"Ja, ich habe Lungenkrebs"

Mit 15 Jahren hat der 61-jährige Ulrich L. seine erste Zigarette geraucht. Es gab Tage, da rauchte er 40 Zigaretten am Tag. Bis zu dem schicksalhaften Tag im April 2016, als er plötzliche heftige Schmerzen in der Brust verspürte und zuerst an einen Herzinfarkt dachte. Die vernichtende Diagnose: Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium.

„Fangt diesen Mist bloß nicht an, es lohnt sich nicht“

Ulrich L. hat ein Ziel: Er will Jugendliche vor dem gleichen Schicksal bewahren. Daher steht er mit seinem behandelnden Arzt Dr. Jonas Hartung vor Schülern der 9. Klasse des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums und erzählt seine Geschichte.

Er spricht über sein Leid und das seiner Familie, als er von heute auf morgen die schlechte Nachricht  erhält und sogar Weihnachten im Krankenhaus verbringen muss. Mit einem eindringlichen „Fangt diesen Mist bloß nicht an, es lohnt sich nicht“ schließt er seinen Aufruf gegen das Rauchen ab. Die Schüler wirken nachdenklich. 

„Ich bin jetzt radikaler Nichtraucher“

Früher hatte er sich immer über diese radikalen Nichtraucher mokiert. Heute ist er selber einer. „Meine Nase ist extrem empfindlich geworden. Ich nehme bereits den kleinsten Hauch war“, erzählt er. Familie, Freunde und Bekannte dürfen in seiner Nähe nicht mehr rauchen.

„Niemand beschwert sich. Alle haben Verständnis dafür.“ Einige konnte er sogar überzeugen, mit dem Rauchen aufzuhören. 

Vom persönlichen Schicksal zu nüchternen Fakten

Mit seiner Lebensgeschichte ist es aber nicht getan. Dr. Hartung, Internist im Lungenzentrum des Klinikums Bogenhausen, übernimmt den theoretischen Teil, was das Rauchen im Körper anrichtet. Das interessiert auch Ulrich L., der neben den Schülern selber Fragen einwirft. Im Tabakrauch finden sich 250 giftige Stoffe, die sich auf Kreislauf, Atmung und den Körper auswirken.

Für Dr. Hartung ist die Raucherprävention ein persönliches Anliegen.

Seine Großmutter ist an Lungenkrebs gestorben. Und er weiß, dass 80 Prozent der Raucher im Schulalter anfangen und oft lebenslang Raucher bleiben.

Hätte Ulrich L. gar nicht erst mit dem Rauchen angefangen, wenn zu seiner Schulzeit bereits Raucherprävention stattgefunden hätte? „Die Zeiten kann man schlecht vergleichen. Die 70er sind nicht gerade für eine gesundheitsbewusste Bewegung bekannt. Aber wenn man persönliche Schicksale erlebt hätte, vielleicht nicht“, überlegt er.

"Mit der üblichen Therapie gab man mir weniger als ein Jahr"

Ulrich L. zeigt keine Spur von Resignation. Im Gegenteil, er sprüht vor Energie. „Ich werde mindestens 90 Jahre alt“, ist er sich sicher und grinst seinen Arzt an.

Bei Diangosestellung betrug seine Lebenserwartung weniger als ein Jahr. Das ist jetzt über zwei Jahre her, seitdem hat sich der Tumor wesentlich verkleinert.

Die Chemotherapie hatte nicht angeschlagen, die Ärzte wechselten zur Immuntherapie. Er hatte gleich doppeltes Glück. Nicht nur, dass die Therapie anschlug. Sie wurde erst kurz nach seiner Diagnosestellung zugelassen.

Die Bilder, die Dr. Hartung von seinem Patienten zeigt, sind beeindruckend. Deutlich ist zu sehen, wie sich der Tumor verkleinert hat. „Ich kann wieder laufen und besser atmen", verdeutlicht Ulrich L. 

Innovative Therapien und Engagement im Lungenkrebszentrum Bogenhausen

Die Klinik für Pneumologie und Pneumologische Onkologie in Bogenhausen unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. F. Joachim Meyer ist eines von nur vier zertifizierten Lungenkrebszentren in Bayern. Patienten erhalten hier eine umfassende moderne Behandlung mit höchsten medizinischen Standards.

Unter Leitung von Oberarzt Dr. Philipp Krainz werden besondere Begleitmaßnahmen angeboten, darunter stationäre Raucherentwöhnung, Lungensport und COPD-Schulungen.

Daneben engagiert sich die Klinik aktiv in der Raucherprävention. Dr. Hartung initiierte eine kreative Kooperation mit dem gegenüber liegenden Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium, an dem er selbst Schüler war.

Die Schüler erhalten von den Ärzten persönlich den „etwas anderen“ Präventionsunterricht mit Beispielen aus der Praxis. Im Gegenzug malen die Schüler im Kunstunterricht Bilder für die Lungenkrebspatienten und stellen ihre Kunstwerke im Klinikum Bogenhausen aus. So kommen sie auch persönlich mit dem Klinikalltag der Patienten in Kontakt.

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