmerz verschwinden.

Mit den Angstauslösern konfrontieren, um damit umgehen zu lernen

Bei Angststörungen müssen sich die Betroffenen mit ihren Ängsten auseinandersetzen. Daher konfrontieren wir sie mit den ihnen bedrohlich erscheinenden Situationen. Der Schulbesuch ist daher gerade bei Schulängsten wichtig, aber auch die Trennungsängste können am besten im Rahmen einer stationären Therapie bewältigt werden.

Sich Ängsten zu stellen, ist aber oft nicht nur für die Kinder eine wichtige Aufgabe: Die Eltern tragen selbst oftmals sehr viele Unsicherheiten mit sich herum, daher ist uns die Elternarbeit bei Schulängsten sehr wichtig.

Nein sagen. Wünsche formulieren. Sich abgrenzen. Soziale Kompetenz erwerben

Für viele unserer heranwachsenden Patienten bringt die Soziale-Kompetenz-Gruppe wertvolle Aha-Erlebnisse.

Vor allem diejenigen, die unter dem Verhalten der Mitschüler leiden oder Formen einer Sozialen Phobie zeigen, profitieren enorm von diesen Therapie-Einheiten, in denen unsere Therapeuten vermitteln und in Rollenspielen ausprobieren lassen, wie man sich im Alltag von anderen, deren Hänseleien und unerfüllbaren Forderungen abgrenzen kann.

Sie erlernen Techniken, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse adäquat zu formulieren und für sich einen guten Platz in der Gruppe zu finden.

Team aus mehreren Berufsgruppen arbeitet im engen Austausch zusammen

Bei einer psychosomatischen Therapie müssen Ärzte, Psychologen, Therapeuten unterschiedlichster Couleur und auf die Arbeit mit psychisch Kranken spezialisierte Krankenpflegekräfte eng vernetzt zusammenarbeiten.

In regelmäßigen Teamsitzungen tauschen wir uns über die Fortschritte unserer heranwachsenden Patienten aus und entwickeln gemeinsam die Therapiepläne weiter.

Unsere Krankenpflegekräfte begleiten die Patienten als so genannte Bezugsbetreuer im Klinikalltag, vermitteln ihnen Tagesstrukturen und helfen ihnen Interessen und Hobbies zu entdecken, an denen sie Spaß haben. Denn unsere Therapien sind stets auch auf den Alltag daheim ausgerichtet: Dort soll funktionieren, was wir unseren Patienten während der Zeit in unserer Klinik vermitteln.