Von Brandwunden-Gelatine und Gummibärchen-Schmerzmittel

Am  07.12. war der Tag des brandverletzten Kindes. Zu dem Anlass lud die Kinderchirurgie der München Klinik Schwabing zahlreiche Kindergartengruppen zum Aktionstag ein. Aufklärung ist wichtig, denn jedes Jahr müssen in Deutschland 30.000 Kinder wegen Verbrennungen behandelt werden.  Gerade jetzt in der Adventszeit ist Vorsicht geboten.

Mit den Sanitätern in die Notaufnahme

Spannender Einblick in einen Rettungswagen.

Carla ist fünf Jahre alt und wird von Notärzten auf der Trage in die Notaufnahme geschoben. Was nach einem Unfall aussieht, ist in Wirklichkeit nur nachgespielt. Carla darf es sich auf der Trage gemütlich machen, während ihre Kindergartenkameraden ihr in die Notaufnahme folgen. Schon erwartet die Gruppe Dr. Kai Breuling. Die Szene sollte so echt wie möglich dargestellt werden, um den Kindern die Ernsthaftigkeit einer möglichen Verbrennung oder Verbrühung zu verdeutlichen.

Die Sanitäter verabschieden sich.

„Wer hat sich schon mal verbrannt?“

Dr. Breuling fragt auch gleich in die Runde, wer von den Kindern sich schon verbrannt hätte. Felix meldet sich und erzählt, dass er sich an der Heißklebepistole seinen Zeigefinger verbrannt hatte: „Das hat voll wehgetan und ich hatte sogar eine Blase.“

Dr. Breuling begrüßt die Kinder.

Felix hatte sich Verbrennungsgrad zwei zugezogen. Dafür gibt es von Dr. Breuling ein Trost-Gummibärchen. In der zweiten Fragerunde schießen gleich 20 Finger in die Höhe, mit einem schielenden Auge zum Gummibärchen-Topf…

Täuschend echt: Brandwunden aus Gelatine

Die Brandwunden werden aufgemalt.

Vor dem OP erwarten die Kinder zwei Kinderkrankenschwestern. Damit die Kinder eine Vorstellung haben, wie eine schwere Verbrennung von Grad 2 aussieht, kommt nun Wasserfarbe und Gelatine zum Einsatz. Die falschen Wunden sehen täuschend echt aus. Schockmomente für die Eltern, wenn die Kinder sie als Andenken mit nach Hause nehmen und ausrufen würden: ‚Schaut mal was ich aus dem Krankenhaus mitgebracht habe‘…

„Boah ist das eklig“, ruft Laura, „aus so einer Blase kommt dann in echt so ekeliges gelbes Zeug.“  Auch so manchem Erwachsenen wird bei dem Anblick ein wenig schummerig.

Täuschend echt.

Gummibärchen als Schmerzmittel

So ein Verband macht die Finger ganz schön unbeweglich.

Die „Wunden“ müssen nun behandelt werden. Dazu werden die Kinder mit OP-Kleidung ausstaffiert und erhalten als Schmerzmittel ein Gummibärchen – natürlich mit dem dezenten Hinweis, dass Gummibärchen nicht wirklich gegen echte Schmerzen helfen. Dann wird die „kaputte Haut“ vom Arzt entfernt, die Wunde gesäubert und die Hand mit einem Verband versehen.

Die "Wunden" werden fachkundig versorgt.

Kompressionskleidung als Schutzanzug

Nach der Wundversorgung übergibt der Arzt an den Orthopädie-Techniker.

Aber mit dem Verband ist die Behandlung noch lange nicht zu Ende. Bei schweren Verbrennungen muss zur Narbennachsorge spezielle Kompressionskleidung getragen werden. Das können, je nach verbrannter Region, Handschuhe, Hemden oder auch eine Maske sein.

„Mindestens ein Jahr lang muss eine Kompressionskleidung getragen werden, und das am besten 24 Stunden täglich, um eine grobe Narbenbildung zu verhindern“, erklärt Daniel Gabor, Orthopädie-Techniker am Klinikum Schwabing. Philipp will unbedingt die Maske anprobieren: „Die sitzt total eng, fast wie bei Spiderman, der hat auch so eine rote Maske.“

Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder

Die Kinderklinik in Schwabing ist eines von 19 Zentren deutschlandweit, die schwerverbrannte Kinder behandelt. Auch aus Österreich und der Schweiz kommen Patienten in die Kinderchirurgie.

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Einen kurzen Moment nicht aufgepasst und eine Tasse Tee kann 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes verbrühen. „Wir wollen keines der Kinder hier bei uns als Patienten wiedersehen, daher ist uns Aufklärung wichtig“, erklärt Dr. Carsten Krohn.

Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder

Hochspezialisierte Behandlung von Kindern mit schweren Verbrühungen/Verbrennungen.   

Schwerbrandverletzte Kinder (Verbrennung, Brandverletzung) in München Schwabing

Eltern lernen von ihren Kindern

Dr. Krohn unterweist die Kleinen, wie man sich zu Hause schützen kann und ermuntert sie, auch ihre Eltern auf die Gefahren von Kaminöfen, Kerzen & Co hinzuweisen.

Einen Fehler machen Erwachsene oft aus Unwissenheit: das Inhalieren über dem offenen Heißwassertopf. Die Verbrühungsgefahr ist dabei zu groß. Besser ist das Inhalieren aus dem Inhalator.

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