Icon Notfall
Notfall

Schlaganfall mit 15 Jahren

Gerade 15 Jahre jung, hat Jonathan eine Erkrankung überlebt, die sonst nur Menschen betrifft, die das 60. Lebensjahr bereits weit überschritten haben. Ca. 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall, schätzungsweise 300 davon sind Kinder und Jugendliche. Experten gehen aber von einer höheren Dunkelziffer aus, was fatal ist, da auch bei Minderjährigen ein Schlaganfall die gleichen schwerwiegenden Konsequenzen hat, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird. 

Jonathan hatte besonderes Glück

An dem Morgen, als er seinen Schlaganfall erlitt, war seine Mutter zuhause und nicht wie üblich bereits auf der Arbeit. Das hat ihm das Leben gerettet. „Ich bin ganz normal aufgestanden“, erinnert sich der 15-jährige. „Doch plötzlich habe ich das Gleichgewicht verloren. Ich konnte nicht mehr reagieren, kaum noch sprechen.“

Seine Mutter findet ihn am Boden liegen, mit herunterhängendem Mundwinkel und abgesackter Körperhälfte. Sie erkennt sofort, dass ihr Sohn einen Schlaganfall hat und ruft den Notarzt. Nur sieben Minuten später ist er vor Ort  und organisiert nach der Erstversorgung den Transport in die Kinderklinik des Städtischen Klinikums München Schwabing.

Jonathan fühlt sich wieder topfit.

Jonathan mit seinen Ärzten Prof. Dr. Saleh (li) und PD Dr. Jünger (re).

Schnelles Handeln rettet Leben

Eine halbe Stunde später liegt Jonathan im CT und die Ärzte erkennen  auf den Bildern klare Anzeichen für einen Schlaganfall. Die mittlere Hirnarterie ist verstopft. Seine Ärzte Prof. Dr. Andreas Saleh, Chefarzt der Radiologie und Kinderradiologie, und PD Dr. Hendrik Jünger, Neurologe der Kinderklinik in Schwabing, entscheiden, dass Blutgerinnsel mithilfe eines Stent-Retrievers zu entfernen. „Wäre der Gefäßverschluss nicht rechtzeitig behandelt worden, hätte wohl nur noch ein Wunder eine halbseitige Lähmung verhindern können“, erläutert Prof. Dr. Saleh.

2:15 h – das Gehirn wird wieder mit Sauerstoff versorgt

Über die Leiste wird ein Kunststoffschlauch bis zur verstopften Arterie vorgeschoben, in dessen Inneren sich der Stent befindet. Das Blutgerinnsel verfängt sich in dem Drahtgeflecht und kann vorsichtig aus der Arterie entfernt werden. Während des Eingriffs werden die Lage des Blutgerinnsels sowie der Vorstoß des Stent-Retrievers auf Monitoren genau verfolgt.

Nur zwei Stunden und 15 Minuten sind vom Absenden des Notrufs bis zur erfolgreichen Öffnung der Hirnarterie vergangen. Das schnelle Handeln seiner Mutter, die richtige Einschätzung der Symptome, der Erfahrungsschatz der Ärzte und die Hightech-Ausstattung der Klinik haben Jonathan vor bleibenden Schäden bewahrt. 

Der Stent, mit dem das Gerinnsel entfernt wurde.

Schlaganfälle bei jungen Menschen sind besonders tückisch

„Schlaganfälle kommen bei jungen Menschen sehr selten vor, daher passiert es oft, dass die Symptome unterschätzt oder auch falsch eingeordnet werden“, erklärt Dr Jünger. Zumal die tatsächlichen Ursachen vielfältiger sind.

Bei Jonathan war es ein angeborener Herzfehler -  ein Loch in der Herzscheidewand - der das Blutgerinnsel auslöste, das zum Schlaganfall führte. Der 15-jährige wird in der Schwabinger Kinderklinik weiterbehandelt und hat die besten Chancen, ganz gesund zu werden. 

So erkennen Sie einen Schlaganfall

Der FAST-Test prüft schnell, ob ein Schlaganfall-Verdacht begründet ist. Innerhalb weniger Sekunden können damit Schlaganfälle festgestellt werden

  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen oder hängt ein Mundwinkel hinab?
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Liegt eine Lähmung vor, können nicht beide Arme gehoben oder gedreht werden.
  • Speech: Bitten Sie die Person, einen Satz nachzusprechen. Klingt die Stimme verwaschen oder ist sie gar nicht dazu in der Lage?
  • Time: Zeit ist Leben. Wählen Sie unverzüglich die 112 und informieren Sie den Notarzt über die Symptome.

Zum Tag des Schlaganfalls: Termine und Informationen

Prof. Haberl in der Abendschau

Am 10.05. um 18:00 Uhr berichtete Prof. Dr. Roman Haberl, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum Harlaching, in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens über Behandlungs- und Rehamöglichkeiten beim Schlaganfall.  

Sendung verpasst? Hier können Sie Beitrag in der Mediathek ansehen

TEMPiS - schnelle Schlaganfallversorgung für München und Umland

Unser Klinikum Harlaching steuert Europas größtes und schnellstes telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk. Auch in ländlichen Regionen in Süd-Ost-Bayern ist durch das Netzwerk eine effektive Schlaganfallversorgung gegeben. Nur 115 Minuten vergehen von der Erstversorgung bis zur rettenden Lysetherapie.

Unsere Geschichten für Sie: Viel Freude beim Lesen!