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Spezialeinheit der Lüfte

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Denn je länger es dauert, bis die Ursache beseitigt ist, desto mehr Gehirnzellen sterben. Im Schnitt jede Minute 1,9 Millionen Nervenzellen. Bei einem Schlaganfall ist daher nur eins wichtig: time is brain.

Spezialbehandlung bei Schlaganfall bisher nur in großen Schlaganfallzentren möglich

Rund 260.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache. Wer überlebt, kämpft häufig mit bleibenden Behinderungen.

Eine spezielle Behandlungsmethode kann selbst bei schweren Verläufen schwerwiegende Behinderungen vermeiden: die Thrombektomie.

Dr. Christoph Degenhart, Neuroradiologie im Klinikum Harlaching: "Der Kathetereingriff wird eingesetzt, wenn ein Blutgerinnsel die Hirnarterie verstopft. Das Gerinnsel wird entfernt und die Durchblutung wiederhergestellt. Die Thrombektomie  erfordert eine hohe medizinische Expertise und muss so schnell wie möglich durchgeführt werden."

Wer in einer Großstadt lebt, hat gegenüber der Landbevölkerung deutliche Vorteile: Ein Spezialzentrum zur Behandlung von Schlaganfällen ist gleich in der Nähe. Patienten, die auf dem Land einen Schlaganfall erlitten, mussten bisher für die Spezialbehandlung aufwendig verlegt werden, was nicht ohne Risiko war. 

So sieht der Stent aus, mit dem Blutgerinnsel in den Hirnarterien entfernt werden.

Einsatz für das Team der „Flying Interventionalists“

Die Verlegung der Patienten per Hubschrauber in die Spezialzentren kann zukünftig Geschichte sein. Stattdessen fliegt das Expertenteam mit allen benötigten Gerätschaften direkt zum Patienten.

Dr. Degenhart: "Wir werden oft gefragt, ob der ganze Aufwand sinnvoll ist. Ja, es ist sinnvoll! Denn im Vergleich zur konventionellen Verlegung können so bis zu 100 Minuten eingespart werden." 

Ein entscheidender Faktor. Ein weiterer Vorteil für den Patienten ist die wohnortnahe Behandlung über den gesamten Therapieverlauf.  

Fliegende Ärzte als neuer Standard in der Regelversorgung?

Die „Flying Interventionalists“ sind erfahrene interventionelle Neuroradiologen aus dem Klinikum Harlaching und dem Klinikum rechts der Isar. In der Pilotphase nehmen zunächst elf regionale Kliniken in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz an dem Projekt teil.     

Dr. Degenhart auf dem Weg zum nächsten Einsatz. Mission: Leben retten.

Die fliegenden Ärzte stehen zunächst an 26 Wochen im Jahr, sieben Tage die Woche, jeweils in der Zeit zwischen 8.00 Uhr und 22.00 Uhr zur Verfügung. Geschätzt könnten zukünftig jährlich bis zu 200 Patienten im Netzwerk auf diese Weise behandelt werden.     

Telemedizin bringt hohe Versorgungsqualität aus der Stadt auch auf das Land

Die „Flying Interventionalists“ sind ein Projekt des telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks TEMPiS, das bereits im Jahr 2003 gegründet wurde. TEMPiS gehört mit 21 angebundenen Kliniken, zwei Telemedizinzentren in Harlaching und Regensburg und mehr als 10.000 Patienten pro Jahr zu den größten Netzwerken seiner Art in Europa.

Die Ärzte in den Partnerkliniken werden bei der neurologischen Untersuchung, der bildgebenden Diagnostik und der Therapieentscheidung von ausgewiesenen Schlaganfallspezialisten in den Zentren telemedizinisch, also per „Video-Liveschalte“, unterstützt.

Mit bis heute über 60.000 durchgeführten Telekonsilen hat sich das Konzept des Netzwerks als Erfolg erwiesen: höhere Versorgungsqualität, geringere Sterblichkeit, kürzere Verweildauer und frühere Diagnose heben den Versorgungsstandard in ländlichen Regionen annähernd auf das gleiche Niveau wie in der Stadt. 

Was aussieht wie ein Heli Fishing-Ausflug ist ein lebensrettender Einsatz, bei dem alle benötigten medizinischen Geräte mitgenommen werden.

Informationen zum Projekt "Flying Interventionalists"

Finanzierung

Die Finanzierung des Projektes erfolgt vollständig durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die wissenschaftliche Auswertung wird durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) gefördert.

Projektpartner

Projektträger ist das Städtische Klinikum München, Kooperationspartner sind das Klinikum rechts der Isar der TU München, das Universitätsklinikum Regensburg und 11 regionale Kliniken des TEMPiS-Netzwerks.    

Kooperationspartner für die Helikopterflüge sind die ADAC Luftrettung gGmbH sowie die HTM Helicopter Travel Munich GmbH. Die ADAC Luftrettung unterstützt solche zukunftsweisenden Projekte zur Weiterentwicklung der Luftrettung seit ihrer Gründung. So ist sie für die Forschung zur Verbesserung der Rettung aus Lebensgefahr und notfallmedizinischen Versorgung aus der Luft ein idealer Kooperationspartner.

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