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Die Welt ist bunt – und wir auch

43,2 % der Münchner haben einen Migrationshintergrund. Damit treffen nicht nur während des Oktoberfestes Menschen mit unterschiedlichsten Wurzeln aufeinander – im städtischen Klinikum München ist diese Weltoffenheit gelebter Alltag: hier versorgen Ärzte und Pfleger aus über 80 Nationen jeden Monat über 1.000 stationäre Patienten aus 157 Ländern. Nicht alle verfügen über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, um Behandlungsabläufe und Diagnosen nachvollziehen und verstehen zu können. 

Über Sprachgrenzen hinweg – Qualifizierte Dolmetscher aus den eigenen Reihen

Um Sprachbarrieren bei schwierigen medizinischen Fragen zu überwinden, wurde 1995 in Schwabing der „Hausinterne Dolmetscherdienst“ gegründet und 2006 auf alle Standorte ausgeweitet. Über 100 Mitarbeiter decken derzeit 35 Sprachen ab – von afghanisch bis usbekisch.

Sie kennen sich dabei genauso mit den Klinikabläufen wie mit der Kultur der Kranken aus, die oftmals besser und differenzierter in ihrer Muttersprache Fragen über komplexe medizinische Sachlagen stellen, sich informieren oder Ängste artikulieren können.

„Wenn ich in ein Zimmer komme, dann begrüße ich erstmal alle freundlich auf kroatisch. Erst gucken alle überrascht, sind dann aber echt erfreut. Ich habe einmal für einen Wirbelsäulenpatienten aus Kroatien übersetzt. Als ich mich von ihm am letzten Tag verabschiedet habe, sagte seine Frau: „Sie können sich nicht vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als Sie unser Zimmer betreten und uns begrüßt haben. Ich habe gedacht, die Sonne geht auf und hätte beinahe geweint.“
Kroatische Pflegekraft, die als Dolmetscherin fungiert

Auszeichnung für unser Integrations-Engagement

2002 erhielt unserer Klinikum Schwabing „eine besondere Anerkennung für vorbildliches Engagement bei der Integration von Zuwanderern in der Bundesrepublik Deutschland“ im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Integration von Zuwanderern“, das von dem damaligen Bundespäsidenten Rau verliehen wurde.

Vorbild für andere Kliniken

Unser Modell wurde inzwischen auch in mehrere Kliniken in Deutschland und Österreich übertragen, so z.B. in das St. Johannes Hospital in Duisburg oder das Klinikum Wels in Oberösterreich. 

Wir leben Vielfalt und Toleranz

Beim hausinternen Dolmetscherdienst haben wir es im Städtischen Klinikum nicht belassen. Für eine wirkliche interkulturelle Öffnung, die sich nachhaltig an den Bedürfnissen unserer ausländischen Mitarbeiter und Patienten orientiert, haben wir verschiedenste interkulturelle Angebote geschaffen:

  • Muslimische Gebetsräume in Schwabing
  • Rituelle Waschungen für Verstorbene von Muslimen und Juden in Schwabing
  • Türkischsprachige Sprechstunden und Selbsthilfegruppen sowie eine Gesundheits-Informationsreihe zu Volkserkrankungen und Themen aus dem Präventionsbereich
  • Fremdsprachige Patienten-Informationsveranstaltungen
  • Interreligiöse Gedenkfeiern für Verstorbene
  • spezielle interkulturelle Schulungen im Pflegebereich
  • spezielle Einarbeitungsprogramme für Pfleger aus dem Ausland

„Nimm Rassismus persönlich.“

Seit kurzer Zeit beteiligt sich das Städtische Klinikum München auch an der Aktion „Nimm Rassismus persönlich“. Die Kampagne von Amnesty International wirbt mit unterschiedlichen Motiven und Slogans, die zum Nachdenken anregen, für eine offene und tolerante Gesellschaft. Man wird beispielsweise mit der Frage konfrontiert,  „Welche Ohrenform Faulheit hat?“

„Die interkulturelle Zusammenarbeit und Patientenversorgung leben wir täglich. Darüber hinaus war es uns ein wichtiges Anliegen, auch zum Thema Rassismus eine klare Position zu beziehen und mit unserer Beteiligung hier ein Zeichen zu setzen“, erklärt der Schwabinger Klinikleiter Günter Milla die Idee hinter der Aktion.

Klinikleiter Günter Milla (hinten Mitte) mit seinen Mitarbeitern.

„Welche Augenfarbe hat Freundlichkeit?“

Die Aktion kommt bei den Mitarbeitern, Pflegeschülern und Patienten gleichermaßen gut an. Für die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund ist unser Klinikum  wie ein zweites zuhause, denn sie erleben jeden Tag ein offenes Krankenhaus, dass neue Mitarbeiter und Patienten, egal welcher Herkunft, herzlich aufnimmt.

So z.B. auch Herrn Bisera Sanžak, dessen Eltern aus Serbien während des Jugoslawienkrieges geflohen sind und seit 2013 in Schwabing als Patientenfahrer tätig ist. Er liebt seinen Job und unterhält sich gerne mit seinen Patienten. In seinem Team stammen alle Kollegen aus den Ländern Ex-Jugoslawiens. Was in den Ländern ein Problem ist, ist hier vor Ort kein Thema. „Wir verstehen uns alle super.“

„Welche Hautfarbe hat Kreativität?“

Clement Edathumparampli ist in Indien geboren und arbeitet seit 2013 als katholischer Seelsorger in Schwabing. Er kennt beide Seiten, Anfeindungen und Respekt. Tritt er als Geistlicher auf, wird er als normale Person akzeptiert und man tritt ihm mit Achtung entgegen. Als Privatperson hat er schon rassistische Anfeindungen erlebt. „Das habe ich im Klinikum aber Gottseidank noch nicht erlebt. Dafür sind wir hier zu Multikulti.“

Unsere Geschichten für Sie: Viel Freude beim Lesen!