So sollte Pflege sein

Frischer Wind weht auf der Station 36 der Neurologie im Klinikum Bogenhausen. Wohin man blickt sieht man junge Leute und strahlende Gesichter. Gelächter hallt in den Fluren. Pflegekräfte scherzen mit den Patienten und umgekehrt. Keine Utopie, sondern die Wirklichkeit.

Azubis haben die Leitung übernommen

Eine Woche lang haben Pflegeauszubildende die Führung auf der neurologischen Station übernommen.

Vom Aufstellen des Dienstplans über gemeinsame Visiten mit den Ärzten bis zur Übergabe leiten die Schüler die Station eigenständig. 

Ausbildung anders denken

Es ist ein Pilotprojekt der München Klinik.

Es ist ein Pilotprojekt der München Klinik. Das Konzept ist nicht neu, aber das Einzigartige hier ist, dass Auszubildende aller Jahrgangsstufen dabei sind. Die Bachelor-Studenten übernehmen leitende Aufgaben und die Auszubildenden im dritten Lehrjahr leiten ihre Kollegen aus dem ersten Jahr an. Besonders die Auszubildenden aus dem ersten Jahr profitieren von der Azubistation. Sie erhalten nicht nur den vollen Einblick in die Praxis sondern lernen von dem Wissen jener Schüler aus dem dritten Jahr.

„Hier lerne ich, wie es richtig ist.“

Miriam ist eine von den sechs Erstjahresschülern. Ihre Bezugsperson ist die Drittjahresschülerin Chiara, die auch für die Woche die Stationsleitung inne hat. Sie erzählt, dass man während der Ausbildung zwar seine Praxiseinheiten hat, aber hier auf der Azubistation hat man mehr Zeit und kann in Ruhe alles durchgehen. „Chiara kann mir viel erklären und sie und die älteren Kollegen bringen einem bei, wie es richtig geht. Aber ich finde, das wichtigste ist, dass man einfach mehr Zeit für den Patienten hat.“ 

„Man hat mehr Zeit für den Patienten.“
Chiara, Pflegeschülerin

„Ich kann hier Erfahrung sammeln.“

Chiara wurde von den anderen Schülern zur Stationsleitung gewählt. Sie ist im dritten Jahr und kurz vor dem Abschluss. Sie nutzt die Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Eine gute Strukturierung und das Zeitmanagement sind wesentlich in der Pflege. „Wir haben viel Freiraum, da wir uns nur um 10 Patienten kümmern müssen und haben daher auch viel Zeit für die Patienten.“  

„Die Azubistation ist ein guter Einstieg.“

Marco ist ebenfalls im dritten Jahr. Ohne die Azubistation würde man nach der Ausbildung oft einfach ins kalte Wasser geschmissen. „Das sorgt für ziemlichen Stress. Jetzt kriegt man ein richtiges Gespür, wie es auf einer Station wirklich abläuft und kann direkt einsteigen, ohne dass man das Gefühl hat, man steht im Weg.“

„Hier steht der Patient wirklich im Mittelpunkt.“

„So sollte Pflege überall sein.“
Marco, Pflegeschüler

„Das Schöne auf der Azubistation ist, dass man Zeit hat und sich um den ganzen Patienten kümmern kann.“ Der Patient hat immer einen Ansprechpartner. Gerade auf der neurologischen Station ist es wichtig, mit den Patienten zu reden, erklärt Marco. Sie fühlen sich oft einsam, denn oft ist nichts mehr so wie vorher. „ Allein wenn man mit ihnen 10 Minuten einfach nur ratschen kann, bringt das für die Person enorm viel. So sollte Pflege überall sein, denn hier steht der Patient wirklich im Mittelpunkt.“  

Patienten genießen die Aufmerksamkeit

Die Patienten sind begeistert. 22 Schüler sind für 10 Patienten zuständig. Alle Schüler werden von einer examinierten Pflegekraft begleitet. Sie hält sich im Hintergrund, und greift nur ein, wenn Fragen oder Unsicherheiten im Umgang mit neuen oder unbekannten Situationen aufkommen. Die Schüler können sich Zeit nehmen, auch mal mit dem Patienten ratschen. Und die Patienten genießen die Zuwendung und Versorgung.

Jeder soll seine Chance bekommen

Nächstes Jahr wird das Programm ausgeweitet. Es soll zweimal jährlich auf verschiedenen Stationen stattfinden und später auf alle anderen Standorte übertragen werden. David Vierson, der Zentrale Praxisanleiter und verantwortlich für die Schüler, hat das Frühjahr bereits fest im Blick. “Zukünftig werden die Schüler 2 Wochen auf der Station sein und dann auch die komplette Station übernehmen. Sie werden sich dann um 28 Patienten kümmern und nicht nur um 10. Darauf freuen sich schon die anderen Schüler der Akademie, die in der Pilotphase nicht dabei sein konnten. Denn je größer die Station, desto mehr Schüler können zu uns kommen und das Stationsleben kennenlernen.“ 

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